696 GO. Oldenburg
4. Das landwirtſchaftliche Verſuchsweſen
Während die im vorhergehenden Abſchnitt geſchilderten Einrichtungen lediglich
den Zweck verfolgen, durch das den jeweils vorliegenden Verhältniſſen der Praxis
angepaßte Beiſpiel anregend und belehrend zu wirken, fällt den Veranſtaltungen,
die man als landwirtſchaftliches Verſuchsweſen zu bezeichnen pflegt, noch die
weltergehende Aufgabe zu, in exakter Weiſe feſtzuſtellen, wie ſich die Ergebniſſe
wiſſenſchaftlicher Forſchungen unter beſtimmten Verhältniſſen für die Praxis
am beſten nußbar machen laſſen. Beide Arten von Einrichtungen verfolgen zwar
leßten Endes das gleiche Ziel der Übertragung von Neuerungen und Verbeſſerungen
in die große Praxis; ſie unterſcheiden ſich jedoch recht weſentlich in der Art ihrer
Durchführung inſofern, als die leßtgenannten über die unmittelbaren lokalen
Bedürfniſſe der Praxis hinaus durch Anwendung genauer Unterſuchungsmethoden
unter möglichſter Ausſchaltung und Berückſichtigung aller Fehlerquellen Verſuchs-
ergebniſſe anſtreben, die eine Verallgemeinerung für gleichartige Verhältniſſe ge-
ſtatten. Man kann die grundſäßliche Verſchiedenheit vielleicht auch ſo erläutern,
daß man der einen Gruppe lediglich praktiſche (wirtſchaftliche) Ziele (Übertragung
bewährter Maßnahmen in die Praxis), der anderen dagegen darüber hinaus auch
wiſſenſchaftliche Aufgaben (Ermittlung der Anwendbarkeit und Anwendungsart
wiſſenſchaftlicher Forſchungsergebniſſe in der Praxis unter jeweils gegebenen Be-
dingungen, Feſtſtellung der Urſachen des Verſagens beſtimmter Maßnahmen uſw.)
zuweiſt, Es iſt im Weſen der Sache begründet, daß ſich eine ſcharfe Grenze zwiſchen
Beiſpielseinrichtungen und Verſuchseinrichtungen häufig nicht ziehen laſſen wird,
vielmehr wird es Übergänge und Zwiſchenglieder der verſchiedenſten Art geben.
Die Verſuchseinrichtungen beanſpruchen eine über die erforderlichen Hilfsein-
richtungen (Laboratorien uſw.) verfügende wiſſenſchaftliche Leitung; ſie finden
demgemäß ihren Ausgangs- und Mittelpunkt in dem vom Reich und Staat, den
Landwirtſchaftskammern und landwirtſchaftlichen Verbänden eingerichteten land-
wirtſchaftlichen Verſuchs- und Forſchungsanſtalten (landwirtſchaftliche
Verſuchösſtationen). Durch wiſſenſchaftliche Forſchungen, praktiſche Verſuche auf
Verſuchsfeldern uſw., durch Lehrgänge und Vorträge bemühen ſich dieſe In-
ſtitute die ihnen geſtellten Aufgaben zu löſen. Urſprünglich unter dem Einfluß
der Lehren von Juſtus v. Liebig (Mitte des vorigen Jahrhunderts) überwiegend als
agrifultur- den Landwirt wichtigen Gebiete der angewandten Naturwiſſenſchaften berück-
ſichtigend, hat ſich ein Teil der Anſtalten Spezialaufgaben zugewandt in der Er-
kenntnis, daß nur auf dieſem Wege die für die Vertiefung der Kenntniſſe er-
forderliche Arbeitsteilung möglich iſt.
In Preußen ſind etwa 60, in den übrigen Ländern gegen 30 Verſuchs- und
Forſchungsanſtalten vorhanden.
Eine beſondere Würdigung erfordern ſchließlich noch die Verſuchsgüter
(Verſuchswirtſchaften), die man ſeit etwa 35 Jahren in Deutſchland einzurichten

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