Full text: Handbuch für das Berufs- und Fachschulwesen

h18 Otto Fulſt 
wurde eine Reihe anderer auf die ganze preußiſche Küſte verteilter Schulen, deren 
Lehrplan aber hinter dem der Danziger Schule zurückblieb, errichtet, 
Der Gründung ſtaatlicher Seefahrtſchulen folgte bald die Einrichtung von Be- 
rufsprüfungen, von deren Beſtehen die Zulaſſung zum Schiffergewerbe abhängig 
gemacht wurde. Dieſe Prüfungen hatten zunächſt nur lokale Gültigkeit, ſie wurden 
von den übrigen Staaten nicht anerkannt. Form und Inhalt der Prüfungen waren 
wie der Unterricht in den Schulen der einzelnen Länder ſehr verſchieden. Hierin trat 
erſt Wandel ein, als im Jahre 1869 vom Norddeutſchen Bund ein einheitlicher 
Befähigungsnachweis eingeführt wurde. Die unmittelbare Wirkung hiervon war, 
daß fortan ſämtliche deutſche Seefahrtſchulen nahezu gleich organiſiert waren. 
Bis zum Jahre 1925 wurde zur Erlangung eines Befähigungszeugniſſes zum 
Seeſchiffer oder Seeſteuermann neben einer praktiſchen Ausbildung nur eine Prü- 
fung verlangt; eine Schulausbildung war nicht vorgeſchrieben. Da bei den Prü- 
fungen ſtereotype, für längere Zeit gültige Prüfungsaufgaben, die allen Schulen 
bekannt waren, geſtellt wurden, ſo entwickelte ſich der Unterricht an den Seefahrt- 
ſchulen im Laufe der Jahre zu einer reinen Vorbereitung auf die Prüfungen, die 
nur zu oft in Drill ausartete. Dieſer Mißſtand iſt erſt beſeitigt durch die „Verord- 
nung über den Befähigungsnachweis der Sceeſchiffer und Seeſteuerleute auf deut- 
ſchen Kauffahrteiſchiffen vom 25. Juli 1925“ (Reichgeſeßblatt II S. 714), durch 
die eine Prüfung als Abſchluß einer Schulausbildung gefordert wird. Infolge 
dieſer Verordnung war im Jahre 1926 eine vollſtändige Umſtellung der Seefahrt- 
ſchulen erforderlich. 
2. Organiſation 
Nachdem der Beſuch einer Seefahrtſchule zur Bedingung für den Erwerb eines 
Befähigungszeugniſſes zum Seeſchiffer oder Seeſteuermann gemacht war, war es 
erforderlich, den Seefahrtſchulen aller Länder des Reichs eine einheitliche Organi- 
ſation zu geben. Zu dem Zwecke iſt beſtimmt, daß die Seefahrtſchulen als 
ſolche von den Zentralbehörden der Länder im Einvernehmen mit dem Neichs- 
verkehrsminiſter anerkannt werden müſſen. Für dieſe Anerkennung ſind gemein- 
ſame Nichtlinien vereinbart, die ſich auf die Ausſtattung der Schulen mit Lehr- 
mitteln und auf die Zuſammenſeßzung des Lehrkörpers beziehen. Ferner bedürfen 
auch die Lehrpläne der Zuſtimmung des Neichsverkehrsminiſters. So iſt es erreicht, 
daß tatſächlich alle deutſchen Seefahrtſchulen nach demſelben Lehrplan, auf den 
ſich die Länder geeinigt haben, unterrichten. Zur Überwachung der Durchführung 
der Lehrpläne hat der Neichsverkehrsminiſter das Necht, durch einen Sachverſtändi- 
gen, den „Neichsbeauftragten für das Seefahrtſchulweſen“ Einblick in den Unter- 
richt nehmen und die Prüfungen beauſſichtigen zu laſſen. Um die Schulen in ſtän- 
diger Fühlung mit der Schiffahrt zu halten, iſt ein „Fachausſchuß für das See- 
fahrtſchulweſen“ eingeſeßt, dem Vertreter der Seefahrtſchulen, der Needereien und 
der Schiffsoffiziere angehören. Den Vorſit führt der Neichsbeauftragte für das 
Seefahrtſchulweſen. Dieſem Ausſchuß liegt auch die Beratung aller Ausbildungs-
	        
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