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monate» od. jahrelanger Pauſe noc erfolgen, die das Leben bedrohen. Meiſt tritt dann
innerhalb des zweiten Jahrzehnts der Tod ein.
Anderſeit8 finden ſich auch Fälle, in denen troß
angeborner H. u. ſelbſt erheblicher Aus8dehnung
des Schädels ein hohes Alter erreicht wird. Die
Intelligenz kann unter Umſtänden den gewöhn=-
lichen Grad noh überſchreiten, wenn keine Er-
nährungöſlörung des Gehirns eintritt. Solche
Fälle bleiben aber der ſteten Gefahr ausgeſeßt,
einer Pſychoſe zu verfallen, ein Ereignis, das ſelbſt
im höhern Alter noch eintreten kann.
Meiſt iſt die pſychiſche Störung eine ſehr hoch-
gradige, beſonders hinſichtlich der höhern Fähig-
keiten. Die geiſtige Entwicklung ſchreitet überhaupt
langſam fort, ſoweit ſie erfolgt. Gewöhnlich
kommt ſie nicht über die Stufe de3 Schwachſinns
hinaus, Völlige Jdiotie iſt nicht ſelten. Meiſt
werden nur ſenſible Eindrüde wahrgenommen.
Zur Fähigkeit der Shlußbildung kommt bei wei-
terer Entwidlung der Hydrokephale erſt ſpät; ſie
funktioniert zudem nur träge u. langſam. Die Er-
ziehung muß ſich oft mit einer gewiſſen Dreſſur
zu einzelnen Handlungen begnügen. Selbſtändige
Initiative zu dieſen ſehlt faſt immer u. dauernd.
Das Gedächtnis iſt äußerſt mangelhaft. Die
Sprache iſt langſam, fehlt ganz od. wird durch
unartikulierte Laute erſeßt. Gehör, Geruch u. Ge»
ſchmad leiden meiſt weniger ; der Geſichtſinn da-
gegen iſt oſt u. ſtark geſtört u. nicht ſelten von
völliger Blindheit befallen.
Auffällig ſind die zahlreichen Bewegungsſtö=
rungen. In den höchſten Graden der H. bleibt
nur noh die Fähigkeit zu den allereinfachſten
Muztkelbewegungen erhalten. Sehr oft finden ſich
mannigfache Lähmungen, die zu Wachs8tums8=
ſtörungen der Extremitäten führen. In den Mus
keln treten allerlei krampfartige Erſcheinungen
auf, wie Zittern, Zukungen, Zuſammenziehungen
(Kontrakturen, Spas8men) uſw. Soweit der Ge=
hirnzuſtand nicht zum Erbrechen reizt, iſt die Er-
nährung meiſt nicht geſtört. Cine gewiſſe „Ge-
fräßigkeit“ wird oft beobachtet. Das Erbrechen
kann auc) den Eintritt neuer Nachſchübe der H.
andeuten ; gewöhnlich geſellen ſich auch Kopfweh,
Pulsverlangſamung u. Unruhe in der Muskulatur
hinzu. Cpileptiſche Anfälle ſind nicht ſelten.
III. Die Erkennung der H. iſt im allgemeinen
leicht wegen der Größe des Schädels, Sie kann aber im An-
ſangsſtadium u. bei verknöchertem Schädel ſchwer
werden, He müſſen die Hirnerſcheinungen ent-
ſcheiden. Naſches Wachstum des Schädels iſt ein
verdächtiges Symptom. Stet3 müſſen Gehirn- u.
Geſichtsſchädel verglichen werden. Verwechſlungen
mit rachitiſchem Schädel ſind möglich ; dieſer zeigt
aber nicht das kleine Geſicht u, das raſche Wachs8-
tum. Auch Hirngeſchwülſte können H. vortäuſchen.
IV. Behandlung. Infolge der herabgeſeßten
Intelligenz u, mangelnden körperlichen Entwi-
lung ſind die an H. leidenden Kinder unfähiger
Hygiene -- Hypnoſe u. Suggeſtion.

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zur Selbſthilfe als andre Kinder u. daher auch
pſlegebedürſtiger. Dieſe Tatſache iſt um ſo be=
deutung3voller, als eine gute Pflege den Verlauf
der H. günſtig zv beeinfluſſen vermag. Die all-
gemeine Schwäche muß durch Hautpflege, kalte
Waſchungen, laue Bäder, Aufenthalt in hygieniſch
einwandfreier, ſonniger Wohnung gehoben wer=-
den, Der Kopf iſt vor Stoß u. Fall zu ſchüßen,
da da3 Gehirn große Empfindlichkeit zeigt. Die
eigentliche Behandlung leitet der Arzt, Da durch
ſelbſtändige Entleerung der Flüſſigkeit durch Naſe
Uu. Ohren ſchon Heilungen erfolgt ſind, hat man
dieſe dur< Punktion künſtlich herbeigeführt. Der
Erfolg bleibt aber ſchr zweifelhaft. Sie varf des-
halb nur bei kräſtigen Kindern ausgeführt wer=
den, wenn Leben od, Augenlicht bedroht ſind, wenn
ſich unſtillbare Krämpfe od. unerträgliches Kopf=
weh einſtellen. Eine äußerſt behutſame Erziehung
kann in den beſſern Fällen großen Nußen ſtiften.
Literatur. Die allg. Handb. der Pathologie,
beſ. das Handb. der geſ. Therapie von Penzoldt u.
Stinßing VI (*1911) ; Eulenbiurgs Realenzyklop.
d. gef. Heilkunde XI (21896; Art. Hydrocephalus
von Heubner) ; Schnirer u. Vierordt, Enzyklop. d.
prakt. Med. (1906; Art. Hydrocephalus von Bruns)
uſw. [W. Bergmann.]
Hygiene ſ. Schulhygiene.
Hygieniſche Unterweiſungen |. Ge-
ſundheitslehre; vgl. auch Hilfeleiſtung, Abſchn. I11.
Hypnoſe 11, Suggeſtion. 4A.H. u. S,.
im allgemeinen. I. Weſen. Die H. (v. griech.
ünvvetw = einſchläfern) iſt ein ſ ſtand, in den jemand auf künſtliche Weiſe verſjeht
wird. Die wirkliche Urſache für den Eintritt der
H. bildet die „S.“", d. h. die Eingebung des
Sclafe8 durch Worte od. Handlungen. Die
S. ſelbſt beſteht „in der Erweckung einer Vor»
ſtellung nicht auf dem Wege logiſcher Ausein=
anderſehung, ſondern lediglich durch Ankündi-
gung ihres Eintritt3“ (Löwenfeld). Bei unſern
Wahrnehmungen u. Vorſtellungen im vollen
Wacdhſein orientieren wir un3 über deren Ver=
nünftigkeit u. Korrektheit durch eine Reihe von
Nebenbeobachtungen, die im Schlafe fehlen. Die
relative Untätigkeit u. Hemmung des Gehirn3 im
Schlafe zeigt ſich auch an der mangelhaſten u.
lo>ern Verbindung der Traumvorſtellungen ſo=
wie im Fortſalle der Willensbeeinſluſſung auf die
Gedankenverbindung. Die Phantaſie hat freies
Spiel, u. wir nehmen alles bereitwillig u. gläubig
an troß des Widerſpruchs gegen Zeit, Raum,
Logik u. ſelbſt gegen die Moral, Die H. iſt kein
Sclaf, ſondern nur ein ſchlafähnlicher Zuſtand,
UH. Jntenſitätsänderung der pſychiſchen
Energien. In der H. iſt nur ein Teil der im
Sclafe ruhenden Funktionen gehemmt. Der gei=
ſtige Verkehr mit dem Hypnotiſeur bleibt erhalten
durc< den „Rapport“, dur< den jener im zu
Hypnotiſierenden nur diejenigen Vorſtellungen,
Gefühle u. Strebungen wet, die er will. Das
iut er mittel3 der Phantaſie u. des finnlichen

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