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Nead, Brit. Journ, of P3ycho]l. (1911) ; W. Stern,
D. diſſerent. Pſychol. (1911) ; E. Meumann, ECin-
führ. in d. Äſthet. d. Gegenw. (* 1912) ; P. Möbius,
I. I. Nouſſeau (1903); derſ. , Goethe (2 Bde,
2 bzw. 81909) ; derſ., Schopenhauer (1904); derſ.,
Niebſche (81909); K, Pelmann, Pſych. Grenz-
zuſtände (*?1910) 205. Vgl. auc< M. Ettlinger, im
Hochland 1903/04 1 441 ff; EC. Bortſchl, in Weſter-
manns Monatsh. 53. Jahrg. (1908/09), 189 ſf; B.
Stein, in Beil. 3. Augs8b. Boſtztg v. 27. Febr.
1907. [Ad. Dyrofſ.]
Genügſamxreitſ.Cinfachheit, Zufriedenheit.
Genußſucht. 1. Das Weſen yu. die Ge-
fahren der G. Die G., d. h. da8 Streben nach
unmäßiger u. ungeordneter Befriedigung von ſinn-
lichen u. geiſtigen Bedürfniſſen, kann auf allen
Stuſen der jugendlichen Entwi>älung die Er
ziehungsarbeit ſtören u. den Erziehungserſolg in
Frage ſtellen, Zunächſt bemächtigt ſich die G.
de3 Nahrungstriebes in Le&erhaſftigkeit (ſ. d.) u.
Wählerei. Auch das Bedürfni3 nach Abwechſ-
lung in Unterhaltung u. Spiel führt ſchon früh
zu Äußerungen genußſüctiger Laune, Die eigent=
liche Kriſe tritt jedoch erſt mit der beginnenden
Geſchlecht3reife ein. Die erwachenden Sexualtriebe
verführen hier nicht ſelten zu verfrühter, zügel-
loſer, unmoraliſher Beſriedigung. Zugleich ge-
winnen gewiſſe Formen des Genießen3 (Trinken,
Nauchen, galante Abenteuer) Nenommierwert für
die werdenden Jünglinge, während die Mädchen
durch die Vergnügungen u. den demonſtrativen
Auſwand der Werbezeit leicht an Luxus u. Ver
ſc ſtige G., die Hingabe an ein überreiztes träume=
riſche3 Gefühlsleben, das dur< ungeſunde Lektüre
geſteigert wird, kann in dieſer Entwicklungsperiode
geſährlich werden. -- Zweiſello3 erhält die jugend
liche G. durch das moderne Leben, beſonder3 in
den Städten, einen außerordentlichen Vorſchub.
Die Induſtrie der Näſchereien u. des prunfvollen
Spielzeugs, die Neklame der Automaten u. der
Kinematographen ſuchen ſchon im Sculfkinde Bes
dürfniſſe zu wecken, nicht bloß natürliche Triebe
zu befriedigen. Beſonder3 aber rechnet das Schaus=-
fenſter, das Vergnügungsetabliſſement, das käuf=
liche Laſter auf die ſteigende Begehrlichkeit der
Jugendlichen. So wird der Kampf de3 Erziehers
gegen die G. immer ſchwieriger, zumal die ſolide
Einfachheit aus dem Famitienleben ſelbſt vielfach
ſchon verſ werden, da das Glück u. die Würde de3 einzelnen,
aber auch die Kraft der Geſellichaft davon ab=
hängt. Die G. ſtumpfſt ab u. macht genußunfähig,
ſie tyranniſiert die vernünſtig-ſittliche Natur, ſie
entnervt die Nationen u. erſtickt die aktiven Kräfte.
IL Der Kampf gegen die G. muß mit der
Gewöhnung zur Einfachheit (ſ. d.) beginnen. Der
Übergang zu einem mehr freiwilligen Verſagen
kann durch die Ausnußung von Trieben gewonnen
werden, die dem Genießen entgegengerichtet ſind.
So kann der Sparſinn in dieſer Richtung geleitet
werden , wenngleich) die Sc Lexikon der Pädagogik. 11.

Genügſamkeit -- Geographie.

226
ſich noch keine allgemeine pädagogiſche Anerken-
nung errungen haben. Auch da3 Ehrgefühl (ſ. d.)
kann gegen die G. auſgerufen werden, wenn dem
heranwachſenden Knaben die Tapſerkeit u. Männ-
lichkeit des Entbehrenkönnens aufgezeigt wird. E8
iſt im allgemeinen nicht ſchwer, ihn auf dieſem
Wege ſür totale Abſtinenz von Alkohol u. Nikotin
zu gewinnen. Das Mädchen dagegen wird leich-
ter dur< da38 Mitgefühl (f. d.) mit den Darbenden
U. durc die Luſt des Wohltuns für die Entſagung
intereſſiert. Endlich müſſen im Jugendlichen die
Tätigkeitstriebe (ſ, d.) gegenüber den paſſiven
Genußtrieben angeregt werden. Freitätiges Spiel
(1. d.) u. vernünftig aus8geübter u. darum ſtählen-
der Sport ſind im Kampfe gegen die G. nicht zu
entbehren. Damit ſie aber nicht ſelber zur un=-
geordneten Luſterregung mißbraucht werden, müſſen
ſie der Pflicht u. den ernſten Arbeitsintereſſen
untergeordnet bleiben. So iſt e3 ſchließlich die
Hauptſorge de3 Erzieher3, da3 Vertrauen u. den
Auſſ die Begeiſterung für einen Lebens8zwec> im jungen
Menſchen wachzurufen, damit die träge, in Ekel
Übergehende Luſt de38 Genießen38 verdrängt werde
durd) die edle, ſtet3 wachſende Freude des Schaf-
ſens. Die leßten u. heimlichſten Verſuchungen zur
G. werden ſreilich nur durch religiöſe Motive u.
übernatürliche Hilfe überwunden. Des8wegen ſekt
ſich auc) die kirchliche Aökeſe (ſ. d.) den Kampf
gegen die G. als erſte Auſgabe. Der Erzieher
wird alſo die asketiſchen Methoden der Selbſt-
überwindung nicht überſehen dürfen.
Endlich iſt zu beachten, daß der pädagogiſche
Kampf gegen die G. aud) eine ſoziale Seite hat.
Cs gilt die Gelegenheiten u. Anreize zum ver=
botenen u. unmäßigen Genuſſe dur einen ſitt=
lichen Jugendſchutz im weiteſten Sinne immer
mehr einzuſchränken, Die Geſeßgebungen (vgl. die
Art. Fürjorgeerziehung, Jugendpflege) der ver=
ſchiedenen Länder enthalten bereits manche Be=
ſtimmungen dieſer Art: z. B. da3 Verbot des
unbeauſſichtigten Wirt8hausbeſuche3 Jugendlicher,
de8 Beſuches von Tanzunterhaltungen (8 56
P.Str.G.B. für Bayern) ; die Beſtrafung der Ver=
führung Jugendlicher (8 174 3. 1, 8 176 3. 3,
8 182 N.Str.G.B.); da3 Verbot de38 Verkaufs
unzüchtiger u. ſchamloſer Schriften u, Bilder an
Perſonen unter 16 Jahren (8 184 3.2, 8 184a
R.Str.G.B.) ; die Reglung der Lohnauszahlung
an Jugendliche (8 119a R.G.O.). E38 muß je-
do< auf den Au3bau dieſer geſeßlichen Beſtim=
mungen gedrungen werden. Vor allem aber iſt
die Allgemeinheit ſelbſt zu dem Bewußtſein einer
größern Verantwortlichkeit gegenüber dem Nach-
wuchs zu erziehen.
Citeratur. A. Pieper, Jugendfürſorge 1.
Jugendvereine (21910) ; Fr. Paulſen, Pädagogik
(21912). [F. X. Egger3dorfer.]
Geographie , aſtronomiſche, |. Mathe-
matiſche Geographie.

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