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ſäume der Lehrer, aus ſreier Hand eine einfache
Skizze de8 Grundriſſes eines Theater8 an die
Taſel zu zeichnen ; es wirkt beſſer als die ſchönſten
Abbildungen. Von der Geſchichte des Dramas
muß das Notwendige mitgeteilt werden. Dabei
kommt auc) die Poetik des Ariſtotele3 u. die Be=
deutung de8 Chores, von dem der Schüler bei der
„Braut von Meſſina" (Unterſchied !) bereits Kennt
ni8 erlangl hat, zur Sprache, ja ſchon bei den
„Kranichen des Jbykus“".
Allgemein gilt der Grundſaß: Anleitung zur
Vorbereitung, ſelbſt zum Gebrauche (nicht Wäl=
zen!) des Wörterbuchs in der Klaſſe ; Gewöhnung
an Ableiten von ſcheinbar neuen Vokabeln aus
wohlbekannten u, Herausfinden des beſondern
Sinne3 eines bekannten Worte38 aus dem Zu=
ſammenhange ; Erarbeiten, nicht Erraten der Über-
ſehung. Scheinbare Synonyma ſind im Begriffe
genau zu beſtimmen, damit der richtige Sinn der
Stelle feſtgeſtellt wird, z. B. „Jlias“ XVI1 98 bis
104: &v)p -- vwri, Solr.ova neben 9265, „Od.
Tyr." 246 u. 249: zorevgomat -- 2reüpourct,
Desgleichen muß der Schüler lernen, auf die Vor-
ſtellung zu achten, ſei e3 daß ſie für den Sinn wich=
tig iſt, ſei es daß ſie Zwecken der Kunſt (Nhetorik,
Poeſie) dient. Wenn ſich der Schüler redlich be=
müht, jo verdient das Anerkennung, auch wenn
er „ſi verhaut“. Ein Irregehen nüßt oft mehr,
als wenn ſoſort Einhilſe eintritt. Oſt hilſt ſchon
da3 gute Vorleſen durch den Lehrer auf den rich-
tigen Weg. Niemals aber laſſe man überſeßen,
bevor die Schwierigkeiten durc< Konſtruieren be=
ſeitigt ſind. Daher frage man bei Hausaufgaben
der Präparation ſtet3 erſt, ob Süler auf ſolche
geſtoßen find. Beſondere Schwierigkeiten zu prä-
parierender Stellen hat der Lehrer bereit3 beim
Stellen der Aufgabe wegzuräumen, namentlich
wenn die Lektüre beginnt (O0 111, UI11]). Es iſt
nur Zeitverluſt, wenn der Lehrer einen Schüler
anſangen läßt zu überſehen u. erſt dann, wenn
dieſer nicht zurechtkommt, nach der Konſtruktion
ſragt. Der Lehrer hat die Pflicht, ſich für ſeine
Schüler vorzubereiten. Beim Überſeßzen halte auf
die Regel : ſo wörtlich wie möglich, nicht ſreier al3
nötig, ſtet3 in gutem Deutſch !
Kann der Lehrer eine wirkliche Muſterüb er=
ſehung geben, bei Poeſie vielleicht ſogar eine
trefflich poetiſche, ſo ſoll er ſie nicht als Cho ver-
langen. Mancher brave Kollege iſt ſo pedantiſch,
nur ſeine Überſezung gelten zu laſſen, u. verekelt
den Schülern die Lektüre, da ex Wiederkäuen for=
dert, anſtatt dem Schüler zu laſſen, was dieſer
ſich ehrlich erarbeitet od. wa38 die Klaſſe in ge=
meinſamer Tätigkeit mit dem Lehrer als paſſend
erkannt hat. C3 macht einen unauslöſchlichen Ein-
dru> auf die Jugend, wenn der Lehrer dem Vor=-
jehlage eines Schüler3 den Vorzug vor ſeiner
eignen Überſehung eines Wortes zuerkennt. Un=
ſug iſt e38, wenn er Nachſchreiben zuläßt od.
durch ſeine Pedanterie aufnötigt od. gar ſelbſt
die Überſezung diktiert ! Die Benußung ges
Griffel -- Grimm.

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druckter Präparationen wird an manchen Schulen
erlaubt,
Kleine „Ausarbeitungen“ ſind, abgeſehen
von behördlicher Anordnung, zuweilen vorteilhaft
u. dem Schüler ſelbſt zur eignen Kontrolle nicht
unwillkommen, vorausgeſeßt daß ſie der Lehrer
nicht zu Ständern ſeines Prädikat38 macht.
Da3 Diktat bei den ſchriftlichen Reifeprüs-
ſungen ſoll der Lehrer zweimal leſen, zuerſt lang=
ſam mit ſinnentſprechendem Ausdrucke u. dann
diktierend, ſoweit e3 dabei angeht, wieder mit
Ausdru>. Eine Frage iſt als ſolche, nicht als Au8=
ſageſaß zu leſen ! Hätte der Schüler die Aufgabe
gedrucdt od. heftographiert vor Augen, dann
ſtünde ja das Fragezeichen. Neiſeprüfung u.
Schlingenſtellen iſt nicht dasſelbe. =- Die erweiſen
dem Gymnaſium den ſchlechteſten Dienſt, die den
g. S. zur Qual für die Schüler machen.
Literatur. Vgl. außer den im Texte zitierten
Büchern: F. Blaß, Üb. d. Ausſpr. d. Grie.
(31888); P. Dörwald , Didaktik u. Methodik d.
griech. Unterr. (1912; dort auch weitere Lit.); U.
v. Wilamowit»Möllendorff, Der Unterr. i. Griech.
(in W. Lexis, Die Reform des höh. Sc Preußen [1902]; dazu vgl. P. Cauer, Das8 griech.
Leſebuch von Wilamowiß=-Möllendorff [1904]);
P. Cauer, Wiſſenſch. u. Schule in ihrem Verhältn.
zum klaſſ. Altert. (1909); derſ., Palaestra vitae
(21907); derſ., Die Kunſt d. Überſ. (*1909) ; derſ.,
Grammatica militans (*1912); W. Lexis, Das
Unterricht8weſ. im Dtſch. Reich 11 (1904) ; Ver-
handlungen der preuß. Direktorenkonferenzen (ſeit
1879).--Wiſſenſch.Grammatiken:H.Hüt,
Handb. d. griech. Laut- u. Formlehre (21912); J.
M. Stahl, Krit.-hiſt. Syntax des griech. Verbums
der klaſſ. Zeit (1907); A. Thumb, Handb. d. griech.
Dialekte (1909) ; K. Brugmann, Griech. Gramm.
(31900). = S Hartel, Krüger, Kühner, Kaegi, Frißſche, A. v. Bam=
berg, Koc Gerth, Weſener, Wetzel, Seyffert-Bamberg, Schenkl,
Fecht»Sikßler. [S. P. Widmann.]
Griffel [. Lernmittel.
Grimaſſenſchneidetn |. Phyſiognomik.
Grimm, Brüder. ]. Leben. Jakob G.
wurde am 4. Jan. 1785, Wilhelm am 24. Febr.
1786 zu Hanau geboren als Söhne eines Stadt=
u. Landſchreiber3. 1791 wurde der Vater als
Juſtizamtmann nach Steinau an der Straße ver=
ſeßt, ſtarb aber ſchon 1796, ſeine Witwe mit
5 Söhnen u. 1 Tochter in engen Verhältniſſen
zurücklaſſend. Herbſt 1798 kamen beide Brüder
nach Kaſſel, wo ſie auf Koſten einer Tante das
Lyzeum beſuchten. 1802 bezog Jakob die Univer»
ſität Marburg, um Jura zu ſtudieren; Wilhelm,
der da3 gleiche Studium wählte, konnte ihm wegen
Kränklichkeit erſt 1803 nachfolgen. In Marburg
traten die Brüder Savigny näher. Jan, 1805
reiſte Jakob auf deſſen Auſſorderung nah Paris,
um ihm bei jeinen literariſchen Arbeiten zu helfen.
Dieſe Trennung zeigte den Brüdern, wie feſt ſie
miteinander verwachſen waren, u. ließ in ihnen
den Entſchluß reifen, ſich künftig nie voneinander

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