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(1837), Aachen (1848), Trier (1857), Moden-
heim (1888), Junkerö3dorf (1896); 4. Kattern
(1907) mit Breslau (1859) u. Beuthen O.-S.
(1893), Die Zahl der Ordensfrauen beträgt 7000.
Ihrer Obhut ſind anvertraut 25--30000 Büße-
rinnen, 20000 Schüßlinge u. 2300 Magdalenen-
ſchweſtern (vgl. Abſchn. 111).
III. Verfaſſung. Die Generaloberin ernennt
va8 Generalkapitel, die Provinzial= u, die Kon-
vent8oberinnen die Generaloberin auf 6 bzw. 3
Jahre. Der Oberin ſtehen Aſſiſtentinnen u. Rats8=
ſchweſtern zur Seite. Die Ordensfrauen gliedern
ſich in Chorſchweſtern, Laienſchweſtern u. in Aus»
geh= od. Pfortenſchweſtern. Büßerinnen u. Per-
jonen unehelicher Abkunſt ſind von der Aufnahme
ausgeſchloſſen. Nach Sjährigem Noviziate legen
die Novizinnen die Gelübde zunächſt auf 5 Jahre
ab, dann folgen die ewigen. Beſondere Aufgabe
iſt, verirrte Mädchen u, Frauen zu beſſern, ver=
laſſenen u. gefährdeten ſowie manc kehrten Mädchen eine Zuſluchtöſtätte zu bieten.
'Hin u. wieder leiten die Schweſtern, z. B. in Öſter-
reich, Anſtalten für weibliche Gefangene. Jn den
Miſſionen übernehmen ſie häufig auch den CEle-
mentarunterricht, Perſonen unehelicher Abkunft
od. nicht makelloſen Nufes, beſonder3 auch Büße=-
rinnen, können nah beſtimmter Probezeit u. Ab=
legung der 3 Gelübde al38 Magdalenenſc ſtern nach der Regel der Karmeliterinnen in einer
beſondern Klaſſe, von den Ordensfrauen völlig
getrennt, leben. Zu erwähnen ſind noch die „Kon=-
ſekrierten“ : Büßerinnen von beſonderm Seelen=
eifer, die ſich meiſt nach 2jähriger Prüfungs3zeit
durd) einen feierlichen Akt der Gotte8mutter weihen
1. beſtändig unter den Zöglingen leben ; ſie unter=
ſtüßen oft in au8gezeichneter Weiſe die Schweſtern.
Anch unbeſcholtene Mädchen erwählen manchmal
dieſen Beruf ; Mutter Pelletier hat für dieſe be=
ſondere Statuten verfaßt.
IV. Bädagogik der G. H. Die Schweſtern
üben nicht nur Schußaufſicht über die anvertrauten
Mädden aus, ſondern leiſten poſitive Erziehung3=
arbeit. Jm Vordergrunde ſteht aber nicht wie
ſonſt der Unterricht, ſondern die Einwirkung auf
das Leben zum Auſbau der verwüſteten Innen-
welt. Jhre Erziehung iſt ſeeliſche Krankenpflege
zur Heilung jener dur ſexuelle Verfehlungen ent=
landenen ſchlimmen Entwicklungskrankheit. Die
Ergebniſſe der neuern Pſychologie u. Pädagogik
liefern wohl dankenswerte Beiträge zu dieſer un=
gemein ſchweren Erziehertätigkeit, doch bleiben
deren Jahrhunderte alte Grundzüge für dieſe3 Spe
zialgebiet der Heilerziehung vorbildlich. Die Zög-
linge werden tunlichſt nad moraliſchen Qualitäten
in Abteilungen („Klaſſen“) eingegliedert. Jede
dieſer bildet eine Anſtalt für ſich. An ihrer Spiße
ſteht eine beſonders erſahrene Chorſhweſter, der
eine Stellvertreterin beigegeben iſt. Beiden liegt
nur die Sorge um die Erziehung ob, ſo daß der
individuellen Einwirkung weiteſter Spielraum ge-
laſſen iſt, Die Arbeitsteilung u. berufliche Aus8bil-
Güterbegriff.

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dung leitet eine hierfür vorgebildete Chorſchweſter
in engſter Fühlung mit der Vorſteherin. Jn der
Erziehung3arbeit werden die 3 Schweſtern unter=
ſtüßt von Konſekrierten, deren je 2 etwa 5 Zög=
linge zu beſonderer Obhut anvertraut werden. Im
Vereine mit ungefähr ebenſo vielen gefeſtigten
Gefähriinnen bilden ſie eine kleine Gemeinſchaft,
einen „Kreis“. Dieſer ganze Erziehungs8apparat
dient der Förderung von nur 50--60 Zöglingen,
zufammen alſo etwa 120 Perſonen in einer Klaſſe.
Haupterziehungsmittel ſind da3 erfriſchende Beiſpiel
u. die tröſtende Hilfe der G. H. Die Abgeſchloſ-
ſenheit (Klauſur) iſt für den Erzichungs3erfolg auf
dieſem Gebiete unerläßlich. Die Schweſtern leiten
1. beauſſichtigen nicht nur die Arbeit, ſondern ſind
in allen Zweigen der Tätigkeit Mitarbeiterinnen.
Die Zöglinge werden im Hausdienſte u. den
allgemein erforderlichen weiblichen Handarbeiten
ausgebildet ; darüber hinaus erhalten ſie je nach
Neigung u. Geſchi> gründliche Beruſs8au3bildung.
Alle Erziehungsmaßnahmen ſind eingebettet in die
Pflege des religiöſen Lebens. Alle Tätigkeit ſoll
Ausdruek innerer Seelenarbeit werden. Ziel der
religiöſen Unterweiſung iſt nicht ſo ſehr Zuführung
religiöſer Kenntniſſe, al3 vielmehr Darbietung von
Lebens3entfaltungshilfen. =- Dieſer ganz eigenarti=
gen u. intenſiven Arbeit ſind die reichen Erzie-
hungs3erfolge zu verdanken. Oſt werden ſittlich ver=
dorbene Mädchen zu ſol daß ſie die tauglichſten Helferinnen in der Arbeit
an jenen werden, denen ſie früher ähnlich waren, =-
Die Haupturſache zu vorkommenden Mißerfolgen
beſteht darin, daß den Schweſtern gegen ihren
ernſten Nat die Zöglinge vorzeitig, oſt nah dem
erſten Auſſla>kern des guten Willen3, entriſſen
werden. [P. KaSperczyk.]
Güterbegriff. 1. Das Erziehen als Spen-
den von Gütern. Die Erziehenden gewähren den
Kindern die Bedingungen de3 phyſiſchen Lebens:
Nahrung, Kleidung, Wohnung; es ſind materielle
Güter, wa3 den Gegenſtand dieſer Gaben bildet.
(E83 iſt uns aber auch geläufig, die Erziehung ſelbſt
al3 Gabe zu faſſen ; wir ſagen: Er hat eine gute
Erziehung erhalten od. genoſſen; die Eltern haben
ihn für den Lebenöweg ausgeſtattet u. ä. Mit
den materiellen Gütern verſchränken ſich eben gei=
ſtige: Bilder, Bücher, Karten uſw. ſind ja nur
die Vehikel, um den Lernenden Kenntniſſe u. Fer-
tigkeiten zu geben. Die Mutterſprache, die hei=
miſche Sitte werden oft al8 die Güter genannt,
deren Überlieferung an den Nachwuchs die Pflicht
der Erziehenden iſt. Nicht weniger werden Kul=
tur, Wiſſenſchaft u. Kunſt als hohe, in der Ge=
ſchlechterfolge zu erhaltende Güter gefeiert.
II. Die Hintanſeßhung des G. in der Püd-
agogik. Allein von Gütern ſprechen u. den
G. zur Geltung bringen, iſt nicht dasfelbe. Ge=
meinhin werden in den Unterrichtälehren jene
Güter nicht al38 Werte an ſich, ſondern nur als
Bildungsmittel erörtert, u. der Ausdru> Lehrgut
hat fich noch keine feſte Stelle errungen. Man

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