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ſtellen u, begleitet mit ihrer Sorge den Aus
wanderer in8 fremde Land hinein u. weiß den Ge»
danken der N. auch auf den lehten Neger, Hindu
od. Indianer aus8zudehnen (Klug).
Einige der Vereine müſſen als konkrete Bei-
ſpiele beſonders beſprochen werden, ſo der „Cari
ta8verband für das katholiſche Deutſchland“.
Er trat 1897 ins Leben, um alle katholiſchen
Werke der Barmherzigkeit u. N. planmäßig zum
Zuſammenarbeiten zu bringen, indem er mehr
Organiſation, Publikation u. Studium der Cari-
tas erſtrebt. Es gibt Diözeſan= u. Lokalvereini-
gungen des allgemeinen Verbandes. Sein Mittel-
punkt iſt Freiburg i. Br. Man veranſtaltet Cari»
tastage u. -kurſe. Auch gibt der Verein Sriſten
entſprechenden Jnhalte38 heraus, 3. B, ein Jahr=
buch, die Monatſchrift „Caritas“, „Die liche Frau“ u. die „Zeitſchr. für kath. caritative
Erziehungstätigkeit“.
Der „Vinzenzverein“ ging hervor aus
dem wiſſenſchafllichen Kränzchen von 8 Studenten
in Paris, die 1833 unter Leitung Ozanam3 u.
Bailly3 beſchloſſen, auch Arme zu beſuchen u. zu
unterſtüißen. Schon 1911 gab es etwa 7500 Kon-
ſerenzen von Männern mit einer jährlichen Ein-
nahme von ungefähr 15 Millionen Franken, da=
von über 2 Millionen in Deutſchland. Der Verein
legt großen Wert darauf, daß die Armen von den
Vinzenzbrüdern perſönlich beſucht u, liebevoll be-
handelt werden. An höhern Schulen weiſe man
auch auf die akademiſchen Vinzenzkonfe-
renzen hin, um die ſich gegenwärtig das „S e=
kretariat fozialer Studentenarbeit"
von Dr Sonnenſchein in M.=Gladbach ſehrbemüht.
Für Frauen ſind die „Eliſabethvereine“
dasſelbe, was der Vinzenzverein den Männern
jein will. Der erſte entſtand 18432 in München.
Heute zählt man in Deutſchland über 500 Kon-
ferenzen, die jährlich etwa 12 000 Familien unter=-
jtüßen. == Je nach den Verhältniſſen einer Schule
wird man natürlich Fürſorgeverein, Frauenbund,
Volköverein, Geſellenverein, Arbeiterverein u. dgl.
behandeln.
4. Nichtkatholiſ C3 wäre ein Unrecht, nicht auch auf die gewaltige
Arbeit evangeliſcher Wohltätigkeit in Deutſchland
hinzuweiſen. Ein Work über die „Innere Miſ-
ſion“. Darunter verſteht man „die geſamte Ar=
beit der au38 dem Glauben an Chriſtus gebornen
Liebe“. Sie erſtrebt planmäßig in freier Unter=
ordnung unter die von Gott geſetzten u. geheiligten
kirchlichen, ſtaatlichen u, geſellſchaftlichen Schran=
ken in u. mit, aber auch außerhalb der Kirhen=
gemeinſchaft, vorbeugend, rettend, gewinnend, be=
lehrend zu wirken. Die Innere Miſſion verdankt
ihre Entſtehung dem Prediger IJ. Heinrich Wichern
(|. d.). Das von ihm geſtiſtete „Rauhe Haus“
(f. d.) bei Hamburg iſt heute eine große Anſtalt
mit Nettungsheim für Kinder, mit Lehrling8haus,
Druderei, Verlag, Schule, ſogar Realſchule, u.
mit einem Mutterhaus für Brüder. Andre Män=
Nächſtenliebe.

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ner, die fich um die Innere Miſſion verdient ge-
macht haben, ſind: Fliedner, Löhe, Stöcker, Bo-
delſ bei Vielefeld genießen einen Weltruf. Das reich-
haltige Arbeit8programm der Innern Miſſion
umfaßt alle leiblichen u. geiſtigen Werke der N. :
Apologetiſche Kurſe, Bibelkränzhen, Vereinigungen
für Ärzte, für Polizeibeamte, für Arbeiter u. Arbeite-
rinnen, Armen= u. Krankendienſt, Rettungs= u.
Waiſenhäuſer, Heimat, Fürſorge für die Jugend, für Geſangene,
Soldaten, Seeleute, Kellner, für Dienſtboten ; es
umfaßt Arbeiterkolonien u. Wanderarbeitsſtätten,
Stadt= u. Nachtmiſſion, Kampf gegen Unjſittlich=
keit, Trunkſucht, Förderung der evang. Preſſe u.
Literatur,
5. Freie (interkonſeſſionelle) Wohl-
ſahrtsöeinrichtungen. Dahin gehört 3. B.
das „Rote Kreuz“. Die Genfer Konvention
(1864), angeregt von dem Menſchenfreund Du=
nant (y 1910), ſtellte die geſamte Kriegskranken=
pflege unter internationalen Schuß. A1l8 Ab=
zeichen ſollte ein rote8 Kreuz auf weißer Armbinde
dienen. Dieſes Kreuz erinnert an die Nitter de3
Mittelalter8. In Deutſchland gibt e8 ein Zen-=
tralfomitee vom Roten Kreuz mit 24 Landes= u.
über 2000 Zweigvereinen. In Preußen iſt der von
der Kaiſerin Auguſta (1866) geſtiſtete „Vater
ländiſche Frauenverein“ dem Roten Kreuz
angeſchloſſen.
Die Heil8armee iſt von „General“ Booth
(+ 1912) in London gegründet, 1878 militäriſch
organiſiert worden. Faſt überall läßt ſie jeht ihren
„Kriegsruf“ in Erwekung3verſammlungen vor
allem gegen Alfohol, Tabak u. modiſche Kleidung
erſchallen, Sie zählt über 8574 Lorp38 in allen
Erdteilen mit 70000 Offizieren u. gibt nicht
weniger als 71 Zeitſchriſten in einer Auſlage von
11/, Millionen heraus. Sehr anzuerkennen iſt
ihre ſelbſtloje Arbeit unter den verkommenſten
Schichten der Geſellſchaſt; aber ebenſo bedauerlich
iſt es, daß ſie religiö3 verflachend wirkt, z. B. nicht
einmal mehr an der Denken wir endlich nod an fo viele interkonfeſ=
ſionelle, ja zum Teil internationale gemein=
nüßige Veranſtaltungen u. Einric»=
tungen, 3. B. an den Fürſorgetag, an die Zentral-
ſtelle für Volk3wohlfahrt, an den deutſchen Verein
für Armenpflege u. Wohltätigkeit, an die Baugeſell-
ſchaften, an Volk8bibliotheken, Volk8unterhaltungs-
abende, Volk3küchen, Volk3bäder, Ferienkolonien,
Aſyle, Heilſtätten, Jugendfürſorge, Mädchenſchuß
uſv. Auch dabei bildet die den erſten u. tieſſten Grund, mögen ſich die Ver-
anſtalter auch nicht immer deſſen bewußt ſein.
Literatur. Die Kataloge der Büdereien des
Caritas8verbandes (Freiburg i. Br.) u. de8 Volks8-
vereins (M.-Gladbach); die Quellenangaben der
betr. Art. im Staatslexikon u. der Nealenzyk.
für prot. Theol. u. Kirche von Herzog - Hau:

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