Full text: Handbuch für das Berufs- und Fachschulwesen

514 Wilhelm Franzisket 
ſtüßung erhalten, die zwar nicht die Anwartſchaftszeit der Arbeitsloſenverſicherung 
erfüllt, aber in der bezeichneten Friſt (12 Monate vor der Arbeitslosmeldung) 
wenigſtens 13 Wochen in einer verſicherungspflichtigen Beſchäftigung geſtanden 
haben.! Bei der Beurteilung der Verhältniſſe muß berücſichtigt werden, daß die 
Kriſenunterſtüßung nur einen zeitlich begrenzten Durchgangszuſtand (26 Wochen) 
für die Betreuten darſtellt, die im Falle des weiteren Beſtehens der Arbeitsloſig- 
keit der allgemeinen Wohlfahrtspflege anheimfallen. Es ſind alſo nicht allein 
die Kriſenunterſtüßten, deren Perſonenkreis für die Beurteilung des Um- 
fanges der Aufgaben der beruflichen Ausbildung in Frage kommen, ſondern 
auch Empfänger der Wohlfahrtspflege, und, neben den unterſtüßten Arbeits- 
loſen der Arbeitsloſenverſicherung, noch beſonders die meiſt aus Jugendlichen be- 
ſtehenden Arbeitsloſen, die bisher noch nicht in einer verſicherungspflichtigen Be- 
ſchäftigung geſtanden haben. Nur einen geringen Bruchteil machen die nichtbedürf- 
tigen Arbeitsloſen aus, die aus der Arbeitsloſenverſicherung ausgeſchieden ſind, 
aber beſtimmungsgemäß keine Kriſenunterſtüßung erhalten. So gewähren alſo die 
nachſtehenden Zahlen kein abſolutes Bild über die Geſamtzahl der für eine Aus- 
bildung in Frage kommenden Perſonen, Dagegen ſtellen ſie einen aufſchlußreichen 
Querſchnitt der langfriſtig Arbeitsloſen dar, denen bisher keine Arbeit vermittelt 
werden konnte und im beſonderem Maße eine berufliche Fürſorge zuteil werden 
muß. Sie fluten ſtändig in mehr oder weniger großer Zahl durch den Sammler der 
Kriſenfürſorge, werden unter günſtigen Verhältniſſen vom Arbeitsmarkt wieder 
aufgenommen, gehen zum Teil bei Erfüllung der Vorausſeßungen wieder durch die 
Arbeitsloſenunterſtüßung bzw. Kriſenfürſorge durch und bilden die Hauptmaſſe 
der wirtſchaftlich Unſelbſtändigen, die beſonderer beruſspädagogiſcher Förderung 
bedürfen. In ihrem Schickſal, ihrer Gliederung und ihren perſönlichen Verhältniſſen 
geben ſie ein treffliches Bild für die Beurteilung der praktiſchen Maßnahmen einer 
einheitlichen und zielbewußten Berufsfürſorge, die zur Vermeidung der jeßt 
vorhandenen Zerſplitterung der Kräfte auf dieſem Gebiete unbedingt notwendig iſt. 
Nach der Erhebung vom 15. Juli 1927 wurden die Verhältniſſe von 174391 
Kriſenunterſtüßten auf Grund von beſonderen Fragebogen unterſucht. Nicht erfaßt 
von der Erhebung wurden nur 3,89%5 der von der Kriſenfürſorge Betreuten. Die 
Ergebniſſe wurden nach 5 Merkmalen bearbeitet: Altersgliederung, Berufsgliede- 
rung, Zahl der Rentenempfänger, Dauer der verſicherungspflichtigen Beſchäfti- 
gung vor Eintritt der Arbeitsloſigkeit, Erſchwerungsgründe bei der Unterbringung 
in Arbeit, 
Es dürfte verſtändlich ſein, daß die Zahl der Hauptunterſtüßungsempfänger 
in der Kriſenfürſorge mit zunehmendem Alter erheblicher ſteigt, als es dem Alters- 
aufbau entſpricht, Auch im Vergleich mit dem entſprechenden Anteil der voraus- 
gegangenen Erwerbsloſenfürſorge ſind die höheren Jahresklaſſen bei der Kriſen- 
fürſorge dichter beſeßt. Dagegen iſt die Zahl der Ingendlichen in der Kriſenfürſorge 
1 Durch Erlaß des Reichsarbeitsminiſters vom 23, März 1928 iſt der Perſonenkreis auf be- 
ſtimmte Berufe beichränkt werden.
	        

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