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Literatur, Zu I vgl, die beim Abſchn. A
angegeb. Lit, Außerdem noch : v. Shren>-Notking,
Über S. u. ſuggeſtive Zuſtände (1893) ; Th. Lipps,
Zur Pſychol. der S. (1897): W. Wundt, Hypnos»
ti8mus u. S. (*1911); F. Walter, Aberglaube u.
Seelſorge (* 1911) ; CE. Trömmer, Hypnotismus u.
S. (1908; Aus Natur u. Geiſteswelt, Bd 199) ;
W. v. Bechterew, S. u. ihre ſoz. Bedeut, (1839) ;
J. Löwenberg, Geheime Miterzieher (81908); G.
Le Bon, Pſychol. der Maſſen (1908) ; H, Weimer,
Haus u. Leben als Erziehungsmöchte (1911); A.
Chriſtenſen, Politik u. Maſſenmoral (1912). --
Zv II vgl.: A. Binet, La suggestibilits (Bibl. de
Pedag. et de Pasychol. II [Par. 1900)]); W.
Stern, Die Ausſage als geiſt. Leiſtung (1904). --
Zu 111: W. Jeruſalem, Die Aufgaben d. Lehrers
an höh, Schulen (*1912). -- Zu I1V: Pigeaud,
La zuggestion en P6dag, (1897); Schramm,
vy. H. nach Erſcheinung, Urſache u. Verwert, (1902);
BP. E. Levy, Die natürl. Willensbildung (81910);
A. Rude, Der Hypnoti8mus u. ſeine Bedeut., nam.
die pädag. (*?1903) ; Der Arzt als Erzieher, hr8g.
v. O. Gmelin (ſeit 1905) ; H. Plecher, Die S. im
Leben des Kindes (1909) ; A. Forel, Der Hypno»-
tiömus od. die S. u. die Pſychotherapie (*1911);
H. S. Munro, Handbook of Sugg, Therapeutics
(Applied Hypnotisem & Psychic Science [Lond.
31911)) ; R. Picht, H., S. u. Erziehung (1913).
[A: W. Bergmann, B: G. Wuntderle.]
Hypochondrie, 1. Weſen, Unter H. ver=
ſteht man einen Zuſtand krankhaſter Verſtimmung
infolge von beläſtigenden Gemeingeſfühlen u. Or=
ganempfindungen u. ſich daranknüpfenden, bes
ängſtigenden Vorſtellungen über die Bedeutung
der Vorgänge. Die H). tritt bei den verſchiedenſten
Formen nervöſer Erkrankungen auf, die eine Bes
teiligung der Seele zeigen (Pſychoneuroſen, Pſy-
Krankheit betrachtet, Höchſtens kann der Name
auf einen bleibenden, degenerativen Zuſtand ans
gewandt werden, der oft ſchon in der Kindheit
einſeßt u. dauernde Neigung zur Verſchlechterung
bis zur Wahnidee u. ausgeſprochenen Geiſtes8=
krantheit zeigt.
11. Entſtehung u. Verlauf. Der H. liegt
eine frankhaſte Veränderung der Selbſtempfin=
dung zugrunde, wel an dem Zuſtande zwingt. Und zwar herrſcht hier
eine krankhafte Neizbarkeit der Cmpfindungsnerven
vor, dur die alle Organreize zu ſtark übermittelt
u. dadurch der Wahrnehmung in unluſterregender
Weiſe zugänglich gemacht werden (ſ. Geſühls-
ſtörungen, Abſchn. DI). So kommen die unter=-
ſc kontraktionen , Drüſenſekretionen , Ernährungs-
vorgänge, erſt recht aber wirkliche, wenn auch
bedeutung8loſe Störungen in den Leibe3organen,
die gewöhnlich der Wahrnehmung entgehen, in
peinlicher Weiſe zum Bewußtſein u. werden durc)
die herau8geforderte Auſmerkſamkeit u. weiterhin
durch die beunruhigende Undeutlichkeit der Art der
Empfindung noch in ihrer ſtörenden Wirkung ver=
mehrt. Dadurch entſtehen Beängſtigungen u.
Befürchtungen, die durch willkürliche Auslegungen
Hypod
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bis zu heftigen, ja ſelbſt verwirrenden Affekten
ſich ſteigern können. Iſt das Individuum hereditär
belaſtet, ſo wirkt der Vorgang bei der vorhandenen
Widerſtandsloſigkeit der Nervenmaſſe, ſpeziell des
Gehirns, im Fehlerkreiſe. Die entſprechenden de-
primierenden Affekte ſteigern wieder die krankhafte
Reizbarkeit. Infolgedeſſen kommt e3 bei genügend
langer Dauer zu immer ſchlimmern Zuſtänden,
die ſich in ſtet3 ſinnloſern Auslegungen der Emp=
findungen äußern u. zu unkorrigierbaren Wahn=
ideen ut. zu immer tieferer Verſtimmung führen.
Der Zuſtand endet in einem körperlichen u. gei-
ſtigen Zerfſalle. Die Anlage zu dieſer ſchweren
Form konſtitutioneller H. wird nicht ſelten als
„hypohondriſche3 Temperament“ vererbt. Bei
S. | den nicht konſtitutionell hypochondriſchen Zuſtän-
den wirken als Entſtehung8urſachen alle Shäd-
lichfeiten mit, die im allgemeinen die Nervoſität
hervorruft. Den Anlaß zum Ausbruche der H.
bieten die Entwiklungszeiten de8 Körpers (Puber=
tät, Wechſeljahre), Herzaſſfektionen, Sexualleiden uſw. Pſychiſch wir-
ken veranlaſſend : Langweile, Rentnerleben, Um=
gang mit Hypochondern, das Leſen populär medi=
ziniſcher Schriſten, Cpidemien uſw. Vor allem iſt
die Neuraſthenie oſt der Au8gangspunkt u. die
körperliche Unterlage der H. ; aber die Neuraſthenie
iſt dennoch keine H., obſchon der Neuraſtheniker faſt
immer noſophobiſch, d. i. krankheitfürctend, iſt.
Die Symptome derH,. wechſeln nach Alter,
Geſchlecht , Beſchäftigung, Geſellſchaft, Intelli=
genz uſw. Kinder reagieren anders als Erwach=
ſene, Frauen anders als Männer. Die ganze
Individualität iſt alſo nicht nur auf den Verlauf,
ſondern auch auf die Erſcheinung8form von be=
ſtimmendem Einfluß. Der Hypochonder ſucht bei
Ärzten u. Quadſalbern Hilfe, findet ſie aber für
ſeinen „zerrütteten Leib“ nicht. Seine Phantaſie
malt alle3 in den ſchrelichſten Farben. Er ſucht
in den Exkrementen nach Bandwürmern, ſpricht
die Zungenwärzhen al3 Krebs8wucherungen an,
ſpürt nach Tuberkeln im Auswurfe, entdeckt An=
fänge von Blaſenſteinen im Harnniederſchlag,
ſicht in harmloſen Hauterſcheinungen Anfänge
von Syphilis, legt Kopfdru> al3 Zeichen begin-
nender Gehirnerweichung aus uſw. Auſ degenera-
tiver Grundlage nehmen die Vorſtellungen wunder=
liche Formen an : der Kranke hat einen Froſch im
Leibe, keinen Darm od. kein Gehirn mehr uſw. Oft
ſtellen ſich als Folgeerſcheinung Angſt, Krämpfe
u. Neigung zum Selbſtmord ein.
Weſentlich verſchieden äußert ſich die H. des
Kinde3. Es iſt ſcheu, ängſtlich, fürchtet alle3 Un=
befannte u. verbirgt ſich gern. Seine Schwäche
macht es reizbar, weichmütig u. unſelbſtändig.
Auf feindliche Neize reagiert e3 heftig, zeigt ſich
dabei aber nicht erboſt u. zornig, wie e8 das ge=
ſunde Kind iſt, ſondern e38 wehrt ab aus Furcht
vor Schädigung u. aus Angſt vor drohendem
Leid. Wenn die Kinder älter werden, ſchreien
fie nach jeder unbedeutenden Verlehung, aber

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