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eine weripolle Gabe der Natur u. ſollen eine na»
türliche Stärkung u. Kräſtigung des Willens als
deſſen Dienerinnen u, Werkzeuge ſein. Die gött-
liche Ordnung wurde allerdings durch die Erb-
ſünde geſtört, nicht vernichtet. Daher iſt es Auf-
gabe des Menſchen, dieje Ordnung wiederherzu»
ſtellen durch Erziehung der L.en.
111. Erziehung der L.en, Nur die Ethik kann eigentlich einer Erziehung der L.en das
Wort reden, nicht bloß de8halb, weil ſie dieſe als
weder an ſich gut noch ſchlecht, ſondern als indiſ»-
jerente ſinnliche Fähigkeiten bezeichnet, die unter
er Herſchel des Willen8 ſtehen ſollen, ſondern
auch de3halb, weil die jür auch die vollkommenen Zdeale u. die aus»
reichenden Mittel darbietet. Wer mit den Stoikern
u. Reformatoren die L.en als ſittlich böſe bezeich»
net, muß ſireben, ſie auszutilgen. Wer mit den
Naturaliſten ſie al3 gut anſieht, hat keinen Grund,
ſie zu erziehen, Wer keine Oſſenbarung u. Be-
fätigung übernatürlicher Kräſte im Menſc anerkennt, der wird nur zu oſt das Verſagen ſeiner
natürlichen Kräſte in der Beherrſchung der L.en
erjahren, Bloß das Chriſtentum bietet uns in
Chriſtus u. den von ihm Begnadigten das ver»
wirklichte Jdealbild der Beherrſchung der L.en u.
in der Kraſt des Kreuze3 Chriſti auch das Mittel
zur ſortgeſehten Verwirklichung dieſes Jdealbildes
in jedem einzelnen. Unter Vorausſehung des ver»
trauensvollen Gebrauches der übernatürlichen
Gunadenhilſe hat die eine doppelte Auſgabe zu vollbringen, die man
furz al8 Ablenkung u. Einſchränkung bezeichnen
kann, da die zu bekämpfſende Unordnung der L.en
ſich entweder als Hinwendung zum eigentlich Böſen
od. als Übermaß in der Hinwendung zu erlaubten
Dingen ſich zeigt. Al8 Yblenkung der L.en iſt vor
allem eine geordnete, angemeſſene Beſchäftigung
zu nennen, ſei es nun durc) Arbeit (j. d.) od. dur
Spiel (ſ. d.) u. ſportliche Übungen. Sündhaſte
Phantaſien, bejonders ſexueller Natur, werdenleicht
durch ſolche Übungen u. Spiele, die mit der Arbeit
wechſeln, abgelenkt, wenn ſie in der rechten Weiſe
dargeboten werden. Und weil eben oſt genug die
ernſte Arbeit verſagt bei gar nicht od. nur wenig
diſziplinierten Zöglingen, die an gewiſſen ſchlim-
men L.en kranken, ſo bleiben in ſolc ſunde3 Spiel u. geſunde Übung als alleiniges
Ablenkungsmittel übrig. Hand in Hand mit der
Ablenkung muß ober die Einſchränkung durch Ab-
tötung (ſ. Askejc) v. Selbſiverleugnung gehen.
Dieſe Einſchränkung muß durchgeſührt werden
1. als Beherrſchung der Sinne u. Überwachung
der Sinnenreize ; 2. als Maßhalten in der leiden-
ſchaſtlichen Erregung, damit ſie nicht als Über»
ſpanntheit, Launenhaftigkeitu.Geſühlsüberſchwang
bei jeder Kleinigkeit zum Ausbruch kommt ; damit
die L. nicht zu lange anhält, nicht zu heſtig wird
u. nicht die Überlegung verhindert. Die Erziehung
der L.en kann vorzüglich durch den rechten Ge-
brauch der kirchlichen Gnadenmittel (ſ. Sakra-
Leierny.

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mente) u, der kirchlichen Übungen (Gewiſſenser=
forſchung, Betrachtung, Exerzitien, Gottesdienſt,
gute Meinung uſw.) gefördert u, erleichtert werden,
zumal dieſe Erziehungslehre große Anforderungen
an den Opſerſinun u. die Kampfbereitſchaft des
einzelnen ſtellt, Die Erziehung der L.en hat aber
auch die große Lebensverheißung: „Wer üÜber-
windet, dem will ich zu eſſen geben vom Baume
de8 Leben3“ (Oſſb 2, 7).
Ziteratur. V, Cathrein, Moralphiloſ. (2 Bde,
81911); F. Muß, Chriſtl. Aszetik (*1909) ; Mox-
gott, Die Theorie d. Gefühle (1864) ; 3. Nappen-=
höner, Die Körperleiden n. Gemütsbeweg. Chriſti
(1878) ; I. Jungmann, Das Gemüt u. das Ge»
fühlövermögen der neuern Pſychol. (21885); C.
Gutberlet, Der Kampf um die Seele (2 Bde, *1903);
P. Vogt, Pſychol. (1909) ; M. Meier, Die Lehre
d. Thom. v. Aquin do passionibus anjmav (1912),
[F. Keller.]
Leiery (urſprünglich = auf der Leier ſpielen,
dann eintönig ſpielen od. ſingen, auch langſam
handeln od. eine Sache in die Länge ziehen) be-
zeichnet im Schulleben: ohne Betonung leſen, ſpre=
Methodenbuch [2, 4] der „abgeſchmaäte Schulton“
genannt), auc ein u. dieſelbe Sache medhaniſd)
immer in derſelben Weiſe u. Neihenſolge wieder=-
holen, wieder vorbringen („es iſt die alte Leier").
I. Als Sthülerfehler tritt das L. beim Leſen,
beim gemeinſchaſtlichen Gebete u. beim Vortrage
namentlich wörtlich memorierter Lernſtoffe (Kate-
hervor. Urſachen dieſe8 Schülerfſehler3 können
ſein : die Tonlage od. das Maß der Stimmſtärke
wird zu hoch genommen, ſo daß ſür die betonende
Hervorhebung die Stimmittel verſagen ; ſtatt nur
die Endkonſonanten deuilich anszuſprechen, wird
der ganzen Endſilbe die gleiche Tonhöhe u. Ton=
ſtärke gegeben wie der Hauptſilbe ; die Ökonomie
es Atmen3 iſt nicht bekannt; das Verſtändnis
des Geleſenen od. Vorgetragenen mangelt, ſo daß
Zuſammengehörendes getrennt, Fremdes vereinigt
wird (namentlich bei Gedichten, in denen die Ver8-
zeile ſich mit dem Gedankenganzen nicht det) ;
auc das Beſtreben, möglichſt ſchnell zu rezitieren,
läßt den logiſchen Zuſammenhang überſehen. ---
Als Mittel zur Verhütung od. Be-
kämpfung de3 Fehlers ſind zu nennen: Gutes
Vorleſen od. Vorſprechen durch den Lehrer, Chor-
ſprechen der Schüler unter Leitung des Lehrers,
angemeſſene Tonhöhe u. Tonſtärke , Anleitung
zum rechtzeitigen Atmen, Beachtung der Inter=
punktion, Einführung in da3 Verſtändnis des
Leſe» od. Memorierſtoffe3, Fragen nach dem zu
betonenden Begriſſ8worte, unabläſſiges Dringen
auf langſames, wohlbetonte8 Sprechen, vielſeitige
Verwendung der memorierten Stoffe, Beſchrän-
kung des wörtlichen Memorierens auf das not=
wendige Maß.
IT. Als Lehrerſehler erſcheint das L. im Leſen
u. Sprechen wohl bei Lehranſängern u. erklärt
ſich aus Befangenheit od. wohlgemeintem allzu

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