Full text: Handbuch für das Berufs- und Fachschulwesen

606 Ewald Baar 
drückte, der „zündende Funke“, dem ſehr ſchnell der erſte Schritt zur Tat folgte. 
In der von Direktor Otto Jeſſen geleiteten Handwerkerſchule zu Berlin fanden 
unter Jeſſens Vorſit bereits am 12. und 13, April desſelben Jahres die Vor- 
beratungen zur Gründung des von Cathiau angeregten Verbandes ſtatt. Der von 
Lachner vorgelegte Entwurf einer Verbandsſaßung wurde mit wenigen Änderungen 
angenommen. Zwe> des beabſichtigten Verbandes ſollte ſein: „Perſönliche 
Näherung der Mitglieder und Austauſch beruflicher Erfahrungen, Beratung wich- 
tiger Fragen über das gewerbliche Schulweſen.“ Freunde des gewerblichen Schul- 
weſens ſollten unter Verzicht auf das Stimmrecht Mitglieder des Verbandes werden 
können. Die Lachnerſche Zeitſchrift, die durch Veröffentlichung des von Cathiau 
ausgegangenen Aufrufs den Gedanken der Verbandsgründung hinausgetragen 
hatte, wurde zum Verbandsorgan beſtimmt. Den vorläufigen Vorſtand bildeten 
Jeſſen, Lachner und Direktor Clauß in Dresdenz; zugewählt wurden dann 
noch aus Süddeutſchland die Direktoren Cathiau in Karlsruhe, Gracf in Mün- 
<en und Vogel in Stuttgart. Die endgültige Gründung des Verbandes erfolgte 
auf der erſten Wanderverſammlung in Dresden (25.--28. September 1887), 
die von etwa 80 Teilnehmern beſucht war. Als Name wurde die Bezeichnung 
„Verband Deutſcher Gewerbeſchulmänner“ gewählt; den erſten Vor- 
ſtand des Verbandes bildeten jene 6 Direktoren, die als vorläufiger Vorſtand des 
beabſichtigten Verbandes die Dresdner Gründungsverſammlung einberufen hatten. 
2. Gründung des Deutſchen Vereins für Fortbildungsſchulweſen 
Die Zuſammenſetzung des Verbandes Deutſcher Gewerbeſchulmänner brachte es 
mit ſich, daß ſeine Tätigkeit ſich zunächſt faſt ausſchließlich der Förderung des 
gewerblichen Fach ſchulweſens zuwandte. Auf dieſem Gebiete hat der Verband 
in der erſten Zeit ſeines Beſtehens, in der er alljährlich eine Wanderverſammlung 
abhielt (1888 in München, 1889 in Köln, 1890 in Breslau, 1891 in Hannover), 
Hervorragendes geleiſtet. Das damals noch in den erſten Anfängen liegende Bes- 
rufs-(,„Fortbildungs-“)Schulweſen wurde von der Tätigkeit des Verbandes 
nur gelegentlich geſtreift; ſie gab aber anderen Kreiſen das Vorbild, in ähnlicher 
Weiſe auch die Förderung des Fortbildungsſchulweſens in Angriff zu nehmen. 
Die Entſtehung der Vereine für das Fortbildungsſchulweſen fällt zeitlich un- 
gefähr zuſammen mit dem Beginn der Bemühungen, der Fortbildungsſchule, die 
urſprünglich nur als Veranſtaltung zur Befeſtigung und Abrundung des Volks- 
ſchulwiſſens gedacht war, eine Weiterentwi>klung in der Nichtung der Berufsſchule 
zu eröffnen. Daß der Gedanke, den Fortbildungsunterricht den unmittelbaren Be- 
dürfniſſen des beruflichen Lebens dienſtbar zu machen, bei den Vertretern von 
Handel und Gewerbe, ſoweit ſie der Fortbildungsſchule Beachtung und Teilnahme 
entgegenbrachten, von Anfang an als etwas durchaus Naheliegendes betrachtet 
wurde, iſt bekannt und leicht erklärlich. In der Lehrerſchaft, die in der Frühzeit 
der Fortbildungsſchule vom Standpunkt der „reinen Menſchenbildung“ danach
	        

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