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Einfluſſe immerhin einige Belehrung bringen,
ebenſo die Erklärung kurzer Sprichwörter wie:
„Out gekaut iſt halb verdaut“ ; od. die Angaben,
daß die Zähne durch Nüſſekna>en od. Stochern mit
Meſſer u, Gabe] Leiden u, Schmerzen verurſachen
ujw, Urſache u, Wirkung in Zuſammenhang zu
bringen, iſt bei dieſen Kindern noch zwecklos,
317 den höhern Alteröſtufen iſt eine derartige
Aufklärung, mit Maß natürlich, von Nußen.
Wenn der Lehrer z. B. über die Tuberkuloſe
verhütung auf Grund gediegener Henntniſſe von
dem Weſen u. der Urſache dieſer Krankheit genauen
Beſcheid weiß, ſo wird e3 ein leichtes ſein, den
Kindern hierüber bei paſſender Gelegenheit im Ver»
laufe des Unterrichts Belehrung zu erteilen. Auch
viele Leſeſtücke geben hierzu Veranlaſſung u. können
ein Kampſjmittel gegen dieſe Geißel der Menſch»
heit werden. Der Unterricht in Botanik u. Zoo»
logie vermag ſodann die Biologie der Shmarobßer,
im beſondern die der menſchenfeindlichen, darzutun.
Sogar die Geſchichtſtunden können hierbei mit-
wirlen, indem in ihnen eine Parallele zwiſchen
Menſc ſulojejeuche gezogen wird. Umſtändliche eingehende
Belehrungen ſind indes bei den Vollsſchullindern
nicht angebracht ; ein paar klare Säße leiſten da
oſt die beſten Dienſte, z. B. : „Nicht auf den Boden
ſpucken!“ „Luſt u. Licht in deinem Haus treiben
die Krankheit zur Türe hinaus.“ „Wo die Sonne
nicht hinkommt, kommt der Arzt hin.“
Auch der Schularzt nimmt bei ſeinen jährlich
ein» bis zweimaligen Schulbeſuchen Veranlaſſung,
die Kinder auf die Notwendigkeit gut geübter
Geſjundheit3pflege auſmerkjam zu machen. Jh tue
dies in den Unterklaſſen in leichtverſtändlicher
gebundener Form, in den Mittelſtufen in Proja
u. Vers, in den Oberſtufen gehe ich auch auf
das Warum der einzelnen geſundheitlichen Maß»
nahmen ein. Jn lehtern kommt auch die Übung
des künſtlichen Atmens (ſ. d.) zur Behandlung.
In den höhern Schulen u. an den Lehrerſeminaren
hält der Arzt am beſten einen Zyklus von Vor-
trägen. So habe ich 3. B. am Lehrerſeminar
ſolgende Vorträge gehalten (die mit * bezeichneten
famen immer daran, die übrigen nur bei au3»-
reichender Zeit): 1. * Entſtehung der Nückgrat3-
verkrümmungen u. deren Verhütung. 2. *Sch-
ſtörungen als Schulkrankheitenu. deren Verhütung.
3. Erkrankung der Kreislauſ-, Atmung3» u. Ver»
dauungsorgane durch die Schule u. deren Ver-
hütung. 4. * Die Nervenkrankheiten, wie ſie in der
Schule entſtehen u, von dieſer verhütet werden
können. 5. Ernährungöſtörungen im Schulalter u.
deren Verhütung. 6. * Entſtehung u. Verbreitung
von anſte>enden Krankheiten u. deren Verhütung
in der Schule. 7. *Das gleiche Thema über die
Tuberluloje. 8. * Fürjerge für die kranken Kinder
in der Schule (zunächſt die körperlich kranken
Kinder). 9. * Fürſorge der ſchwach veranlagten u,
der pjychopathiſch minderwertigen Kinder in der
Schule. 10. *Pjychogene Störungen u. Sprach-
Geſundheitspflege in der Schule -- Gewähren u, Verſagen,

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fehler bei Kindern, 11. Vorſührung der hygie»
niſchen Unterſuchung83methoden, 12. Stellung der
Behörden zu der Schulgeſundheit8pflege (hygieniſch
einwandfreie Herſtellung des Schulhausbaues u.
der Schulhaußeinrichtungen). 13. Hygiene der
Leibesübungen, 14. Fürſorgeweſen des Staates bei
geſunden 11. 15. bei kranken Kindern, 16. Sc geſundheitöpflege u. die Tätigkeit des Schularztes.
17. Die Schulgeſundheit8pflege u. das Elternhaus
(allgemeine Körperpflege der Schulkinder durch
das Elternhaus). 18. Erziehung zu einem ge»
ſunden Gemüt83- u, Willensleben, 19. * Gute
Zahnpflege. 20. Nationelle Ernährung der Schul-
kinder. 21. *Folgen des Alkoholmißbrauches.
22. Wohnung, Kleidung u. Arbeit8verhältniſſe
der Schulfinder. 23. Verhütung von Erkältungen
(empfiehlt Abhärtung als geeignetes Schußmittel).
24. Aufklärung der Eltern dur< den Lehrer in den
Elternabenden, 25. Hygiene der Lehrer u, der
Lehrerinnen. 26, Art u. Weiſe hygieniſcher Be»
lehrung von Schulkindern durch den Lehrer.
27. Das Notwendigſte aus der erſten Hilfeleiſtung
im Unglück. 28. Handfertigkeitöunterricht u. Hy-
giene (in Parallele). 29. Mitwirkung des Lehrers
bei der Beruſ3wahl.
An Gewerbeſchulen hielt ich 6 Vorträge: 2 über
allgemeine G., 2 über Gewerbekrankheiten, 2 über
erſte Hilfe im Unglüde, -- An Haushaltungs3-
ſchulen erklärte ich die einzelnen Körperſyſteme u.
im Anſchluſſe daran die G. Für jede8 Syſtem habe
ich 1 Vortrag reſerviert, für die Verdauung u. Cr-
nährung dagegen 2, desögleichen behandle ich die
Kranken» u. Säuglingöpflege in 2 bzw. 1 Vortrage.
An den ſonſtigen höhern Schulen wären etwa die
Vorträge der Gewerbeſchulen zugrunde zu legen ;
doh müſſen in den höhern Hnabenſchulen über die
geſchlechtliche Aufklärung (ſ. d.) notwendig nod
2 beſondere Vorträge hinzutreten, die heute ge»
wöhnlich den Abiturienten gehalten werden, doch
nach reiſlicher Überlegung des richtigen Zeitpunktes
ſchon weſentlich früher ſtattfinden könnten. -- Vgl.
zur Ergänzung des hier Geſagten ſowie über die
Maßnahmen, welche die Schule zum Schuhße der
körperlichen u. der geiſtigen Geſundheit ihrer Zögs=
linge zu ergreiſen hat, den Art. Schulhygiene ; ſ.
auch den Art, Hilfeleiſtung bei Unglüdsfällen.
Literatur. Außer der Lit. unter den Art.
Geſundheit u. Schulhygiene vgl. O. Janke, Über
d. Unterr. in der G. (1895) ; A. Baur, Moderne
Schulhyg. (1909). [A. Baur.]
Geſundheitspflege in der Schule ſ.
Sc Gewähren 11. Verſagen, 1. Inhalt.
Alles, was dem Ziele der Erziehung zuwiderläuft,
iſt zu verjagen, zu gewähren, was ihm nicht ent-
gegen iſt. Dieſe Formel iſt leicht, die Anwen-
dung ſchwer. Sie ſeht zunächſt Klarheit über das
Erziehung3ziel voraus. Nach deſſen Verſchieden=
heit wird auch die Auſſaſſung von G. u. VY. ver=
ſchieden ſein, anders z. B. in einer konſeſſionellen,
anders in einer konſejſionäloſen Schule. Da das

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