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Die alte Art des Paradigmas u. die deduklive
Darbietung von Flexionsformen iſt in Form u.
Weſen verſchieden von der induktiven Entwieklung
grammatiſcher Reihen. Konjugationsformen dätrfen
nicht in der Reihenfolge zo trouve, tu trouvos,
31 trouvo zuſammentreten, ſondern müſſen durch
die Gleichartigkeit ihrer Flexionsbeſtandteile zu
Reihen verbunden werden, wie jo trouvso, zo
chanto, je donno, od. nous donnons, nous
Ünis80ns, NOUS r8CLVONS, Dd. AU) nous trou-
YVONS, NO18 TrOouvIions, Nous trouverons,
Wird das Schema erſt am Schluſſe der Übungen
gebildet, ſo wird auch eine ſchlerhafte Betonung
verhütet, wie: jo no 1'ai pas trouvs, tu ns
1'a8 pas trouv6, anſtatt daß trouv6 betont
wird, od. ty 0UVONS-NOUS, Ir OUVGEZ- VO,
'Jaljch geſprochen nach nous trou v ons uſw. Die
Übung der paſſiven Formen muß beſonders ſorg-
'fältig ſein. Die Erlernung de3 mm ſolgenden
mnregelmäßigen Zeitworis wird durch Hervor»
kehren der Lant- u. Tongeſeße erleichtert. Die
Aneignung der andern Redeteile erfolgt auf in»
duktivem Wege, In der Syntax wird die Lehre
von der Wortſtellung an ſrüher Bekanntes an»
geſchloſſen. Die Lehre von Sudjonetif u. Parti-
cipo erfordert in der „Mittelſchule“ genaue Ver-
trauntheit mit der deutſchen Saßlehre. Aus Bei-
ſpielen muß die Regel gewonnen werden in den
verſchiedenen Formen der Nebenſäte; einzelne
ſprachliche Erſcheinungen ſind bei der Lektüre auf-
zuklären. Den Abſchluß kann eine ſyſtematiſche
Wiederholung bilden,
f) Schriftliche Arbeiten. 1, Als leich»
teſte Arbeiten ſind die Abſchriſten zu erwähnen.
Die Übungen ſind verſchieden (auf Grund laut-
licher, grammatiſcher Rüclſichten, mit Zwang zum
Syllabieren, Bilden ſelbſtändiger Säße ſür eine
grammatiſche Regel, Anderungen der Zeit nach,
in Frageſorm, verneinender Form). 2. Das Ge-
dächtni3-» od. Kopſſchreiben einzelner, ſachlich od.
grammatiſch zuſammengehöriger Wörter, kleiner
eingeprägter Säke, Gedicht Dittat iſt auf allen Stufen u. in den verſchie-
denſten Arten zu verwenden. Es fordert Ver»
ſtändnis der lautlichen Darbietung u. die rich»
tige Niederſchriſt der einzelnen Wortbilder. Die
nach u. nach zu ſteigernden Anſorderungen ſind
weniger eine Rechtſchreibe» als eine Hörübung,
eine Prüfung des Verſtändniſſes. Wichtig iſt die
Korrektur: Wechſel- , Selbſtkorrektur aus dem
Buche, mit Beſprechung an der Wandtaſel, in der
Kladde innerhalb der Arbeit nach jedem Saße uſw.
-- Andre Formen: der Lehrer diktiert Fragen,
der Schüler ſchreibt die Antworten. Die Schüler
ſertigen eine Her-Überſehung des diktierten Stoſſe3,
dann Nücküberſezung. 4. Der Lehrer zeigt einen
Gegenſtand, die Schüler beſchreiben ihn. 5. Die
Her-Überſehung. 6. Die Hin-Überſehung, in3be»
jondere auf der Mittelſtuſe zu verwenden (zur Kon»
trolſe). Nichts iſt zu verwenden, was nicht vorher
Gegenſtand ſorgſältigen Übens im mündlichen
JFremdſprachlicher Unterricht uſw. -- Fremdwörter.

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Unterrichte geweſen iſt, Die Vokabeln müſſen be»
kannt ſein. Hier folgt auch das viel angefeindete
Extemporale, das M aus dem Unterrichte ergeben
muß, 7. Freie ſchriftliche Arbeiten können außer
der Wiedergabe kurzer Erzählungen u. Beſchrei»
bungen nicht geleiſtet werden, da die Sprachen
nicht genügend beherrſcht werden. Vorgeſchrieben
iſt aber die Anleitung zur Abfaſſung eines fran»
zöſiſchen od. engliſchen Brieſe.
Literatur, Dorſfeld, Beitr. z. Geſch. des frz.
Unterr. in Deutſchld (1892 ; Dortmund. Progr.) ;
Mangold, bei W. Lexis, Die Reſorm des höh.
Schulweſ. in Preuß, (1902); F. Linz, Zur Tradi-
tion u. Neform d. frz. Unterr. (1896) ; die Schrif-
ten von Münch, Glauning, Walter, Thiergen. ---
H. Wolfigarten u. P. Zirfas, Methodik des Unterr.
i. Franz, |. Mittelſch. (21921) ; O. Wendt, Enzyklop.
des frz, Unterr. (813909) ; derſ,, Enzyllop. d. engl.
Unterr. (21912); 8. Baetgen, Der frz, Unterr.
(1896); I. Keuter, Anleit. 3, Stud. der engl. Spr.
3. der Method. des Unterr, in dieſer Spr. (1909).
Neiche Angaben lit. Hilfsmittel, von Lexika, Li-
teraturgeſch. finden ſich außer bei O. Wendt in den
Method. von Keuter 1. Wolſſgarten»Zirſas.
[H. Wolſſgarten.]
„Fremdſprachlicher Unterricht an
höhern Schulen ſ. Engliſcher, Franzöſiſcher,
Griechiſcher, Hebräiſcher, Lateiniſcher Sprach
unterricht.
Fremdwörter, Die Zeiten ſind vorüber,
wo die deutſche Sprache mit ſremdländiſchen
Broken förmlich gejpidt war u. ein Friedrich
v. Logau über die Armut der deutſchen Sprache
ſpöttelte, der man von allen Ländern zutragen
müſſe, weſſen ſie zu ihrem Ausdruke bedürfe. An
die Stelle der F.liebhaberei iſt ein au8geſprochener
Kampf gegen das Fremdwort getreten ; der Deutſche
hat and) in dieſer Beziehung die Hochachtung vor
ſich ſelbſt wiedergeſunden. Zwar ſchoß anfangs
das Beſtreben, die Mutterſprache rein zu halten,
wohl vielfach über das Ziel hinaus, aber in neueſter
Zeit iſt die Bewegung in durchaus geſunde Bahnen
gelenkt. In dieſem Beſtreben mitzuhelfen, iſt eine
der edelſten Aufgaben der deutſchen Schule. „F.,
für die gute deutſche Ansdrücke vorhanden ſind,
ſollen vermieden werden“, dieſe Vorſchrift, die in
den preußiſchen Lehrplänen der höhern Schulen
von 1901 gegeben iſt, ſoll Nichtſc ſein. Allerdings iſt der Kampf gegen die F. uur
bis zu einem gewiſſen Grade gerechtfertigt. (Cs
gibt ſchlechterding3 F., ſür deren Verdeutſchung
unſrer Sprache ein genau entſprechender (ad=
äquater) Begriſſ ſehlt ; dafür auf jeden Fall einen
deutſchen Ausdru> einſeßen zu wollen, würde die
ganze Bewegung ebenſo in Verruf bringen, wie
wennman die zahlloſen Lehnwörteraus der Sprache
ausnerzen wollte, die ſeit langem Heimatrecht ge-
ſunden haben. Im Kampfe gegen die F. Uu. im
Ringen nach einem guten deutſchen Ansödrucke kann
u. muß der geſamte Unterricht, vor allem auch der
ſremdſprachliche, helſen, wenn auch der deutſche
Unterricht in erſter Linie hierin ſeine Auſgabe zu

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