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Ratarrhe verhütet der Lehrer am beſten durch
fleißiges Gurgeln mit Salzwaſſer od. Salbei-
abſud, durch häufiges Ventilieren u, Anſeuchten
der Luſt jowie durch Meidung aller reizenden
Speiſen u. Getränke, auch des Tabakrauchens.
Zur Erhaltung einer hellen u. kräſtigen Stimme
tragen Sprechübungen beſtimmter Art bel, Au
Hüte der Lehrer ſich, ſeinem Kehlkopf zuviel An»
Itrengungen zuzumuten. Ex ſpricht oſt zu laut u.
vernachläſſigt es, beim Sprechen immer tiefe u.
gleichmäßige Atemzüge zu machen. Zum deut-
lichen Sprechen gehört nicht das Schreien; man
braucht nur die Konſonanten richtig zu ſprechen
y. zu arltiſylieren, dann wird man auch beim
en Sprechen verſtanden. Das gepreßte Sprechen
rujtbeim Lehrereine Blutüberfüllungaſler Schleim-
häute des Kehlkopfes u. Schlunde3 hervor u. führt
zu deren Verdiung u. zu Geſangſtunden in den Seminaren würden gute Ge-
legenheit bieten, den Lehramt3zöglingen auch das
richtige haushälteriſche Sprechen zu lehren. Das
unregelmäßige Atmen bringt zu oft einen Wechſel
der kalten Luſt mit der warmen de8 Ausatmens
hervor u. führt ebenfalls zu Erkältungen,
334, Unterleiböleiden. An dritter Stelle ſind
beim Lehrerperſonal Unterleibsleiden, Unterleibs»
anſchoppung mit Entzündung der Unterleibs»
organe häufig zu ſinden, was wohl von deſſen
mangelhaſter Bewegungsmöglichfeit herkommen
mag. Lehrerin u. Lehrer ſollten daher keinen Tag
vorübergehen laſſen, ohne einen wenigſtens ein»
ſtündigen Spaziergang od. als Erſaß hierfür
hausgymnaſtiſche Übungen gemacht zu haben.
IV. Augenerkrankungen. Unter den Sinnes=
organen ſind e3 hauptſächlich die Augen, die bei
Lehrperſonen leicht erkranken ; Kurzſichtigkeit od.
Weit» u. Schwachſichtigkeit ſind weit verbreitet.
Sind ſchon in der Vorbereitung3zeit zum Lehrer»
berufe durch Leſen bei fla>erndem u. oft ungenü-
gendem Licht die Augen ſtark verdorben, ſo wird
ſpäter mit dem Leſen in der Dämmerung eines
oſt kleinen Druce3 geſündigt. Wa3 Wunder, wenn
Lehrer u. Lehrerinnen ohne Brille immer ſeltener
werden! Kurzſichtige tragen die Konkavbrillen,
Weitſichtige die Konvexbrillen , die immer vom
Arzt verordnet ſein müſſen. Aſtigmatiſche , bei
denen die Wölbung der Hornhaut ungleich iſt u.
eine Verzerrung des Bildes erzeugt, bedienen ſich
zylindriſcher Gläſer. Vgl. die Art. Augenerkran-
kungen u. Augengläjer.
V. Verhütung, Um die verſchiedenen K. d. L.
u. L. zu verhüten, iſt, wie ſchon am Schluſſe des
Abſchn. I angedeutet wurde, eine gute Ausleſe der
Lehramtskandidaten ein Haupterforderni8s. Jn
Württemberg z. B. müſſen ſolgende Nubriken des
ärztlichen Zeugniſſes eine günſtige Ausfüllung
finden, wenn Zulaſſung zur Aufnahmeprüfung in
ein Lehrerſeminar erſolgen ſoll: 1. Leben Eltern
u. Geſchwiſter des Schülers no ſund? 2. Frühere Kranfheiten des Schülers.
3. Habe ſich beſondere Leiden bei ihm bemerkbar
Rräße.

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gemadht? Gomer en, Schwindel, Ohnmach-
ten, Krampfanſjälle, Nachtwandeln, Bettnäſſen.)
4. Allgemeiner Kräfte» u, Ernährungszuſtand
(Größe u, Gewicht), 5. Entſtellende Fehler u.
äußerliche Gebrechen (Muttermäler, Narben,
Wirbelſäuleverkrümmungen, verkrüppelte Gllie-
< | der, Kropf, Brüche, Platiſüße, Ausſchlag uſw.).
6. Sprachſchler (Stottern, Heiſerkeit, Beſchaffen»
heit der Zähne). 7. Halsorgane u. Naſenhöhle
( (äußere Augenkrankheiten, Schielen, Schſchärfe,
Stärke des Brillenglaſes), 9. Hörorgane (Ohren=
fluß, Trommelſelldeſekte, Schwerhörigkeit). 10.Lun-
genbeſund. 11. Herzbeſund. 12. Bauchorgane.
13. Nervenſyſtem.
Literatur. P. Mähler, Die Geſundheit der
Lehrerin (1913); A. Baur, LSehrerkrankheiten
19073; M. Fürſt, Schulhygien. Taſchenbuch
1907). [A. Baur.]
Kräße (Soubios)., Die Urſache der K. iſt
in einer Milbe (Acarus 8cabioi ; sarcoptes ho-
minis) zu ſuchen, die ſich in die Oberhaut ein-
bohrt u. unter dieſer bogenförmig geknickte Gänge
von 1---2 em Länge gräbt, in welche dieſes Zn-
ſekt ſeine Eier legt. Dieſe Wühlarbeit verurſacht
Iu>en, das wiederum Hraßen hervorruft. Die
8.milbe iſt 0,8 mm lang u. nicht ganz ſo breit ;
dem unbewaſſneten Auge erſcheint ſie als kleines
weißes Stippchen od. Bläschen. Am blinden
Ende des Ganges ſißt die Milbe wie auf einem
Hautriß Die gelegten Eier entwideln ſich zu
farven nu. dieſe zu Milben. Durch das Kraßen
entſteht nicht nur eine weitere Übertragung von
Milben auf andre geſunde Hautteile, ſondern es
bilden ſich auch weitverbreitete Ausſchläge, die zu
ausgedehnter Eiterung der Haut führen. An K.
ſ u. mit Eiter u, Borken bede>t, Das Jucken iſt
beſonder3 in der Bettwärme, während der die
Milbe ihre Gänge gräbt, ſehr ſtark. Es kann
durch kein andre8 Mittel gelindert werden als
durch die k.tötenden Mittel der grünen Seife
vy. des Perubalſams. Binnen wenigen Tagen
kann durch dieſe das Übel geheilt werden. Lieb-
lingöſtellen des K.ausſchlags ſind die Hautſtellen
zwiſchen den Fingern, an den Armen in der
Ellenbeuge u. ſonſt an den weichern Stellen der
Gelenkbeugen. =- Bei Hunden, Schafen u. Kaßen
kommt eine ähnliche Krankheit vor, nämlich die
Näude, die von Hunden u. Schafen auf den
Menſchen übertragen werden kann.
E3 wäre ein Unrecht, wollte man die K. als
eignes Unreinlichkeit8produkt anſehen ; denn gar
oſt wird ſie durc tragen. Der Lehrer hat daher die Pflicht, die an
K. erkrankten Schüler im Notſalle vor dem Schimpf
u. Spott der Genoſſen zu ſchüßen. Scheint ihm
ein Kind der K. verdächtig, weil es viel kraßt, ſo
werde es dem Arzt zugeführt, der da8 Vorhanden=
ſein des Übels eventuell durch das Mikroſkop feſt-
ſtellt. Vor der völligen Abheilung der Krankheit

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