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nationen. Wo die Urteilskraſt gering iſt, wirken
alle ſonſt hervorgehobenen ſördernden Umſtände
nachteilig, wie Aſfelt, LCinzelhaft uſw. Im übrigen
ſind die Eniſtehungsbedingungen bei Kindern die
gleichen, wie ſie bei den Halluzinationen (ſ. d.)
angegeben ſind.
3. kommen auf allen Sinne8gebieten vor. Auch
die Drganempfindungen können Anlaß zu IJ.
bieten. So fühlen Amputierte die abgenommenen
Gliedmaßen noch, ſelbſt deren Berührung u. Be-
wegung,
Die Erziehung hat ihr Augenmerk auf An-
leitung zur Beſonnenheit u. unbefangenen Kritik
auch im Dunkeln uſw. zu richten. Hieraus erhellt,
wie töricht e3 iſt, erregte Kinder zur Strafe in
den Keller od. in dunkle Räume zu ſperren, noch
dazu auf längere Zeit, Bei ſich häuſenden J. ſind
die grundlegende Nervoſität od. gar die tieſer-
liegenden krankhaſten Erregbarkeitöverhältniſſe des
Gehirns dem Arzte zur Behandlung zu überweiſen.
Val. die Literatur unter dem Art. Halluzi»
nationen, [W. Bergmann.]
Illuſtrationen ſ. Bilder im Unterricht.
Imbezillität [. Idiotie u. ZJ.
Impmaynente Repetition, ZImmanent
(v. lat. immanens = darin bleibend) iſt in der
Philoſophie dasjenige, das im Begriff, in der
Sache, im Subjekt ſelbſt enthalten iſt u. im Gegen-
ſaße zu „tranſzendent“ u. „tranfeunt“ darüber
nicht hinausgeht, So bezeichnet auch die i. N. eine
Wiederholung, die nicht planmäßig u. zuſammen»
hängend gleichſam wie ein eignes Fach od. als
beſondere Unterrichtöſtunde auſtritt, ſondern inner»
halb eine3 beſtimmten Lehrſtoſſe3 bei paſſender Ge-
legenheit in unmittelbarem Anſchluſſe an da3 gerade
Geleſene, Durchgeſprochene od. Darzubietende voxr-
genommen wird,
Ihre Auſgabe iſt nicht bloß wie bei der eigens
veranſtalteten Wiederholung die Wiederbelebung,
Erhaltung u. Vertiefung des bereit3 Gelernten,
ſondern ſie ſoll auch wertvolle Handhaben bieten
für die Apperzeption eine3 neuen Stoſſes. Sie iſt
ſozujagen ein automatiſcher Vorgang, da ſich in
ihr eine Selbſireproduktion des Jnhalt3 vollzieht.
Am ungezwungenſten ergibt ſie ſich beim ſremd»
ſprachlichen Unterrichte, weil dieſer derart ſyſte-
matiſch auſgebaut iſt, daß jede neu erlernte Regel,
Konſtruktion uſw. die fruhere vorausſeht u, „im»
manent“ wiederholt. Man kann den Lehrgang
dieſer Diſziplin darum geradezu als von Haus au3
„repetitiv“ bezeichnen. Dasſelbe gilt vom Rechen-
unterrichte u. von der Mathematik. Kommt die
Selbſtreproduktion bei dieſen Fächern ohne jedes
Zutun zuſtande, ſo muß der Lehrer bei den empi-
riſchen Unterrichtsſtoſjen die Winke, die im Lehr»
inhalte liegen, wahrnehmen. Die Fragen „Wann?
Wo?“ ſind im Unterrichte in der Geographie, Ge-
ſchichte, Naturgeſchichte von Wert, -- Da die i. R.
wie geſagt nicht Selbſtzweck iſt, ſondern die Brücke
von Beianntem zu neuen Vorſtellung3maſſen bil-
den joll, die Schüler alſo zur Mitarbeit zwingt,
Zlluſtrationen -- Impfung,

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jo verbindet ſich mit ihr nie jene8 Gefühl der Lang»
weile, das namentlich der ungeſchikten Wieder»
holung Jo leicht anhaftet,
Literatur. F. Fauth, Das Gedächtnis (1898);
H. Ebbinghaus, Üb. d. Gedächtnis (1885); R.
Menge, Jmmanente Wiederholung (in W. Reins
Enzyklop. Handb. d. Pädag, X [*?1910)).
[C. M, Noloff.]
Impfung (Varcinativn). Manhatſchonvor
über 100 Jahren beobachtet, daß dievon den Eutern
der Kühe auf die Hände der Melkenden übertragene
Kuhpodenlymphe dieſe vor der eigentlichen Pocken-
anſte>ung ſchübte. Die Heilkunde hat dann 1796
dur) den engliſchen Wundarzt Jenner einer be-
deutung8vollen, aber auc vielumſtrittenen neuen
Heilmethode Eingang verſchafft, indem ſie durch
bertragung von Kuhpokenlymphe auf den Men-
ſchen zu erreichen ſuchte, mittel8 eine8 gleichartigen,
aber für den Menſchen ungefährlichen Stoffes die
Anſte>ung mit einem ähnlichen, aber menſchenge-
fährlichen zu verhindern. Die Gewinnung der
Lymphe geſchieht dadurch, daß die am Euter ge-
ſunder Kühe od. Kälber entſtandene Kuhpod>en=
lymphe auf ven Oberarm des Menſchen durc
kleine Einſchnitte übertragen wird. Die Bedeus=
tung dieſer J. wurde durd) die Tatſache anerkannt,
daß ganze Länder, die ſonſt unter den Pocken ſehr
zu leiden hatten, infolge der J. dauernd von ihnen
befreit wurden, Da allenthalben aber auch Impſ-
ſchäden beobachtet wurden, ſo erhob ſich eine große
Bewegung gegen die J. od. doch gegen den Impf=
zwang, die auc heute noh beſteht. Impfſchädi-
gungen wurden ganz beſonder3 beobachtet, ſo-
lang die Pockenlymphe nod) von Menſch zu Menſch
übertragen wurde, wodurch leiht Stkrofuloſe,
Tuberluloſe, Syphili8 uſw. einem geſunden Kinde
eingeimpft werden konnte. Dieſe Methode iſt je-
doch ſchon viele Jahre verlaſſen; heute wird nur
no< friſche Tierlymphe bei der IJ. verwandt, u.
die Kontrolle über die Geſundheit der Tiere, denen
der Impſſtoſſ entnommen wird, iſt außerordentlich
ſtreng. Erſtlich werden nur tierärztlich geſund
beſundene Tiere zu Abimpfzwecken benußt, u. da-
zu wird die Lymphe erſt dann verſandt, wenn nach
Schlachtung des Tieres, dem der Impfſſtoff ent=
nommen war, alle jeine Organe genau unterſucht
u. geſund beſunden worden ſind.
Die Schußpo>en ſind eine Krankheit, die mit
mäßigem Fieber einhergeht u. manche Unbequems»
lichkeit mit ſich führt. Die Umgebung der Impfſ-
ſtelle ſchwillt an, u. dieſe rötet ſich ganz beſonders
dann, wenn ſie nicht ſauber gehalten wird; es kann
in dieſem Falle ſogar eine Art Notlauf entſtehen.
Die benachbarten Drüjen ſchwellen ebenfalls an.
Daher wird jeht das antiſeptiſche u. aſeptiſche
Verſahren bei den J.en angewandt, auch werden
Schußkappen aus Zelluloſe den Impſſtellen auf=
gelegt. E3 iſt gut, die Arme der geimpften Kinder
etwas zu ſchonen , ſonſt iſt aber keine beſondere
Vorſichtömaßregel angezeigt. In Deutſchland iſt
die Zwang3-J. im 1. u. 12. Lebensjahre geſeßlich

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