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Die gelehrten Staatsſchulen für die weib-
liche Jugend ſind 5flaſſig. Im ganzen gab es
1912 von ihnen 11 finniſche u. 4 ſchwediſche. Die
Eintritt8bedingungen entſprechen denen des Ly»
zeums. Meiſt ſchließt ſich an dieſe Schulen ein
vom Staate unterſtüßter 3klaſſiger Auſban an, der
den Ühergang zur Univerſität vermittelt. Ähnliche
Sorſſezungstlaſſen in finniſcher u. ſchwediſcher
Sprache unterhält der Staat in Helſingfor8. Man
beſchäftigt ſich gegenwärtig (1912) mit dem Plane,
die höhere Töchterſchule 6klaſſig zu machen, was
in einigen Privatſchulen bereits geſchehen iſt.
Außer den gelehrten Staatsſchulen gibt e3 noch
vom Staate unterſtüßte gelehrte Privat-
j Klaſſen für beide Geſchlechter), die alle im ganzen
den Charakter de3 Reallyzeums haben ; außerdem
gibt e8 noh 10 private höhere Töchterſchulen.
Ein beſonderes Charakteriſtikum der gelehrten
Schulen F.3 ſind die vielen Sprachen. Außer
der Mutterſprache ſind obligatoriſch : die andre
einheimiſche Sprache (Finniſch für die Schweden,
Schwediſch für die Finnen), für Knaben Ruſſiſch,
für beide Geſchlechter Deutſch ; dazu kommt in
den klaſſiſchen Lyzeen Latein, in den Neallyzeen
Franzöſiſch ſowie nach freier Wahl in den klaſſiſchen
Lyzeen noch Franzöſiſch, in Neallyzeen Engliſch.
Da der Lehrplan im übrigen alle die ſonſt in
höhern Schulen üblichen Fächer umfaßt, ſo wirkt
dieſe Menge von Sprachen ſehr drückend.
Die Koedukation hat ſich eingebürgert in
den 5flaſſigen gelehrten Staatsſchulen ſowie in
den meiſten höhern Privatanſtalten. Die Urſache
dazu liegt teils in prinzipiellen teils in wirts
ſchaftlichen Gründen. Die Meinungen über den
Nußen u. Wert einer ſolchen gemeinſamen Er=-
ziehung von Knaben u. Mädchen in den höhern
Klaſſen ſind auch in F. ſehr geteilt.
Zm Frühling 1911 wurden in den gelehrten
Schulen F.3 12020 Knaben u. 11 854 Mädchen
von 946 Lehrern u. 816 Lehrerinnen unterrichtet.
WazZ die rechtliche Lage der Lehrperſonen an den
gelehrten Staatsſchulen F.3 angeht, ſo ſei darauf
hingewieſen, daß ein vollgültig angeſtellter Lehrer
nur durch einen Beſchluß de8 Gericht8 ſeines
Amtes entſeßt werden kann. Nach 35jähriger
Dienſtzeit erhält er die volle Penſion, im Falle
unheilbarer Krankheit bereit38 nac) 25 Jahren.
Nimmt er ſeinen Abſcjied früher, ſo bekommt er
nach beſtimmten Jahren beſtimmte Teile der Pen=
ſion. Der Staat gibt jährlich für das gelehrte
Schulweſen, einbegrifſen die höhern Privatſchulen,
etwa38 über 5 Millionen finniſche X aus.
Zur Vorbereitung der höhern Lehrer
auf die Schulpraxis gibt es ein ſinniſche8 u. ein
ſchwediſches Normallyzeum, von denen jedes
wiederum eine klaſſiſche u. eine realiſtiſche Ab»
teilung enthält, In dieſen Anſtalten erhalten die
Kandidaten des höhern Schulamts nach Abſolvie=
rung ihrer wiſſenſchaftlichen Examina an der Uni-
verſität ihre praktiſche Ausbildung. Die Übungs8=

Firmung.

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zeit dauert 2 Semeſter u. wird mit Zuhören beim
Unterrichte, Probelektionen u. Teilnahme an den
pädagogiſchen Konferenzen ausgefüllt. Außerdem
iſt ein Examen vor dem Profeſſor der Pädagogik
abzulegen, welcher der Leiter des Normallyzeums
iſt. =- Die Lehrerinnen der höhern Töchterſchulen
erhalten ihre wiſſenſchaftliche u. praktiſche Aus=
bildung in einer mit den Töcterſchulen zu Hel-
ſingfor8 verbundenen finniſchen od. ſchwediſchen
Fortbildung3anſtalt.
Die oberſte Leitung des finnländiſchen
Schulweſen3 übt in Helſingfors eine Oberdirektion
aus, deren Chef der Oberdirektor de8 geſamten
Schulweſens iſt. Dieſe höchſte Schulbehörde zer=
fällt in 2 Abteilungen: eine für die gelehrten
Schulen u. eine für die Volksſchulen.
ITIL. Das Hochſchulweſen. An der Spiße de3
Schulweſens inF. ſtehen die Kaiſerl, Alexander=
Univerſität u. die Te in Helſingfor8. Erſtere wurde i. J. 1640 in Abo
gegründet u, von dort 1828 nach der Landes8=
hauptſtadt verlegt. Sie umſaßt eine theologiſche,
eine juriſtiſche, eine mediziniſche u. eine philoſo»
phiſche Fakultät, leßtere mit 3 Sektionen (eine
hiſtoriſch-philologiſche, eine phyſiko=mathematiſche
u. eine agrikultur=ökonomiſche). Ordentliche Pro=
ſeſſoren gab e38 1912 im ganzen 55, ao. 29 u.
dazu no< 116 andre Lehrkräſte. Die Jahre8au8=
gaben der Anſtalt betragen ungefähr 22/, Milli-
onen finniſche X.
Schüler der oberſten Klaſſe der in die Univerſi=
tätüberleitenden 8ſtufigen gelehrten Schulen haben,
wenn ſie ſtudieren wollen, von der Univerſität be=
ſtimmte ſchriftliche Examina abzulegen, die in
einem Aufſſaße in der Mutterſprache u. in Über=
ſeßungen in die andre einheimiſche Sprache, aus
dem Lateiniſchen (für Schüler der klaſſiſchen Ly=
zeen), in3 Deutſche (für Schüler der Realanſtalten)
u. in mathematiſchen Aufgaben beſtehen. Diez
jenigen, deren ſchriftliche Arbeiten von der Uni=
verſität genehmigt ſind, haben da8 Necht, in der
Univerſität examiniert zu werden. Erſt nachdem
das mit Erfolg geſchehen iſt, wird der Prüfling
zum Studenten proklamiert, Im Frühling 1911
gab e8 2179 Studenten u. 651 Studentinnen.
Die TehniſcheHo<ſ die 1908 aus dem Polytechnikum hervorging, hat
beſondere Abteilungen für Ingenieure, Maſchinen=
bauer, Architekten, Chemiker u. Landmeſſer. Ihr
Lehrkörper beſtand 1912 aus 20 Profeſſoren u.
30 andern Lehrern. Sie wurde 1911 von 408
Studenten beſucht. Zum Eintritte iſt ebenfalls
Ablegung de8 Studentenexamens notwendig.
Die höchſte Verwaltung38behörde des
ganzen Schulweſens iſt nächſt dem Kaiſer=-Groß:
fürſten der Kaiſerl. Senat F.3.
[Baron Y. K. Yrjö=-Koskinen.]
Firmung. 1. Ihr Begriff u. Weſen. Di
F-. iſt jene8 Sakrament, in dem der Getauft
durc< Handauflegung, Salbung u. Gebet de
Biſchofs vom Hl. Geiſte geſtärkt wird, ſeine!

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