Full text: Handbuch für das Berufs- und Fachschulwesen

 
Wohlfahrtsſchulen und Soziale Frauenſchulen 
Von Alice Salomon, Berlin 
1. Begriff und Aufgabe 
ie Wohlfahrtsſchulen, früher Soziale Frauenſchulen genannt, bereiten ihre 
Schülerinnen und Schüler für den Beruf der Sozialbeamten oder Wohl- 
fahrtspfleger vor, für einen Beruf, der noch nicht in eine ſo feſte Form gefügt 
iſt, wie etwa der Lehrberuf oder die Verwaltungstätigkeit. Die Wohlfahrtspflege 
iſt in beſtändiger Entwicklung begriffen. Daher muß Beruf und Berufsausbildung 
ſich dieſer Entwicklung anpaſſen. 
Soziale Berufsarbeit iſt die Fürſorgearbeit, die im Dienſt öffentlicher Körper- 
ſchaften, der Kirche oder der Vereine den Kampf gegen geſellſchaftliche Mißſtände 
führt, die die Förderung der kulturell weniger entwickelten Klaſſen in geſundheit- 
licher, wirtſchaftlicher, geiſtiger und ſittlicher Beziehung bezweckt. Die Aufgaben, 
um die es ſich dabei handelt, teilt man im allgemeinen in ſozialhygieniſche, ſozial? 
pädagogiſche, allgemeine Wohlfahrtspflege und in ſozialpolitiſche Arbeit; doch iſt 
eine ſcharfe Abgrenzung zwiſchen den einzelnen Gebieten nicht möglich. Die neuere 
Geſtaltung der Wohlfahrtspflege geht dahin, mehr und mehr Familienfürſorgerinnen 
anzuſtellen, die die geſamte Fürſorge für einen örtlichen Bezirk übernehmen. 
Die Anfänge der Sozialen Frauenſchulen ſind der Entſtehung des ſozialen Berufs 
vorangegangen. Die ſozialen Schulen haben den Beruf mitgeſtaltet. Aber gerade, 
weil der Beruf noch ſo neu, ſo im Werden begriffen iſt, muß von ſeiner Bedeu- 
tung einiges geſagt werden, ehe die Entwicklung und der gegenwärtige Stand der 
Wohlfahrtsſchulen dargelegt wird. 
Verſchiedene Urſachen haben auf den Bedarf an geſchulten Berufsarbeitern in der 
Wobhlfahrtspflege hingewirkt. Er entſteht in engem Zuſammenhang mit der imo- 
dernen Wohlfahrtspflege, mit ihren Erforderniſſen und Erfahrungen. Die Berufs- 
arbeit wird notwendig, weil bei der Ausdehnung der Wohlfahrtspflege auf immer 
neue Arbeitszweige die Gewinnung genügender ehrenamtlicher Kräfte nicht gelingt. 
Sie wird notwendig, weil die Wohlfahrtspflege zu einer Wiſſenſchaft und Kunſt 
wird, die ohne fachliche Kenntniſſe nicht geübt werden kann. Staat und Gemeinde 
nehmen im Intereſſe des Geſamtwohles, der kulturellen Förderung immer neue 
Gebiete der Wohlfahrtspflege auf und dringen in wachſendem Umfang in die Fa- 
milien und Häuglichkeiten weiter Schichten ein. Es wird daher notwendig, ein
	        

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