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ſorgte 1870 ein Prieſter der Diözeſe Regensburg.
Sie enthält die Katecheſen vollſtändig u. un-
geändert; aus den „Vorleſungen“ hat ſie aber eine
Auswahl getroffen u. dieſe mit einer praktiſchen
Anleitung zum Katedhiſieren ſo verbunden, daß
daraus eine umfaſſendere Theorie der Katechetik
entſtanden iſt (außerdem fügte ſie zmei Beilagen
größern Umfanges bei). Im Geiſte G.3 verfaßte
der Benediktiner Schwarz da3 „Handbuch der Kate
lehre für die obere Abteilung nach dem öſterreichi=
ſchen Normalkatechiömus erklärte.
[F. W, Bürgel.]
Grundſäße ſ. Charakter.
Gxruppenunterricht. Der Begriff G. iſi
ſehr vielſinnig. In der ſchulterminologiſchen Prä-
gung, die er erſt durc Ziller erhalten zu haben
ſcheint, bedeutet er die Zuſammenſaſſung
mehrerer Unterricht8gebiete, die ver-
ſchiedenen Fachwiſſenſchaften angehören, zu einem
nach pädagogiſchen Grundſäßen einheitlich ge-
ſtalteten Unterrichtöganzen. So faßt Ziller ſelbſt
u, vor allem Dörpfeld, der auch den deutſchen
Sprachunterricht u. den Neligion3unterricht als
G. behandelt ſchen wollte, z. B. die naturwiſſen»
ſchaftlichen Diſziplinen der Zoologie, Anthropolo-
gie, Botanik, Phyſik, Meteorologie, Chemie, Mi-
neralogie u. Geologie al8 einen G. zuſammen.
Der Gedanke, die genannten Fächer zu einer ein=
zigen „Schul Naturwiſſenſchaft“" zu vereinigen,
wird heute im Prinzip wohl von den meiſten
Methodikern vertreten, wennſchon in der praktiſchen
Anusgeſtaltung allerlei Verſchiedenheiten beſtehen.
Dieſe Konzentration8verſuche haben aber biöher
nicht zu befriedigenden Reſultaten geführt (ſ. Na=
turunterricht). Manche Vertreter dieſer Fächer
wollen Untergruppen bilden, wie z. B. Zoologie,
Anthropologie u. Botanik; Chemie, Mineralogie
u. Geologie ; Phyſik u. Meteorologie. Auch die
„Ceben3gemeinſchaſten“ Friedrich Junges (|. d.)
ſind al3 G. zu betrachten. Weitere Gruppen im
Sinne unſer3 Stichwort3 ſind: die namentlich
in den höhern Schulen längſt durchgeführte Ver-
bindung von Geſchichte u. Geographie; die Ver=
einigung von Naturwiſſenſchaft u. Geographie
bzw. Mathematik; die Verſchmelzung der ſog.
Geſinnungs8fächer mit den zugehörigen Sprachen
uſw. Iſt doch die ſchon im alten Gymnaſium ge-
übte u. neuerding3 aud) von den andern höhern
Schulgattungen 1. ſelbſt von der Volksſchule über=
nommene Schöpfung de8 Geſinnungsſtoſſe8 aus
der Lektüre nicht3 andres als ein G. Dagegen iſt
das Gruppenſyſtem, das in neueſter Zeit an Stelle
de3 Wahlſyſtem3 an den amerikaniſchen Colleges
eingeführt iſt, keinesfall3, wie e3 gelegentlich ge=
ſchieht, mit unſerm G. zu verwechſeln. Denn es
handelt fid) dort nicht um ein Unterricht8ganze3
von innerer Geſchloſſenheit, ſondern um eine Zu=
ſammenſtellung von verſchiedenen Diſziplinen zu
Studiengruppen, die al8 Ganze38 von den Stu=
denten abſolviert werden müſſen. Das ſrühere
Grundſäße -- Guggenbühl.

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Wahlſyſtem, d. h. die willkürliche Auswahl von
Fächern durc die Studenten ſelbſt, hatte ſich des-
halb nicht bewährt, weil die Wahl der zu betrei=
benden Studien nicht nach ſachlichen Geſicht8-
punkten, ſondern nady) der Bequemlichkeit des ein=
zelnen erſolgte u. ſomit oft die grunblegendſten
Diſziplinen gänzlich vernachläſſigt wurden. --
Weiteres über den G. vgl. unter den Artikeln, die
den einzelnen Fächern gewidmet ſind, ſowie unter
Konzentration.
Über den G, im Sinne des Abteilung8=
unterricht3 vgl. vor allem den Art. Einklaſ=
ſige Volksſchule (beſonder3 Abſchn. IV u. VJ).
[C. M. Roloff.]
Grüßen |. Höflichkeit.
Guaſtallinerinnen ſ. Weibliche Lehr=
orden.
Guggenbühl, Johann Jakob, iſteiner
der erſten, der weitere Kreiſe literariſch auf die Not=
wendigkeit der Schwachſinnigen= u. Jdiotenfür=
ſorge hingewieſen hat. Er iſt geboren am 13. Aug.
1816 in Meilen bei Zürich, ſtudierte Medizin u.
Naturwiſſenſchaften, wobei ihn beſonders Troxler
philoſophiſch beeinflußte u. für die Jdiotenpflege
erwärmte. Nach kurzer ärztlicher Praxis ließ er
1840 ſeinen berühmt gewordenen „Hilfsruf aus
den Alpen zur Bekämpfung de3 ſchrecklichen Kre=
tiniömu38“" in der „Bibl. der neueſten Weltkunde“
von H. M. Malten (1, Aarau 1840, 190/201)
erſcheinen u. begründete das Jahr darauf am
Abendberge mit 25 Kindern u. unter Unterſtüßung
von katholiſchen Ordensſchweſtern eine Anſtalt,
in der er im Lauſe der Jahre in Blumer u, Helſe=
rich ſowie Schweſter Jaquet treue Helfer fand.
Der Aufruf ging an alle Menſchenfreunde „zur
Vereinigung der Kräſte, um durch paſſende Volks-
ſchriften, dur< die Geiſtlichkeit, Schulen u. alle
möglichen Wege beſſere Grundſäße über phyſiſche
Erziehung, über Licht, Luft, Zeugung im Rauſche
zu verbreiten“. Der Abendberg liegt, 1139 m
hoch, in der Nähe der Jungfrau des Berner Ober=
landes, u. G. glaubte damit ſchon dem Übel be-
ſonder3 entgegenzutreten.
Die Anſtalt ſollte ſowohl ein Hoſpital wie auch
eine Schule ſein. Die ganze Kretinenkolonie be=
herbergte folgende Abteilungen, die G. in den
„Mitteilungen an die ſchweizeriſche naturfor=
ſchende Geſellſchaft“ (Bern 1853) beſchreibt: 1. Für
Säuglinge, bei denen da38 Übel beobachtet wurde ;
2. für Kinder vom 1. bi3 7. Jahre, für Sprechende,
Stumme, mit Krämpfen Behaftete u. pſychiſch
Aufſgeregte; 83. für Blödſinnige ohne körperliche
Krankheit ; 4. für unheilbare Kretinen eine Pflege-
u. Bewahranſtalt ; 5. für ſ ſchon Kretinen geboren hatten. Da auf dem
Abendberge Kinder aller Nationen aufgenommen
wurden, teilte man ſie in eine deutſche, franzöſiſche
u. engliſche „Familie“ ab. Einfache Nahrung,
kalte Bäder, Waſchungen, Begießungen, Regen=-
bäder, Cinwickeln in naſſe Tücher, aromatiſche
Kräuterbäder bildeten die Hauptmittel der Pflege,

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