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zuſammengefaßt. Die laufende od. jährliche B.
verzeihnet die einzelnen Geſchäftsvorſälle des
Jahres nach der italieniſchen od. der amerikaniſchen
Form. In kleinern Betrieben begnügt man ſich
mit der Führung eines Kaſſabuches.
4. Die Kameral= od. Verwaltung38-B.
findet meiſt nur im Neich8-, Staat38- u. Gemeinde-
hau8halt ſowie bei öffentlich-rechtlichen Körper-
ſchaſten Anwendung. Während die kauſmän=
niſc Angaben, alſo nur Geſchäſt8vorfälle aufzeichnet,
ſtellt die kameraliſtiſche den vorgeſehenen u. ge=
ſc vergleicht die vorgeſehenen, geſchäßten Au8gaben
mit den wirklichen. Die Diſſerenz bezeichnet dem-
nach auch nicht wie bei der kauſmänniſchen B.
einen Gewinn od. Verluſt, ſondern ein Defizit od.
einen Überſchuß. Die Kameral-B. weiſt meiſt auch
ein zweiſeitiges Konto auſ. Dem Soll u. Haben
der kaufmänniſchen B, entſpricht hier ein Soll u.
Zſt; jenes bedeutet die vorgeſchlagene od. ge-
nehmigte Summe, dieſes zeigt die Ausführung,
das Ergebnis. Au38 der Gegenüberſtellung geht
ſtet8 hervor, inwieweit die Anordnungen ihren
Crſolg erreicht haben. Da jedoch nicht zwiſchen
Auslagen für produktive Anlagen u, Betriebskoſten,
zwiſchen Anfſang38= u. Endvermögen der einzelnen
Beſtände unterſchieden werden kann, eignet ſich
dieſe B. nicht für wirtſchaftliche Betriebe.
V. Methode des B.3unterrichts. Jede Denk=-
tätigkeit beginnt mit der Erfahrung; es iſt de3=
halb notwendig an das anzuknüpfen, wa3 die
Schüler aus eigner Anſchauung kennen. Da der
größte Teil von ihnen au8 dem Warengeſchäft
kommt, iſt es praktiſch, mit einem kurzen Lehr=-
gang aus dieſem zu beginnen. Die Anſchaulichkeit
de38 Unterricht3 hat man durch B.8tabellen u.
Apparate zur körperlichen Darſtellung der B, zu
unterſtüßen geſucht. Doch haben die Tabellen den
Nachteil, daß ſie etwas Fertiges bieten u. leicht
verwirren. Entſtehen die Konten vor dem Äuge
de3 Schülers unter ſeiner Mitarbeit, ſo wird
dieſem die Aneignung des Stoffes erleichtert.
Apparate zur körperlichen Darſtellung der B. ſind
nicht zweckmäßig, weil ſie zu viel Zeit beanſpruchen.
Die beſten Anſchauungsmittel bleiben Tafel u.
Kreide ; neben ihrer Zwe>mäßigkeit haben ſie den
Vorzug der Billigkeit.
Der Unterricht beginnt mit den einfachſten
Formen 1. ſchreitet lückenlos Schritt für Schritt
vorwärt3, Zahlreiche, vielſeitige, aber kurze Ge-
jhäſt8gänge , worin langſam, aber ſtetig die
Schwierigkeiten gehäuft ſind, müſſen dem Schüler
Gelegenheit geben, das Gelernte zu befeſtigen.
Durch regen Wechſel der Aufgaben, Häufung der
Schwierigkeiten u. öftere Geſchäft8abſchlüſſe kommt
auc< die formale Seite des Unterricht8 zu ihrem
Nechte: die Denkfähigkeit u. Urteil8kraft des Schü-
ler8 wird entwidelt.
Bei allen Methoden handelt es ſich vor allem
darum, Weſen u. Aufgabe der B. klarzuſtellen.



Buchſtabenmethode.

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Auf 3 Wegen kann man zu dieſem Ziele gelangen:
Die erſte Methode (ſynthetiſche) behandelt
zuerſt die Elemente der B., die Inventur, Kaſſen-
u. Beſtandrechnungen uſw. u. ſtellt dieſe Rech-
nungen zuſammen zur einfachen B. Hierauf er=
folgt die Einführung in die doppelte B., meiſt mit
der amerikaniſchen Form beginnend.
Die zweite Methode führt dem Schüler
ſogleich) die geſchloſſene Kontenreihe vor. Dies
geſchieht zuweilen an einem ausgearbeiteten Ge=
ſchäſts8gange. Da jedoch dieſe3 Vorgehen den
Nachteil hat, daß der Schüler etwas Totes, Fer=
tiges vor ſich ſieht, führt man zweckmäßiger das
geſchloſſene Syſtem an werdenden Geſchäft8gängen
vor, mit der italieniſchen od. der amerikaniſchen
Methode beginnend. Dieſe beiden Methoden ſind
die beſten u. gebräuchlichſten, da ſie vom Leichten
zum Schweren fortſchreiten u. auch dem praktiſchen
Leben Rechnung tragen.
Eine dritte Methode folgt der vermeint-
lichen geſchichtlichen Entwieklung der B. in 4 Stu=
ſen: a) Da3 einheitliche u. ungeteilte Konto de3
Geſchäftsinhaber3 (die nungen des Geſchäftsinhaber8). b) Das einheit=
liche Konto des Geſchäftsinhabers iſt in eine rechte
u. eine linke Seite geteilt (die Aufzeichnungen de38 Geſchäftsinhaber3 auf dem
geteilten Konto). e) Da38 Konto de8 Geſchäfts=
inhabers u. die Konten der Geſchäftsfreunde.
dq) Der geſchloſſene Kontenkreis (die doppelte B.).
VI. Ste ung des B.3unterrichi8 im Lehr-
plane der Fortbildungsſc richt leichtfaßlich zu geſtalten, iſt ein gutes Mittel
die Konzentration. Die einzelnen Fächer de3 Unter=
richt3 in der Fortbildungsſchule ſind zueinander
in Beziehung zu ſeßen u. in ihren Materien ſo zu
ordnen, daß im B.3unterricht die Geſchäftsfälle
keiner langen Erklärung bedürſen. Handel8kunde,
Korreſpondenz u. Nechenunterricht ſind ſo einzu
richten, daß ſie den B.3unterricht unterſtüßen u.
in ihm ihre Ergänzung finden.
Literatur. A. Adler, Buchhaltungsübungen
für Fortgeſchrittene (1908) ; H. Balg, Lehrbuch der
doppelten B. (2 Tle, 1907); M. Berliner, Schwie
rige Fälle u. allg. Lehrſäße d. kaufmänn. Buch»
haltung (2 Bde, 1909/11); Bonn»Cüpper8, Method.
Handb. zur Einführ. in die B. (1911 ; geſchichtl.
Methode) ; Doerr-Heſſe, Methodiſ< geordnete
Geſchäft8gänge für den Buchaltungsunterricht
(861911); Heſſe-Breterniß, Einf. in die Praxis d.
doppelten B. (21909); A. Nettig, Methodik der ein=
fachen, Methodik der doppelten B. (1909); IJ. F.
Schär, Lehrb, der Buchhaltung (1887); derſ., Ein
fache u. doppelte Buchhaltung (*1908 ; Maier-Nots
ſchild-Bibl.) ; derxſ., Kaufmänn. Unterrichtsſtunden.
Kurjus I: Buchhaltung. Syſtem Langenſcheidt.
Für den Selbſtunterricht (181911) ; Wewer-Vecker,
Handb. für d, B.söunterricht in kaufmänn. Schulen
(2 Tle, 1909 f; führt die geſ werdenden Geſchäftsgängen vor) ; I. Ziegler, Lehrb.
der Buchhaltung (3 Bde, 1904/07).
[O. Hommer.]
Buchſtabenmethode [ſ. Felbiger.
wmf]

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