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zum Schweren, vom Einſachen zum Zuſammen»
geſehten, vom Rehen zum Entfernten u. ähnliche
--- ordnen ſich unj Darſtellung des L. ein.
Literatur. Die einſchlägigen Partien in d.
folg. Werken: O. Willmann, Didaktik (* 1909) ;
F. Paulſen, Pädag. (*1912) ; W. Münch, Geiſt de3
Lehramts (*1913) ; F. W. Dörpfeld, Grundlinien
e. Theor. d. Lehrplans (*1911); L. Kellner, Apho»
riömen (71907). -- Vgl. auch die Lit, unter Fox»
molſtuſen. [I. I. Wolſj.]
Lehrzliel j. Formalſtuſen (Abſchn. 11, 2) u.
Lehrplan,
Lehrzimmer ſ. Klaſſenzimmer.
PLeibesübungen ſ. Turnen.
Leibliche Erziehung [. Körperpflege.
Leichtfaßlichkeit des Unterrichts, 1. Be-
griff u. Bedeutung, Der Unterricht ſoll bilden
u. erziehen. Die L. d. U. bezieht ſich nur auf die
erſtere Tätigleit, welche die Schulung u. Stär-
kung der geiſtigen Kraſt des Schüler3 zum Ziele
hat. Jede Kraſt erſtarkt durch Übung; ſoll der
Unterricht jein Ziel erreichen, ſo muß der Schüler
nicht bloß aufnehmen u. gedächtnismäßig wieder»
geben, ſondern er muß da3 Neue, das der Unter»
richt ihm bietet, erfaſſen u. ſeinem geiſtigen Be»
ſibſtande einfügen. Das ſeht aber Selbſttätigkeit
(j. d.) voraus. Dieſe kräftig anzuregen u. dauernd
zu erhalten iſt eine der erſten Sorgen des Lehrers.
Daher muß der Unterricht leichtfaßlich ſein, d. bh.
er muß die eigne Tätigkeit weder zu ſehr in An-
ſpruch nehmen noch in Spielerei ausarten laſſen.
Da3 Ideal der Philanthropen, den Schüler ſpie-
lend lernen laſſen zu wollen, widerſpricht nicht
bloß dem Weſen u. Wert der Arbeit (ſ. d.), ſon-
dern auch dem Bedürfniſſe des Kindes, das ſehr
wohl zwiſchen Spiel u. Arbeit zu unterſcheiden
weiß; im Unterrichte will es arbeiten. Die pſycho»
logiſche Hauptbedingung für die Erhaltung von
Frende u. Teilnahme des Kinde3 am Unterrichte
iſt, daß er der kindlichen Kraft angemeſſen ſei ; er
weekt dann bei dem Kinde die formalen Luſtge-
fühle der Kraft, des Erfolge8, de3 geiſtigen Wach3-
tumes, während da3 Bewußtſein, daß man Un-
mögliches von ihm verlangt, es abſtumpft u. mit
Widerwillen erfüllt, Luſt u. Liebe, die für den
Erſolg ſo wichig ſind, wird der Schüler dem
Unterrichte nur entgegenbringen, wenn der Unter-
richtöſtoſſ ihm jo geboten wird, daß er ihn mit einer
mäßigen Auſwendung von Anſtrengung erſaſſen u.
verarbeiten kann, d. h. daß er leichtfaßlic<ſei.
Die L. d. U. berührt ſich nahe mit andern Unter»
richt3grundſäßen, ſo mit der Klarheit (ſ. d.) des
Unterrichts, mit der Lüenloſigkeit im Fortſchritte,
mit der Anſchaulichkeit, mit dem Gang vom Nahen
zum Entſernten, vom Heimatlichen zum Fremden.
Ihre Vorausſehungen liegen einerſeit3 im Unter-
richt3ſtoſſe, anderſeits in der Eigenart der kindlichen
Geiſtesentwielung, ſie ſind alſo logiſ pſy zen zwiſchen den beiden Gebieten oft fließend ſind.
Lehrzie!l -- Leichtfaßlichkeit,

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II, Sogiſhe vd. ſtoffliche Vorausſehungen
für die 9,d. 1. Alles, was leichtfaßlich ſein ſoll ---
a3 behält auch ſeine Bedeutung für Darſtellungen
außerhalb des Unterrichts, für den Schrifiſteller,
für den Redner uſw. --, muß wohlgeordnet
ſein. Eine gute Ordnung des Stoſſes ermöglicht
das leichte Nberſchanen, ſie läßt das Verhältnis
der Teile zum Ganzen u. untereinander erkennen,
ſie zeigt die Über» u. Unterordnung. Eine gute
Ordnung hält in der Zahl der Teile Maß. Zu
viele Abteilungen u. Unterabteilungen erſchweren
da8 Behalten u. die Überſicht. Die Teilung muß
den CEinteilungsgrund feſthalten u. ihn klar
u. leicht erkennen laſſen. Da wo der logiſche
Zuſammenhang klar heranstritt, wird das Fort-
ſchreiten auch dem Geiſte leicht, u. das Aneignen,
das Auswendiglernen wird nach der Kantſchen
Bezeihnung zum „judiziöſen“. Der Grund-
gedanke der guten Ordnung de3 Unterrichtsöſtofſes
wurde von der Hähn-Heckerſchen Literal- od.
Tabellarmethode auf die Spiße getrieben. Sie
machte den großen Fehler, den Stoſſ durc< die
Zahl der Haupt- un. Gliederung3punkte, durch die
damit verbundene Unbehaltbarkeit unüberſichtlic
zu machen u. den Geiſt des Schüler8 mehr zu
bedrücden als zu entlaſten. Die einmal gewählte
Stoſſordnung muß beibehalten werden. Äußere
Hilfsmittel ſtüßen ſie: eine Zeichnung, eine For-
niel (in der Mathematik od. Phyſik), kurze Stich:
worte in Disöpoſitionöform, Die Schüler tragen
dieſe Anhaltöpunkte für die Darſtellung u. das
Behalten in beſondere Heſte ein (Syſtemheſte der
Zillerſchen Schule) ; die Wiederholung ſtübt ſich
auf ſie, wenigſtens die zum Zwecke de3 jichern
Behaltens, während die gruppierende Wieder-
holung ſpäter zu ihrem Nechte kommt.
Während der Unterricht bei ſelbſtändiger Dar-
ſtellung des Stoffes u. bei ſeinem ſynthetiſchen
Auſbau an der Hand der überſichtlichen Anord-
nung vorgeht, hat er bei der Behandlung von
Stoſſen, die ſich als Ganzes darbieten, Gedichten,
literariſchen Stücken, Darſtellungen aus dem Ge-
biete der Sachwiſſenſchaften die leitenden Ge-
danken u. die Gliederung anſzuzeigen. Auch hier
heißt e3, nicht zu viele Punkte u. Abteilungen,
ſichtbarer Fortſchritt von einem zum andern, mög-
lichſt klare, räumliche Darſtellung. Benußt der
Lehrer einen Leitfaden, ſo muß ſein Unterricht,
um leichtfaßlich zu werden, ſich eng an deſſen Auſ-
bau 11. Abfolge des Stoſſe3 halten. Im Ergeb-
niſſe ſoll der Leitſaden dem Schüler einen ähn-
lichen Dienſt tun, wie die Di8poſitionsauſzeichnung
bei freier Darſtellung durch den Lehrer. Mit der
guten Ordnung des Stoffes al3 Grundlage der L.
d. Ul. iſt der lüenloſe Fortſchritt nahe verwandt.
Dberall, wo das Vorauſgegangene Bedingung ſür
das Verſtändnis de38 Folgenden iſt, darf das Neue
erſt dann dargeboten werden, wenn ſeine fachlichen
Grundlagen u. Vorbedingungen behandelt ſind.
Das iſt beſonders im Rechnen --- von der Unter-
ſtufe bi8 zur lehten Nechenſtunde ---, in der Naum-

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