203
Enſſernung de38 Kindes aus dem Unterrichte
Sorge zu tragen,
Pädagogiſch ebenſo wichtig wie die vorge»
nannten Zuſtände ſind die krankhaften Verände»
rungen, die in der Pubertät3zeit 11. in den darauf
folgenden Jahren auſtreten: die Domontia prao-
cox (j. d.) mit ihren Unterſormen (vgl. den Art.
Pubertätskrankheiten). Der Beginn dieſer Er»
krankung, die im Verlaufe ſtets in eine mehr od.
minder hochgradige geiſtige Schwäche ausgeht,
iſt ſchr verſchiedenartig. Die mit ausgeſproche-
nen G. anfangenden Formen dürften wohl ge»
wöhnlich alsbald in ärztliche Therapie wandern.
Wichtiger für den Pädagogen ſind die ganz niſch beginnenden Fälle. E38 handelt ſich hier oft
um junge Leute, die biöher Fa Tüchtiges gelei»
ſtet haben, dann aber nachlaſſen, die Arbeit nicht
mehr bewältigen können troß großen Fleißes, Für
dieſe iſt es dann nötig, ſtatt des früher geſteten
höhern Ziele3 eine einſachere Beſchäſtigung zu
ſinden, Bei andern wieder beginnt der Zuſtand
damit, daß ſie ſich überſchäßen ; der Schulunter»
richt wird von ihnen verachtet, ſie wollen ſich
literariſch od. muſikaliſch betätigen, ohne das Zeug
dazy zu haben, ſpielen ſich al3 Genie3 auf, leiſten
aber nichts, verkommen in dieſem Zuſtande od.
gehen in ſchwere, ausgeſprochene Geiſteskrankheit
über. In ſolchen Fällen tut der Pädagog gut,
zeitig die Eltern zu veranlaſſen, einen Pſychiater
zu Nate zu ziehen.
Literatur. H. Schüle, Klin. Pſychiatrie
(*1886) ; E. Kraepelin, Lehrb. d. Pſychiatrie (2 Bde,
* 1909/10); v. Krafft-Ebing, Lehrb. d. Pſychiatrie
(71903); Th. Ziehen, Pſychiatrie (*1911); H.
Emminghaus, Die pſych. Störungen im Kinde3»
alter (1887). [C. Thoma.]
Geiſtige Getränke [. Enthaltſamkeit8be»
wegung.
Geiftliche Shulauſſicht j. Sculauſ-
ſicht, Kirche u. Schule,
Geiz ſ. Habſucht.
Geldſtrafen |. Straſen.
Gelegenheitsverbrecher ſ. Jugendliches
Verbrechertum.
Gemeindeſchule |. Volkſchule.
Gemeinſame Erziehung von Knaben
u. Mädchen (Koedukation). 1. Begriff. Ge-
wöhnlich ſaßt man den Begriff g. E. im engern
Sinne von Zuſammenerziehung beider Geſchlechter
auf höhern Lehranſtalten. In Deutſch»
land denkt man dabei mehr an den gemeinſamen
Unterricht als an die g. E. von Knaben u. Mäd»
mehr die Erziehung als den Unterricht hervor»
heben. Hauptgrund für die Forderung iſt die
Gleichſtellung u. Gleichbehandlung des weiblichen
Geſchlecht3 in der Ausbildung mit dem männlichen
Geſchlechte. Der gewöhnlich ſür die g. E. ge-
brauchte Ausdrn> Koedukation weiſt auf den
ſremden Urſprung des Syſtem3 hin.
Geiſtige Getränke --- Gemeinſame Erziehung uſw.

204
I1, Urſprung, tatſächliche Verhältniſſe u.
deren Begründung im Ausglande, Die Hei-
mat u. da3 flaſſiſc Vereinigten Staaten von Nordamerika (vgl.
den Art, Nordamerika, Abſchn, IX). Daher be-
rufen ſich ihre Anwälte vor allem auf die dortigen
Einrichtungen u. ihre Bewährung, Mit Aus»
nahme weniger Schulen in den Städten an der
Oſtküſte ſind die ſtädtiſchen Volksſchulen Gemein-
ſchaftöſchulen. Im Gegenſaße zur geſehen
Praxis aber iſt bei den Univerſitäten vielfach die
Trennung der Geſchlechter beliebt, Was die den
deutſchen höhern Lehranſtalten ungefähr ent-
ſprechenden high schools (Schulen, die etwa
unſern ſechsklaſſigen Nealſchulen gleichſtehen) an-
eht, ſo übertrifft die Zahl der Gemeinſchafts-
ſchulen bei weitem die mit Geſchlechtertrennung.
1909/10 gab e3 öffentliche Gemeinſchaft8ſchulen
(high Schools) 10153 mit 370 605 Rnaben u.
488 886 Mädchen, dazu private Gemeinſchafts»
ſchulen (high 8chools) 922 mit 28 636 Knaben
u. 33 609 Mädchen. Öffentliche Schulen (high
gchools) mit Geſchlechtertrennung gab e8 60,
nämlich 34 für Knaben mit 27 920 Schülern,
26 für Mädchen mit 27 650 Schülerinnen, Pri»
vatſchulen mit Geſchlehtertrennung 859, davon
348 Knabenſchulen mit 26 888 Schülern, 641
Mädchenſchulen mit 28317 Schülerinnen. Zn
den Schulen mit Koedukation überwiegt das
weibliche Geſchleht mit 522495 das männliche
mit 399 241. Die Knaben überlaſſen alſo von
dem Alter an, von dem an ſie durch praktiſche
Beſchäftigung Geld verdienen können, gern das
Studium den Mädchen, vielleicht auch unter dem
Eindrucke des Übergewichts der weiblichen Lehr-
fräſte über die männlichen Lehrer. 1908/09 waren
von den Lehrkräſten in den Vereinigten Staaten
weiblichen Geſchlecht8 398 153, männlichen Ge=-
ſchlecht38 108 800, ſomit nur 21,4*/,. Über das
Zahlenverhältni8 der lernenden Jugend , die
Koedukation u. die Einzelverſuche der Trennung bei
der Erziehung (z. B. von Armſtrong in Chicago)
ſiche Roport of tho Commiggioner of Edu-
cation for the year ended June 30, 1910
(Waſhingt. 1910; I 126 ff, I1 676 1168) ſo»
wie die ſrühern Bände, die der Commissioner
of Education, der 1909 verſtorbene William
Torrey Harris, redigierte. Die Gegner der Koedu-
kation weiſen auf das Bedenkliche hin, daß 90*/,
aller nordamerikaniſchen Knaben inſolge de8 Ge-
meinſchaftöunterricht8 bis zum 18. Jahre nur von
Frauen unterrichtet werden, u. befürchten mit Necht
eine Verweiblihung der Schule, wie hinſichtlich
der Lernenden u. de3 Lehrkörper3, ſo der Pädagogik
un. Didaktik. Von den Verteidigern wird dagegen
auf die günſtigen Ergebniſſe der von K. E. Palm=
gren 1876 zu Sto>holm gegründeten Palm-
gronska Samskolan hingewieſen (vgl. deſſen Er-
iehungs8ſragen [1904] 91 ff) u. hervorgehoben,
aß dieſe gerade die ſchwediſche Negierung bekehrt
y. zur Gründung gemiſchter „Lande3erziehung3-

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.