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Dahms3 über H.3 ſchylamt!l. Tätigkeit; von ſeiner
ädag. handeln Kittel (1878), Morre3 (1882),
eiland (1860) ſowie Neden u. Jubiläumsartike!
vom Jahre 1903; vgl. auch E. Kühnemann, H.
(21912). [O. Willmann.]
Hergenröiher, Johann Baptiſt
I. Leben, Im bayriſchen Städtchen Biſchofsheim
an der Rhön am 14. Febr. 1780 als Sohn eines
Sc Junge ſür das Gymnaſium vorbereitet, das er in
Würzburg mit Auszeichnung abſolvierte. 1805
zum Prieſter geweiht, kam er al3 Kaplan in ſeine
aterſtadt, dann nach Eitleben, 1816 na Notien-
bauer als Kuratus. Eine Berufung al8 Gym-
naſiallehrer nach Würzburg lehnte er ab, aber
1818 nahm er die Stelle als 1. Direktor des
Lehrerſeminar3 in Würzburg an, wo er noch im
gleichen Jahre zum Dr phil. promovierte u, eine
ſchr ſegenöreiche Tätigkeit entfaltete. Durch ſeine
pädagogiſchen Vorträge, denen einige Jahre die
Kandidaten de3 Prieſterſeminar3 gemeinſam mit
den Schuljeminariſten anwohnten, begeiſterte er
alle ſeine Zuhörer. Das Seminar war damals
ſimultan. 14 Jahre erzog ?- für Unterfranken
einen religiöſen, tüchtigen Lehrerſtand. Nebenher
war er al3 Schulreſerent u. Prüfſungskommiſſar
in Würzburg ſowie als Kreisſcholarch tätig. Nach»
dem 1830 die Julirevolution auch im Franken»
lande Anklang geſunden hatte, wurde H. durch
ſtrenge amtliche Maßregeln als Verdächtiger ge»
ve u. 1832 mit dem 2. Seminarvorſtand in
Ruheſtand verſeht. Bald ſolgte ſeine Berufung
als Stadtpfarrer nach Bamberg, wo er ſchon am
15. Juni 1835 ſtarb,
II. Seine Bedeutung liegt vor allem auf dem
praktiſchen Gebiete als vorzüglicher Lehrer»
bildner, wodurch er ſich in Unterfranfen ein danf-
bares Andenken ſicherte ; aber auch als pädagogi-
ſcher Schriſtſteller hat er ſich einen ehrenvollen,
bleibenden Namen erworben. Seine „Erziehungs»
lehre im Geiſte des Chriſtentums" (1823, 21830)
hat eine ſehr warme Aufnahme gefunden --- wurde
ſogar in8 Holländiſche überſeßt -- u. darf als
eine Zierde der katholiſchen Pädagogik bezeichnet
werden. Aus ſeinen Vorträgen entſtanden, ſoll
dieſes Handbuch namentlich der Fortbildung der
Lehrerwelt dienen. In der Betonung der Erzie»
hung gegenüber der damaligen Methodenüber-
ſchäßung liegt wie bei Sailer, Gräfe uſw. ein
Hauptverdienſt ſeines Buche3; Unterricht ohne
rziehung iſt H. ein Unding. Das Werk iſt bei
aller Anlehnung an Beſtalozzi, Sailer, Graſer u.
andre Zeitgenoſſen ein ſelbſtändiges Buch voll
Wärme u. Schönheit der Darſtellung ; es iſt eine
Verherrlichung de3 pädagogiſchen Geiſtes des
Chriſtentum3, Im 1. Teile handelt e8 von der
allgemeinen Erziehungslehre, im 2. von dem Be-
ſondern der Zucht, im 3. von dem Beſondern des
Unterricht3, Die Erziehung beſteht ihm ähnlich
wie Graſer in der Sichtbarmachung des göttlichen
Ebenbilde3s an jedem Menſchenkinde. Nur ein
Hergenröther,

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wahrhaft religiöſer Menſch kann erziehen, Der
oberſie Grundſaß dabei ſoll ſein : Mache, daß dein
Zögling ein Ebenbild Gottes werde, heilig u.
vollkommen, wie e8 der Vater im Himmel iſt,
mache daß er ein wahrhaft religiöſer Menſch wird.
Daraus werden die Erziehungsregeln abgeleitet
in demſelben Geiſte wie bei Sailer in „Erziehung
für Erzieher“ unter dem Abſchnitt: Ideal der Er-
ziehung. Erziehungsmittel ſind Zucht u. Lehre.
Erſtere iſt ihm die allſeitige Verſorgerin u. För=
derin des Kindes, Pflegerin , Beſchüßerin nach
Körper, Geiſt u. Gemüt. Wie bei Peſtalozzi beſteht
nach ihm der Unterricht in einer den Entwielungs-
geſehen des menſchlichen Geiſtes entſprechenden An=
regung der geiſtigen Kraft, nicht in einer bloßen
Wortmacherei. Über die Anſchaulichkeit ſagte er:
„Der Unterricht iſt überall, wo e8 möglich, be=
ſtrebt, anſchaulich zu ſein. Er läßt, wo es nur
immer geſchehen kann, ſeinen Lehrling gleichſam
au< mit den Ohren ſehen u. mit den Augen
hören, jo will e8 die Natur des Kinde3, Er gibt
die Sache eher al8 das Wort, den Gegenſtand
eher al8 den Namen, die Vorſtellung ſrüher als
den Begrifſ; er macht, daß das Kind eher fühlt u.
empfindet, als e8 von Gefühlen u. Empfindungen
ſpricht. Das gegenteilige Verſahren bildet nur
Maulbraucher u. Wortkrämer.“
Der hohe Jdealismus u. religiöſe Geiſt H.3
ſpricht auch aus ſeinem Bilde de8 Erzieher3.
Dieſer ſei der Schuzgeiſt der Kinder; das Bild
des Sc kirchliche Schußengelſeſt iſt da3 Feſt der Erziehung.
Er ſoll da8 Werkzeug ſein, durch das der göttliche
Vater im Himmel ſeine Kinder zu ſich ruſt. Von
einem wahren Erzieher ſordert er: ſich ſelbſt auf=
opfernde Liebe, unermüdliche Geduld, freundlichen
Ernſt, untadelhaften Wandel, gründliche Kenntnis
vom Weſen der Erziehung, erprobte Zucht u.
Lehrgeſchilichkeit.
Wir können H. dur< das umfangreiche Gebiet
der körperlichen, geiſtigen, Gemüt3= u. Willen3-
bildung nicht folgen. Hier findet ſich keine theo-
retiſche Pſychologie, überall die praktiſche erzieh-
liche Beeinfluſſung dur die Schule, dabei voll
Wahrheit u. Treſſlichkeit! Die Erklärung der
Denktätigkeiten an dem Beiſpiele de8 Wechſler,
der die durcheinanderliegenden verſchiedenen Geld-
ſorten ordnet, zeigt, welche große Gabe H. beſaß,
anſchaulich zu ſchreiben. Treſſend iſt auch ſeine
Bemerkung über ſtaatsbürgerliche Erziehung:
„Die Kunſt, gute Bürger zu erziehen, iſt keine be-
ſondere von der Kunſt, gute Menſchen zu erziehen;
denn der gute Menſch iſt auch der gute Bürger,
u. der gute Bürger kann nicht aufhören, ein guter
Menſch zu ſein. Der deutſche Knabe u. Jüngling
ſoll ein deutſcher Mann, das deutſche Mädchen
eine deutſche Frau werden, aber nicht ſo, daß ſie
dabei auſhören, Menſchen u. Chriſten zu ſein!“
Gar nicht modern iſt H., wenn er für eine Mädchen-
ſchule nur ausnahmsweiſe eine Lehrerin für ge-
eignet hält. Doch müſſen wir ihm wiederum

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