Die Berufsausbildung der Erwerbsloſen und der Erwerbsöbeſchränkten 513
ethiſchen Auswirkungen in ihrer Geſamtheit zu werten verſucht. Um ſo größer aber
iſt die Verpflichtung der jeßt lebenden Generation, die hier obliegenden wichtigen
Aufgaben der beruflichen Ertüchtigung aller Glieder des Volkes zielbewußt in
die Hand zu nehmen, Ein Volk, daß ſich unter ſolchen Verhältniſſen wirtſchaft-
lich in der Welt behaupten will, darf nicht in Jahren denken, ſondern muß die
Entwicklung eines Jahrhunderts im Auge behalten und ſie ſinnvoll und verant-
wortungsbewußt geſtalten. |
In dieſem Zuſammenhang gewinnen auch die Ausführungen des Geheim-
rats Dr. von Borſig auf einer Mitgliederverſammlung der Vereinigung der
deutſchen Arbeitgeberverbände ſchwerwiegende Bedeutung: „Die menſchliche Arbeits-
kraft iſt der einzige Neichtum, der dem deutſchen Volke geblieben iſt. Ihre
Leiſtungsfähigkeit auszubauen und ſtändig zu erhöhen, bedeutet, das Volksvermögen
Deutſchlands zu vermehren. Deshalb ſollte das Streben der Arbeitgeber und ihrer
Verbände darauf gerichtet ſein, für einen geſunden Facharbeiternachweis in ge-
nügendem Umfang zu ſorgen. In dieſer Beziehung ſind bisher ſchwere Fehler
gemacht worden, die ſich in der ſehr widerſpruchsvollen Erſcheinung zeigen, daß
die deutſche Wirtſchaft auf der einen Seite unter einer großen Arbeitsloſigkeit,
auf der anderen Seite unter einem großen Mangel an Facharbeitern zu leiden
hat. Denn wie Herr von Siemens in einer anderen Sißung richtig ausführte,
wird ſich der Mangel an Menſchenmaterial erſt etwa im Jahre 1928 geltend
machen . . . Dieſer Mangel an Zuſtrom ſchulentlaſſener Knaben wird ſich dann in
den folgenden vier Jahren zu einem abſoluten Mangel an Arbeitskräften ſteigern.
Den: abzuhelfen muß ſchon jeßt unſere ernſthafte Sorge durch vermehrte Heran-
bildung von Arbeitsmaterial ſein, damit wir gewappnet ſind, bis dieſe Zeit
heran iſt.“ =
Wenn hier ſchon nur der Geburtenausfall des Krieges Anlaß zu ſolch ernſter
Mahnung eines Führers der deutſchen Wirtſchaft gab, wieviel mehr wird die
Aufgabe in ihrer Tragweite im Rahmen der obigen Betrachtung ermeſſen werden
können.
2. Der ausbildungsfähige und ausbildungsbedürftige
Perſonenkreis
Um die hier in Frage kommenden praktiſchen Aufgaben im einzelnen richtig be-
urteilen zu können, erſchenit es notwendig, zunächſt einmal die perſönlichen Ver-
hältniſſe der ausbildungsfähigen und ausbildungsbedürftigen Kräfte zu betrachten.
Beſonders wertvoll hierfür ſind die ſtatiſtiſchen Erhebungen, die von der Neichs-
arbeitsverwaltung in der Kriſenfürſorge veranſtaltet werden. Unter die Kriſen-
fürſorge fallen vorzüglich alle diejenigen Arbeitsloſen, die aus der Erwerbsloſen-
fürſorge (Arbeitsloſenverſicherung) infolge Überſchreitung der Unterſtüßungshöchſt-
dauer ausgeſteuert werden müſſen. Nach dem Geſeß über Arbeitsvermittlung und
Arbeitsloſenverſicherung vom 16. Juli 1927 iſt der Perſonenkreis der Kriſenunter-
ſtüßten dadurch erweitert worden, daß auch diejenigen Arbeitsloſen Kriſenunter-
Kühne, Handbuch ſür das Beruſ8- und Fachſchulweſen 33

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