Full text: Abbitte - Forstschulen (1)

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falſche Erziehungs» 1. Unterrichtömethoden od. 
Fehler im Erziehung8= u. Unterrichtöſyſtem ſelbſt 
hervorgerufen werden, Der Klaſſenunterricht u. 
die Klaſſenerziehung haben einen nivellierenden 
Charakter, arbeiten auf einen mittlern Durchſchnitt 
hin u, ſchabloniſieren infolgedeſſen zuviel, Der 
einzelne Erzieher u. Lehrer ſteht hier unter dem 
Zwange der großen Maſſe dex Schüler wie unter 
dem Zwange der Schulgattung u. des Lehrplanes, 
ſo daß er ojt mit beſtem Willen nicht weiter in= 
dividualiſieren, d.h). auf die beſondere Veranlagung 
ſeiner Schüler Nücſicht nehmen kann. Mit der 
geiſtigen Uniformierungs8tendenz unſer8 modernen 
Sculweſen3, deſſen Vorzüge nicht zu beſtreiten 
ſind, ſteht im ſcharfen Gegenſaße die ausgeſprochene 
Individualität gerade der beſſern Talente (für 
Sprachen, Mathematik, Technik, Kunſt, Schrift- 
ſtellerei uſw.). Mit der Begabung für da3 eine 
iſt oft natürlicherweiſe eine große Schwäche für 
das andre Fac gegeben (vgl. den Art. Dummheit). 
In dieſem wird dann der Schüler weniger Tätig- 
keitätrieb, Entwiklungsfähigkeit an den Tag legen. 
Dort iſt alſo im Grunde nicht auf F. zu erkennen, 
zumal vielleicht gerade die gleichzeitige Unter= 
drüdung 1. Nichtberücſichtigung des beſondern 
Talente8 deprimierend auf den Schüler u. ſeine 
Arbeitsfreude einwirkt. Dies kann geſagt werden, 
ohne der Diſziplinloſigkeit u. dem ungebundenen 
Individualismus im Unterrichtöweſen da3 Wort 
zu reden. Weiter leidet unſer moderne3 Bildungs= 
u. Unterricht3weten vielfach an zu großer Mannig= 
faltigkeit u, Kompliziertheit der dargebotenen 
Stoſſe, ſo daß das Vielerlei den Geiſt de3 Schüler3 
verwirrt u. ermüdet, beſonder3 wenn dazu noc 
die Unmaſſe äußerer Eindrüde des Lebens in unſern 
Großſtädten kommen. Endlich iſt hier noch hin= 
zuweiſen auf manche Mängel des Unterricht3 u. 
der Erziehung, die weniger im Syſteme als in der 
Methode begründet liegen. So z. B. eine gewiſſe 
Parteilichkeit, die bei den davon unangenehm be= 
rührten Zöglingen Erbitterung u. Widerwillen 
gegen den Untercicht u. das Lernen hervorruft, 
Dann ſchadet viel der mechaniſche Drill, der haupt- 
ſächlich die möglichſt ſc<nelle Erreichung des Unter- 
richtöziel3 im Auge hat. Endlich rächt ſich gerade 
durch geiſtige Abſtumpfung u. JIntereſſeloſigkeit 
die einſeitige Betonung der Verſtande8bildung 
gegenüber der Herzen8=, Gemüt8= u. Willen8= 
bildung. Der Schüler iſt eben dann nicht mehr 
mit ganzer Seele beim Unterrichte. Das alle8 
ſind Fälle, wo e8 nicht angebracht iſt, die Teil= 
nahmloſigkeit od. die Arbeitſcheu de3 Schüler3 
als F. im ſittlichen Sinne anzuſehen. Gegen ſolche 
Erſcheinungen wirkt auch nicht der rein ethiſch 
erziehende Einfluß auf die Perſon de3 Schüler3 
heilend u. beſſernd. Hier müſſen die tiefern Ur= 
ſachen vorher weggeräumt werden, wa3 aber mit 
Ausnahme der lehterwähnten Urſachen nicht Aufs= 
gabe des einzelnen Erzieher ſein kann. 
III. Bekämpfung. E3 bleiben aber genug 
Fälle übrig, wo eine ſittliche Schwäche vorliegt, 
Faulheit. 
 
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u. wo der vorhandene Hang zur F. mit den Mittel 
der Erziehung bekämpft u. überwunden werdet 
muß. Das iſt dann am Plaße, wenn das Kint 
von Natur bequem u. träge angelegt iſt. Das ſint 
vielfach Kinder, die in beſſern häuslichen Verhält: 
niſſen ſtehen u. infolge der ſie umgebenden Be- 
quemlichkeit u. zu üppiger Ernährung Gefahr 
laufen, in ſittlicher Beziehung darin unterzugehen. 
Hier hat der Erzieher die Willenskraft zu ſtärken 
gegen die andringende einſchläfernde Bequemlich- 
keit u. Freude an der Arbeit zu we>en. Dies ge= 
ſchieht vor allem dur< die Wekung des Glauben3 
u. Vertrauens, daß mit Hilfe der göttlichen wirk= 
ſamen Gnade dieſer Hang zur Trägheit u. Be= 
quemlichfeit überwunden werden kann. Der faule 
Kleinglaube von der Unwandelbarkeit des Cha=- 
rakter8, der unbewußt meiſt ſolchen Kindern inne= 
wohnt, muß als erſtes Hindernis zerſtört werden. 
Kleine Erfolge in der Überwindung der Trägheit, 
zu denen derartige Kinder zu veranlaſſen ſind 
dur Übertragung von kleinen Arbeiten u. Auf-= 
gaben, beſorgen die3 u. geben Mut zu größern 
Arbeiten. Gleichzeitig achte man auf aus3reichende 
Körperbewegung (Turnen, Shwimmen, Wandern 
ujw.) u. Weckung eines geſunden Ehrgefühls. 
Sehr gute Dienſte tut auch die Gewöhnung an 
eine feſtgefügte Tage8ordnung, die zur Verwen= 
dung der müßigen Stunden, zur Pünktlichkeit u. 
Selbſtverleugnung beſonders morgen3 beim Auſ= 
ſtehen anleitet, Die rechtzeitige Belehrung über 
die Folgen eine3 müßigen, bequemen Lebens, über 
die Schande de3 Müßiggangs beſtärkt den Schüler 
in dem Vorwärtsſtreben. Gute Beiſpiele, vor 
allem da3 Beiſpiel Chriſti u. der Heiligen, moral= 
pädagogiſch dargeboten, helfen mit. Das beſte 
Hilfsmittel gegen die F. iſt eine gute Arbeit3= 
pädagogik (f. den Art. Arbeit). Gelingt e3 aber 
auf keine Weiſe, die Intereſſeloſigkeit u. Trägheit 
zu beheben, ſo muß ſür ſolche Knaben ein Beruf 
gewählt werden, der ihren bejondern Neigungen 
angepaßt iſt. Oft wird aus einem bei geiſtiger 
Tätigkeit völlig Verſagenden ein fleißiger, ziel 
bewußter Praktiker. 
IV. Die F. auf religivſem Gebiete iſt eine 
ganz beſondere Gefahr, da ſie leicht in Qui e- 
ti3mu3 (völlig untätiges, oft in Sittenloſigkeit 
ausartende3 Sichverſenken in Gott) ausartet, die 
Wichtigkeit der Selbſtarbeit völlig verkennt u. 
alle3 zum Vollbringen der göttlichen Gnade an= 
heimſtellt. Da dieſe F. ſich den Mantel der Tugend 
des Vertrauen3 auf göttliche Hilfe umhängt, wird 
fie oft lange nicht erkannt. „Wer ein Examen 
machen will, der kann ſein Ziel nicht mit dem 
Gebete erreichen, er muß ſtudieren. Wer ein Buch 
ſchreiben will, der muß ſich in ſeinen Stoff ver= 
tiefen, ſonſt leiſtet er troß aller Frömmigkeit nicht3: 
wer Kinder erziehen will, der kann es nicht allein 
machen mit Gebet: er muß ſelbſt nachdenken“ 
(MausSbach). „Das vernachläſſigen heißt Gott ver= 
ſuchen u. Wunder erwarten, die Gott nicht wirken 
will, weil er eben die Trägheit nicht unterſtüßt“
	        

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