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Baden, Heſſen. In Württemberg iſt den Lehrern
durch das Schulgeſeß von 1899 die fernere Über-
nahme des Mesnerdienſtes verboten. In Bayern
ſoll die Trennung des Mesnerdienſtes vom Sc dienſte nac) Art. 7 des Schulbeſoldungsgeſehes
in der Regel nac< Einvernehmen mit den Be-
teiligten u. der kirchlichen Oberbehörde verfügt
werden, wenn die erforderlichen Mittel bereit-
geſtellt ſinb. Die Abtrennung vollzieht ſich lang-
ſam, ebenſo wie in Preußen, wo nach miniſteriellen
Weiſungen bei Wiederbeſehungen von Stellen u.
bei der Neuordnung von Lehrerbeſoldungen auf
die Abtrennung der niedern Küſterdienſte Bedacht
zu nehmen iſt. =- Bei der Wahrnehmung mancher
Amter durch Lehrer liegt ein öffentliches In-
tereſſe vor, ſo bei dem Amte eines Poſtagenten
od. Boſthilfsſtellenverwalter8, eines Stande3-
beamten in Preußen, eines Gemeindeſchreibers8,
beſonder3 in den öſtlichen Provinzen Preußens u,
in Bayern, wo Lehrer auch in der Armenpflege-
ſchreiberei tätig ſind, die Ratſchreiberſtelle in
Baden, die Feldmeſſerei in Württemberg. Hierbei |
kann es ſich auch um Ehrenämter handeln, wie
daß Amt eines Waiſenrat8, Vormunds, Gegen
vormund8, Pfleger8, Schied8mann8, Frieden8-
richters (in Sachſen-Weimar), wobei die Mit=
wirkung der Lehrer ſchon vom erziehlichen Stand=
punkte od. wegen ihrer Vertrautheit mit den ört=
lichen Verhältniſſen nur erwünſcht ſein kann, --
Zu ſördern iſt e3, wenn ſich Lehrer auch ſonſt in
den Dienſt der Volk8wohlfahrt ſtellen, ſei e8
al8 Bücherwart in Volk8bücereien, als Schriſt=
führer in Vaterländiſchen Frauenvereinen, als
Vorſtandsmitglieder in Raiſſeiſengenoſſenſchaften,
in landwirtſchaftlichen Vereinen aller Art, in
Krieger» u. Flottenvereinen, in beiter», Geſellen-, Lehrling8= u. Jünglingsvereinen.
Bei der Leitung von Geſangvereinen iſt vielfac
Vorſicht geboten, wie auch in den genannten
übrigen N.n ſelbſt für manchen tüchtigen Lehrer
Klippen liegen. =- Nicht8 einzuwenden iſt auch
gegen die unterrichtliche Nebenbeſchäſtigung der
Lehrer an andern Schulen od. in Geſtalt von
Privatunterricht, Durch Feſtſeßung einer Höchſt-
zahl nebenunterrichtlicher Tätigkeit ſuchen die
Sc Nebentätigkeit zu einer handwerksmäßigen, ledigs-
lich auf Erwerb gerichteten Beſchäftigung ausarte.
Auch Schriftſtellerei (ſ. d.) wird den Lehrern nicht
verwehrt, =- Den StandeS3vereinigungen der
deutſchen Lehrerſchaft iſt e8 noch nicht gelungen,
den Ausſhluß der Volksſchullehrer von der Be
rufung zum Amte eine8 Schöffen od. Ge-
ſc Der Geſeßentwurf eines Strafverfahrens gegen
Jugendliche ſicht jedoch die Beruſung von Volk3=
ſc vor. -- Eine Sonderſtellung nehmen die Volks=
ſchullehrer auch ſonſt pl mancher N. ein,
So ſteht ihnen in Preußen, abgeſehen von der
Provinz Hannover, in Heſſen = Darmſtadt u.
Nebenbeſchäftigungen des Lehrers -- Necen (Nederei).

874.
Oldenburg das paſſive Gemeindewahlrecht nicht
zu. =- Die Bedenken, die der preußiſche Unter-
richt3miniſter 1886 in einem Erlaß gegen die Be-
ſtellung von Lehrern zu Kaſſenrendanten äußerte,
beſtehen wegen der Gefahr, die für manden in der
Verwaltung einer Kaſſe liegt, noch unvermindert
fort. =“- Unwürdig u. unvereinbar ſind ſchließ-
lid) alle Beſchäftigungen, die unter den Gewerbe=
betrieb fallen, Agenturgeſchäfte, ſpefulationsmäßi-
ges An- u. Verkaufen von Grundſtücken, das
Amt eines Verſteigerer8, eine8 Fleiſchbeſchauers,
die Ausübung ärztlicher Tätigkeit, der Vertrieb
von Heilmitteln od. gar Geheimmitteln. Leider
geſchieht hier manche3 unter der Hand u, ohne
Wiſſen der Aufſicht3behörden, öfter auch, weil die
Lehrer nicht ſtark genug ſind, Angebote, die ihnen
mit dem Erſuchen um vertrauliche Behandlung
gemacht werden, ſofort zurückzuweiſen. = Als
unwürdig wird von den jüdiſchen Lehrern mit
Recht auch der Schächterdienſt empfunden, der
ihnen mehrfach nod) zugemutet wird.
Je mehr die wirtſchaftliche Sicherſtellung der
Volksſchullehrer Fortſchritte macht, je höher ihre
ſoziale Stellung bewertet wird, deſto mehr werden
ſie ſi< freimachen müſſen von manchen N.n, die
jeht noch um materieller Vorteile wegen u. aus
mangelndem Standes8bewußtſein übernommen
werden, wenn die Lehrer auch gewiſſe N. ſtets mit
demſelben Rechte verſehen werden, wie dies bei
andern Berufsſtänden von den Unkerbeamten bis
in die Miniſterialinſtanz hinauf der Fall iſt.
Literatur, K. Fiſcher, Geſch. d. deutſc ſc N. u. Nebenbeſchäftigungen der Volksſchullehrer u.
Volköſchullehrerinnen in Preußen (1903) ; E. Krü-
ger, Die ſozialen Aufgaben der Volksſchullehrer
(1902) ; J. Beyhl, Wir fordern unfer Ne Wort 3. wirtſchaftl. Beſreiung der Volksſchullehrer
(1912); G. Nies, Orgeldienſt u. Volkſſchullehrer
(1912); A. Nheinländer, Die ſoziale Stellung des
Volksſ [F. Körnig.] .
Nevenbeſchäftigungen des Lehrers |.
Nebenämter der Lehrer.
Nebeneinkünfte de8 Lehrers ſ. Emolu-
mente,
Nebenfächer ſ. Organiſation de3 Bildungs»
inhalts.
Ne>en (Neterei). 1. Charakteriſtik des
Neckers8, E3 gibt Quedſilbernaturen, die durch
Hänſeln, kleine Quälereien u. allerhand mutwil=
ligen Sc ihre Bekannten u. Verufs8ge=
noſſen aufreizen, in Bewegung bringen u. zu Ab-
wehrmaßnahmen veranlaſſen, nur um ſich einen
Spaß zu machen, Macht der Gefoppte ſich zur
Abwehr bereit, dann haben fie ihren Zwe er=
reicht, erwarten liſtig blinzelnd den Gegenangriſſ
u. führen durc) das Hinüber u. Herüber einen
vergnüglichen Wettkampf, ſind auch zufrieden,
wenn ſie ſchließlich ſelbſt Haare laſſen müſſen. So
geht es auch in der Schule, Bald kißelt der kleine
Unraſt ſeinen ruhig daſikenden Kameraden mit

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