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Oeſchidlichkeit erfordern, vom 30. bis 40. Leben8-
jahre für Kraft» u, Dauerübungen. Vom 40. Jahre
an nimmt die Leiſtungsſähigkeit des Körpers all»
mählich ab. Anſtrengende Kraſt- u. Scnellig»
keitöübungen ſind für ältere Leute wegen der ſo
häufigen Verkalkung der Blutgeſäße gefährlich.
Literatur, A. Baur, Hyg. d. Leibesſbung.
(1901); der]., Moderne Schutlhygiene (1909) ; N.
Zander, Die Leibeönbungen (*1904) ; H. Selter,
Handb. d. dtſch. Schulhyg, (1913). [11 A, Baur.]
Korpsgeiſt, 1. Name u. Weſen. Der
Ausdruk K. klingt, als ob er aus dem ſtnden-
tiſchen Leben ſtamme; doch iſt er dem Franzöſiſchen
entlehnt u. den ältern Lexika der franzöſiſchen
Sprache zuſolge weit älter al8 die Korps, ver»
mutlich militäriſchen Urſprungs. So faßt ihn
auch die franzöſiſche Zeitung „Figaro“ auf, wenn
ſie unter dem 25. Nov. 1896 ſchreibt: „Ohne
dieſe Armee, ohne diejen K. würde die deutſche
Einheit niemal3 errungen ſein.“ K. verbindet die
jämtlichen Mitglieder einer Geſellſchaft, einer
Vereinigung, eines Standes, einer Beruſsklaſſe
u. ſo auch die Klaſjenkameraden ein u. desjelben
Jahrgangs zu einem Körper, in dem ein Wille
herricht u. tex Grundſaß gilt: Alle für einen u.
einer für alle. Er iſt Tyrann im Vergleich zum
Gemeinſinn (ſ. d.) u. zur Kameradſchaſtlichkeit u.
kann al3 ſolcher viel Böſe3 üben, auch Gutes
wirken. Da3 hängt von dem Charakter der Klaſſe
ab -- nur mit diejex haben wir un3 hier zu be-
ſchäjtigen, denn ſelten umfaßt der K. eine ganze
Schule, ſie müßte gerade Internat ſein. Daher
iſt in den meiſten Fällen Klaſſengeiſt identiſch
mit K. „C3 herrſcht kein guter Geiſt in der
Klaſſe“, urteilen die Lehrer. „Unter uns iſt K.“,
brüſten ſich die Schüler, wenn ſie zuſammenhalten
u. für- u. miteinander „durch die u. dünn gehen“.
Gewöhnlich betätigen ſie ihn, wo es gilt, einen
od. mehrere Kameraden vor Straſe zu jehühen,
Leider zeigt er ſich zuweilen am ſtärkſten beim Ver»
hehlen von Vergehungen, beim ſog. „Pfuſchen“,
bei Täuſchungsverſuchen u. dgl. Die Klaſſe erklärt
ſich ſolidariſch mit dem, der einen Streich verübt
Hat, 1. verrät ihn um feinen Preis, ſelbſt wenn
ſie dann Straſe erhält. In ſrühern Jahren, da
die geheimen Schülerverbindungen (ſ. d.) blühten
v1., je mehr ſie „Verſolgung“ erlitten, deſto üppiger
ins Kraut ſchoſſen, war einer der ſchlimmſten
Paragraphen in den Verbindungsſtatuten die un»
bedingte Pflicht der Lüge bei der Frage nach der
Zugehörigleit,
I1. Behandlung. Mit Zwang läßt ſich eine
ſolche Giſtpſlanze nicht ausrotten, ſowenig wie
der heroiſche K. von Anarchiſten. Bei Über-
tretungen der Schulordnung, bei Beſchädigungen
von Schulgeräten, bei Schulſtreichen muß der
Lehrer 1. feine übereilte Frage nach dem Täter
fiellen ; 2. weder da3 Vergehen ſchwärzer machen,
als e3 iſt, noc< barbariſche Strafe in Ausſicht
ſiellen ſür den „Verbrecher“ u. die Mitwiſſer ;
8. nicht einzelne Schüler zum Verrate bereden ;
Korp3geiſt -- Korrektur der ſchriftlichen Arbeiten,

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vielmehr beruſe er den Mut des Schuldigen, ſein
Ehrgefühl gegenüber ſeinen Kameraden, die ihn
nieht verraten jollen u. wollen, die er aber auch
nicht in den Verdacht der Mitſchuld bringen dürſe,
ut, wirke auf den K. der Klaſſe in verſtändiger
Weiſe ein, daß dieſe den Kameraden beeinflußt
zur mutigen Selbſtauklage. Darum gebe er der
Klaſſe Friſt zum Siege des guten Geiſte8 über
den irregeleiteten u. erkenne dann das Verhalten
der Kameraden ſowie die Selbſtüberwindung des
Geſtändigen an. Beſſer iſt es, von Anfang an der
Klaſſe zu ſagen, daß K. an ſich eiwa3 Schönes u.
Gutes ſei, wenn er wahrhaft die innere Ehre
pflege u. für die Erhaltung des guten Nuſe3 u.
Anjehens nach anßen ſorge. Eine8 ſchwachen
Kameraden ſollen ſich beſſere Schüler annehmen
in der ihm allein förderlichen Art, nicht da=
durch, daß ſie ihm die Arbeiten liefern od. die
eignen zum Abſchreiben geben, ſondern indem ſie
ihm wirklich das Unklare klarmachen, ihm Ans=
leitung zuteil werden laſſen, ihn überhören. Den
trägen müſſen ſie zur Tätigkeit bereden, den zu
Leichtſinn geneigten von Abwegen zurückhalten.
Erfüllt der Lehrer ſeine Erzieherpflicht, dann ver-
mag er im allgemeinen den K. zum guten Geiſt
zu geſtalten, der nicht bloß während der Schulzeit
ſich als ſegenöreich bewährt, ſondern noc nachwirkt u, mit beiträgt zur Erhaltung der Pietät
gegen die Anſtalt, der man ſeine Bildung ver=
dankt. E3 iſt ein ſchöne3 Zeichen, wenn die ehe-
maligen Nloſſenkameraden im ſpätern Leben von
Zeit zu Zeit ſich ſammeln, um liebe Jugenderinne-
rungen wieder auſzuſriſchen. Nur Jahrgänge, in
denen kein Zuſammenhalt war, bleiben nach dem
Abſchluſſe der Sculzeit geſpalten wie vordem.
Feſter Kitt iſt nur der echte K. Dieſer aber reiſt
erſt in den Mittelſtufſen der höhern Lehranſtalten
u. in der Oberſtufe von Mittelſchulen u. 8klaſſigen
Volksſchulen. Anregung dazu kann der Erzieher
jhon auf den Unterſtuſen geben. Zu warnen iſt
vor Überſchäßung der Erziehung zum Gemeinſinn
Vn. zum K. u. vor Vernachläſſigung der Selbſtän-
digkeit im Arbeiten un. in der Verantwortlichkeit.
Literatur. F. Zimmer, Erzieh, 3. Gemeinſinn
durch d. Schule (1911), [S. P. Widmann.]
Korrektionsanſtalten |. Fürſorgeerzie-
hung, Abſchn. A.
Korrektur der ſchriftlichen Ar-
beiten, Schriftliche Arbeiten werden auf un-
ſern Schulen hauptſächlich angeſertigt in der
Mutterſprache, in den Fremdſprachen u. in der
Mathematik.
1. Deutſche Arbeiten. 1. Die Nec ſ (ſ. d.) u. das Diktat (f. d.) gehören, müſſen, be
vor ſie ins Heſt zur Durchſicht de3 Lehrer8 ge-
ſchrieben werden, mündlich u. ſchriſtlich (d. i. an
der Wandtaſel) gründlich vorbereitet ſein. Das
erſpart dem Schüler die Fehler u. dem Lehrer die
Verbeſſerung. Das richtige Wortbild ſoll durch
das Schreiben beſeſtigt, aber nicht erſt, infolge

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