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beurteilen kann, wieweit mit den Übungen dem
Herzen kein Schaden dugeſügt wird. Dauerlauf,
Wettlauf, Stemmen, Geräteübungen werden wohl
allen Herzkranken verboten werden, dagegen kann
leichtes Bauſenturnen, mäßiges Wandern recht zu-
träglich ſein, Herzkranke haben auch Neigung zu
Naſenbluten, daher ſind häufige Naſenbluter dem
Scularzte zur Unterſuchung baldigſt zu ſchien,
damit Schlimmes verhütet werde.
Literatur. H. Eichhorſt, Hygiene d. Herzens
1. d. Blutgefäße im geſ. u. krank. Zuſtande (*1906);
A. Baur, Das kranke Schulkind (21904); Spe-
manns „Goldene8 Buch der Geſundheit* (1904).
[A. Baur.]
Heſſen (Schulweſen). 1. Das Volksſchul-
weſen in H. iſt geregelt durch Geſetz v. 16. Juni
1874. Danach ſoll die Volks8ſchule der Ju-
gend durch Unterricht, Übung u. Erziehung die
Grundlagen religiös8-ſittlicher Erziehung u. na-
tionaler Bildung ſowie die für da38 Leben nötigen
allgemeinen Kenntniſſe u. Fertigkeiten gewähren.
Der Unterricht umfaßt Religion, Leſen u, Screi-
ben, deutſche Sprache, Nechnen, Formenlehre, Ge»
ſchichte, Erdkunde, Naturkunde, Geſang, Zeichnen
u, Turnen, für Mädchen no< weibliche Hand-
arbeit, Der Unterricht in der Neligion iſt obli-
gatoriſch u. konfeſſionell. Wird an einer Schule
Unterricht einer beſtimmten Konfeſſion nicht er-
teilt, jo muß die politiſche Gemeinde dem privaten
Neligion8unterrichte Schullokal u. Heizung ſtellen,
wenn die Zahl der Kinder mindeſtens 10 beträgt;
bei größerer Zahl kann die Gemeinde gehalten
werden, die Koſten de8 Religion3unterricht8 ganz
od. teilweiſe zu tragen.
Die Schulen ſind geſehlich ſimultan bis auf we-
nige Ausnahmen. Neben 905 gemeinſamen Schulen
gibt es nur noch 36 evangeliſche u. 39 katholiſche.
Die Aufhebung der noch beſtehenden Konfeſſion8=
ſchulen wurde am 12. März 1913 von der 2. Kam-
mer beſchloſſen. Doch richtet ſich die Zahl der Lehrer
jeder Konſeſſion auch an den Simultanſchulen
nach der Größe der Konfeſſion8gemeinden. --- Die
Sc benöjahre u. dauert 8 Jahre, eventuell noch ein
weiteres Jahr. Der Beſuch höherer öffentlicher
od. privater Bildungsanſtalten, ebenſo als genü»
gend erkannter Privatunterricht befreien vom Ve-
juche der Volksſchule. Nach Abſolvierung der
Volköjchule müſſen die Knaben noc die Fortbildungsſc anderweit Erſaß geſchaſſen iſt. Frühere Schüler
höherer Lehranſtalten ſind vom Beſuche der Fort-
bildungsſchule nur beſreit, wenn ſie die Obertertia
mit Erfolg abſolviert haben. Der Unterricht in der
Fortbildungsſchule findet Mitte Oktober bi3 Mitte
März ſtatt, u. zwar jedenſall8 6 Stunden wöchent=
lich, die nach örtlichen Bedürfniſſen gelegt werden
können (doch ſpäteſtens um 7 Uhr abends Schluß).
Empfohlen iſt, tunlichſt 2 Stunden Unterricht für
einen Abend vorzuſehen, ſo daß außer den Sonn-
u, Feiertagen in der Regel noch mindeſtens 2

Heſſen.

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Abende (etwa Montag u. Samstag) frei bleiben.
Aufgabe der Fortbildungsſchule iſt die Befeſtigung
u. Weiterführung in den Kenntniſſen u. Fertig=
keiten, die für da3 bürgerliche Leben vorzugsweiſe
von Nußen ſind. Religionsunterricht wird nicht
erteilt. Jede Gemeinde iſt zur Errichtung einer
Fortbildungsſchule verpflichtet u. trägt die Ver=
gütung für die Lehrer. Neueſten8 werden naments=-
lich in den größern Gemeinden die Fortbildungs-
ſchüler nac ſprechend der Unterricht erteilt. Auch Bürgerkunde
wird betrieben.
Die Behörden, die das Volksichulweſen
leiten 1. überwachen, ſind: 1. die örtlichen Schul-
vorſtände; 2. die Krei8=Schulkommiſſionen; 3. da3
Miniſterium de8 Innern, Abteilung für Scul-
angelegenheiten. Der Schulvorſtand führt
hauptſächlich die Auſſicht über das Schulgebäude
u. das Schulinventar , beſorgt die Anſchaffung
der nötigen Lehrmittel, die Verwaltung des
Sculvermögen8 ſowie die Ausführung der ge-
ſeßlichen Beſtimmungen u. der Verfügungen der
Behörden. Auch obliegt ihm die Beaufſichtigung
de3 dienſtlichen u. außerdienſtlichen Verhaltens
der Lehrer, Der Sculvorſtand beſteht aus dem
Bürgermeiſter, dem Geiſtlichen od. bei mehrern
aus einem von ihnen, den die kirchliche Behörde
beſtimmt, aus dem dienſtälteſten Lehrer, od.
bei mehr als 4 Schulklaſſen aus den 2 dienſt-
älteſten Lehrern. Sind in einer Gemeinde Haupt»
lehrer ernannt, ſo treten dieſe in den Sculvor-
ſtand ; ſtimmberedtigt ſind jedoch nicht mehr als
4 Hauptlehrer. Weiter wählt der Gemeinderat
nach der Größe der Gemeinde 3, 4 od. 6 Mit-
glieder des Shulvorſtande3 auf 6 Jahre, wovon
1 od. 2 dem Gemeinderat angehören müſſen. In
Gemeinden mit Städteordnung u. gemeinſamen
Sdculen iſt der Bürgermeiſter Vorſißender des
Schulvorſtande3 ; in den andern wird er von der
oberſten Schulbehörde aus dem Sculvorſtande
beſtimmt. Wo noc< Konſeſſionsſ hat jede ihren eignen Schulvorſtand ; die Mit=
glieder müſſen, abgeſehen vom Bürgermeiſter, der
Konſeſſion der Schule angehören. In Gemeinden
mit einer größern Anzahl von Schulklaſſen können
für dieje od. einzelne Abteilungen einzelne Lehrer
al3 Hauptlehrer (Rektoren) von der oberſten
Sculbehörde beſtellt u. ihnen die Auſſicht über
dieſe Schulen u. ihre Lehrer übertragen werden.
Sie ſind dann auch Mitglieder de3 Sculvor=
ſtande3, können jedoch nicht Vorſitende werden.
Zu Hauptlehrern werden in neuerer Zeit nur
ſolche Lehrer genommen, welche die erweiterte
Prüfung nach Art. 33 des Volksſchulgeſeßes
abgelegt haben. -- Die Auſſicht u. Leitung des
Volksſhulweſen3 wie auch der Privatſchulen im
Kreiſe hat die HKrei8=-Schulkommiſſion.
Sie beſteht au3 vem Kreisrat, der den Vorſit führt,
aus 3 vom Kreisausſhuſſe gewählten Einwoh=
nern de38 Kreiſes, aus den Bürgermeiſtern der
zum Kreiſe gehörigen Städte mit 10000 u. mehr

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