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Sprache an. Ein Kapitulare vom gleichen Jahre be=
jehäſtigte fie) mit der Bildung de8 Klerus (Kennt-
ni38 der Hl. Schrift, Au8wendiglernen des Pſalters,
Fertigkeit im Berechnen des Kirchenjahre3 u. im
Geſang). 805 wiederholte K. den Beſehl, daß
der Klerus die RNechenkunſt u. die Meter Methode
des römiſchen Geſanges ſich oneigne, 813 ließ K.
zu Mainz, Tours, Arle8, Reims, Chälon8-ſur=
Marne Konzilien abhalten, um die kirchliche
Diſziplin u. die Studien zu ſördern. Beſonder3
da3 zuleßt erwähnte Konzil betonte den vom Kaiſer
erlaſſenen Befehl, daß die Biſchöfe Schulen zur
Bildung eine8 tüchtigen Klerus errichten ſollen.
Das Mainzer Konzil erinnerte daran, daß die
Eltern ihre Kinder entweder in die Klöſter od. zu den
Prieſtern in die Schule zu ſchien hätten. Gleich-
zeitig beſahl das Konzil von Tour8 das Predigen
u. den Religionsunterricht in der Landesſprache.
Ungefähr jener Zeit entſtammen der noch vorhan=
dene, im Kloſter Weißenburg a. d. Lauter verfaßte
Katechiömus u. die Freiſinger Aus8legung des
Vaterunſers, beide deutſch. K. ſelbſt pflegte ſeine
Mutterſprache mit liebevollem Verſtändni8; er
begann eine deutſche Grammatik, gab Monaten u.
Winden deutſche Namen, ließ altgermaniſche Hels
denlieder ſammeln: er iſt der Schöpfer des deut=
ſchen Schrifttum3, K. beſaß in Latein, Theologie
u. den 7 freien Künſten eine nicht gewöhnliche
Bildung. Schon ſeit dem 6. Jahrh. gab e8 am
ſränkiſchen Hofe eine Schule nach römiſchem
Muſter. K. verlieh ihr neuen Glanz durch Be-
ruſung gelehrter Männer. Die Palaſt= od. Hof=
ſchule wanderte mit dem Hofe von Ort zu Ort.
An ihrer Spihe ſtand Alkuin. K. ſelbſt, ſeine
Kinder, ſeine Schweſter Gis8la, ſeine Veitern
nahmen am Unterrichte teil. Neben der Hoſſchule
beſtand no eine Art von Akademie od. gelehrter
Körperſchaft, deren Mitglieder wiſſenſchaftliche
Auſgaben ſtellten u. beantworteten, poetiſche
Cpiſteln austauſchten, Rätſel im Geſ Zeit auſgaben u. löſten. Die Mitglieder legten
ſich teil3 bibliſche teils altklaſſiſche Namen bei.
So hieß K. David, Alkuin Flaccus, Eginhard
BVeleſeel, Dieſe Pſeudonymität war übrigens nur
eine Nachahmung der am Ende des 6. Jahrh.
gegründeten Schule von Toulouſe (Toloſaner-
ſchule), deren Grammatiker u. Rhetoren ſich nach
berühmten Schriftſtellern u. Dichtern des Alter=
tums nannten. K. ſammelte alle Bildungsele-
mente ſeiner Zeit um ſich; er wurde dadurd nicht
nur der oberſte Bildner u. Erzieher ſeine3 Volkes,
ſondern der ganzen germaniſchen Welt. Leider
zerſielen nach K.3 Tode mit der politiſchen Macht
des NReiche3 auch die ſegenöreichen Einrichtungen
de3 großen Kaiſer3 mehr u. mehr, ohne jedoch
ganz zu verſchwinden.
Literatur. O. Abel, Kaiſer K.3 Leben von
Einhard (1850) ; Lorenh, Leben Alkuins (1829) ;
F. Cramer, Geſch. der Erzieh. u. des Unterr. in den
Niederlanden (1843) ; Stallaert, Ds l'instruction
publ. au moyen-fge (1850); A. Boretius, Capit.
Karten -- Kartenzeichnen.

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regum Franc. (Mon, Germ. Leg. [2 Bde, 1883/97]);
O. Denk , Geſch. des gallosfränk. Unterricht8- u.
Bildungsweſ. (1892); IJ. Kelle, Geſch. d. deutſch.
Lit. (1892) ; R. Koegel, Geſch. d. dtſch. Lit. (2 Bde,
1897) ; W. Wattenbach, Deutſchlands Geſchichts»
quellen im Mittelalt. (2 Bde, 71904/06).
[O. Denk.]
Karten [ſ. Landkarten.
Kartenſpiel als Lehrmittel. Wahrſchein-
lic) angeregt durch des Jacobus Faber Stapu-
lenſi8 arithmetiſches Brettſpiel (Ludus Rithmio-
machiae), hat Thomas Murner ein K. erfunden
zumſpielenden Erlernender „Inſtitutionen“; 1502
war e3 bereit3 in Gebrauch, in Buchſorm mit er=
läuterndem Texte erſchien e8 1518 (Chartiludium
institute gummarie). Er erfand no Spiel mit 51 Karten zur Einprägung der Logik,
mit dem er ſolc Verdacht der Zauberei geriet u. ſich verantworten
mußte; dieſes Chartiludium logicae (Logica
memorativa; gedr. 1507 u. 1509) war nod) im
17. Jahrh. bekannt. Faſt gleichzeitig mit Murner
hat M. Ringmann (Phileſius Vogeſigena) ein
K. erſunden , um ſpielend den Donatus (f. d.)
wiederholen u. einprägen zu laſſen : Grammatica
figurata (1509; in Fakſ.=Dr. hr3g. von R. v. Wie=
ſer, 1905). In Rabelai8' „Gargantua“ wird ein
mathematiſc Bodinus8 ein K. erdacht zum Zertieren u. Repe=
tieren der Grammatik u. zur Cinprägung des
lateiniſchen Wortſchaße8 (1621), Andr. Krebs
(1625) eines der Syntax, u. Tileman Olearius
gibt ſogar (1630) ein K. zum Leſenlernen an.
1650 erſchien eine Ars ratiocinandi in Charti-
Indium redaeta a Guischet, u. 1679 erſchienen
in Nürnberg geographiſche Spielkarten. Im
18. Jahrh. verwandten die Philanthropiniſten,
die alle „pädagogiſchen Spiele“ liebten, auch aller=
lei K.e zur Einprägung verſchiedener Unterricht8=
zweige.
Literatur. K. v, Prantl, Geſch. d. Logik 1V
(1870) 294; G. Knod, in Mitteil. d. Geſ. f. dtſch.
Erz.- u. Schulg. V11 (1897) 107 ff; K. Klement, Zur
Geſch. des Bilderbuches u. der Schülerſpiele (Progr.
d. Gymn. Wien, 19. Bez., 1903); Knepper, in N.
Jahrb. f. Philol. XV1 (1905) 236 ff; H. Fechner,
Die Method. d. erſt. Leſeunterr. (1882) 96.
[W. Toiſcher.]
Kartenzeichnen, 1. Geſchichtlicher Rüc-
blick. Das K. in den Volksſchulen u. in den höhern
Sculen hat eine lange u. wohl no nicht ab-=
geſchloſſene Entwieklung durchgemacht. E38 laſſen
ſich folgende Entwilungsſtufen unterſcheiden :
1. Da3 Kopieren der Karte. E3 war ein rein
mechaniſche3 Verſahren, gleichviel ob e8, wie es
ſehr häufig der Fall war, nur in einem Durchs
pauſen beſtand od. in einem ſorgfältigen u. klein=
lichen Nachbilden der kartographiſchen Einzelheiten.
In jedem Falle entſtand ein Kartenbild, das in
ſeiner Geſamtheit dem Zeichnenden ſo fremd wie
vorher geblieben war. Der Erfolg beſtand bloß
in der Freude an einem bunten Kartenbild 389*

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