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folgt B. H. Blaſche (Handb. d. Erziehungs8wiſſ.
[1822]). Auch Fröbel8 (ſ. d.) „Menſchenerzie-
hung“ (1826) zeigt jich von den gleichen Gedanken
beeinflußt. Der bedeutendſte Theoretiker der
Gruppe iſt aber J. B. Graſer (ſ. d.). In ſeiner
„Divinität" (1811 ff) leitet er den Zweck aller
Erziehung aus der Jdee alles Seins u. Werdens
ab. Alle3 ſpeziell Chriſtliche iſt ihm nur Vörbilb
u. Mittel bei bieſer Führung zur Divinität, =-
Eine geringere pädagogiſche Auswirkung al3 dem
Syſtem Schellings war demjenigen Hegels (ſ. d.)
vergönnt. Immerhin hat K. Roſenkranz (Pädag.
als Syſtem [1848]) die Erziehung „als Entwi>=
lung der im Einzelnen immanenten Vernunft" ge
ſchildert. =“ Andre Anhänger des P., auch
Schleiermacher u. Paulſen, laſſen in ihrer Päd=
agogik nur ſelten einen Nachklang ihrer Weltan»
ſchauung ſpüren.
IV. Der P. 1, die Erziehungspraxis, In
den erziehung3praktiſchen Konſequenzen muß der
P. bei ſtrenger Folgerichtigkeit mit dem Mate-
rialigmus (ſ. d.) zuſammentreffen, da er mit ihm
die Lengnung der Willensfreiheit gemein hat. Da
zu werden gerade dur< die Vergöttlichung des
All3 die Unterſchiede von gut u. bös aufgehoben
u. damit dem Leben wie der Erziehung ſeine wert=
vollſten Ziele genommen. Wo wäre denn panthe=
iſtiſche Schwärmerei, ſall3 ſie große Maſſen für
längere Zeit in ihrer Lebensführung beraten wollte,
nicht in Libertini8mus umgeſchlagen ! --- Mit den
lehten Aufgaben der Erziehung ſ dem P. auch deren unerläßliche Mittelziele : Ge»
horſam u. Unterordnung. In ſeiner Beleuchtung
iſt jegliches Wollen u. Werden, auch triebhafter
kindlicher Eigenſinn, von göttlicher Majeſtät. --
Am bedenklichſten aber iſt die Entleerung des Bes
grifſſs Neligion, die dur den P. in die Erziehung
eingeführt wird. Cin „Glaube an die Einheit des
Wirklichen u. Guten“, ein „Geſühl der Abhängig=
keit vom Unendlichen“, eine innige „Andacht zur
Natur“ vermag da3 nicht zu leiſten, wa3 die Päd=
agogif von der Religion erwarten muß: Siche»
rung de3 ſittlichen Strebens durch den Glauben
an einen perjönlichen, allwiſſenden, gerechten Gott,
Literatur. Vgl. die Lit. unter dem Art.
Materiali8mus; ferner T. Peſch, Die großen
Welträtſel 11 (81907) ; J. Uhlmann, Die Perſön-
lichkeit Gottes u. ihre modernen Gegner (1906).
[F. X. Egger3dorfer.]
Papparbeit |. Handarbeitäunterricht für
Knaben.
Parallele Behandlung der Lehrfächer
ſ. Parallelgrammatik.
Parallelgrammatik, 1. Die Forderung
einer P. als Ausfluß des Konzentrationsge-
dankens. Die Konzentration (ſ. d.) verlangt, die
verſchiedenen od. doch wenigſtens die verwandten
Vorſtellungsgruppen, Stoffgebiete u. Unterricht3-
fächer auch in innere Beziehung zu ſehen. Dörp=
feld gründete hierauf ſeine Theorie eine3 Lehr-
plane3 für die Volk3ſchulen, Willmann ſeine Or
Papparbeit --- Parallelgrammatik.

1102
ganiſation de8 Bildungsinhalt3. Verwandte
Stoſfgebiete behandeln nungewiß die Grammatiken
der verſchiedenen Schulſprachen ; dieſe müßten alſo
aufeinander bezogen werden. Am vollkommenſten
geſchähe dies, wenn die Anordnung der einzelnen
Teile, der Aufbau der Grammatik in den verſchie=
denen Sprachen derſelbe wäre. Das erſtrebt die
P. Mit ihr ſoll aljo nicht eine Grammatik für
mehrere Sprachen geſchaffen werden, ſondern die
Grammatiken der verſchiedenen Sprachen ſollen
nach demſelben Prinzip einheitlich geſtaltet werden.
Die Eigentümlichkeit jeder einzelnen Sprache
würde hervorgehoben werden, mehr aber als ſeit»
her käme zur Geltung, wa3 allen Sprachen ge
meinſam iſt.
11. Wiſſenſchaftliche Vorausſeßungen u. Er-
forderniſſe einer R. Ein Gemeinſame8 haben
do< wohl alle Sprachen : es iſt die den Men=
ſchen eigne logiſche Denkweiſe ; die verſchiedenen
Sprachen ſind verſchiedene Aus8druksweiſen der
ſelben logiſchen Begriffe u. Urteile, Laute, Wort,
Flexion , Betonung, Wortſtellung uſw. ſind
nicht zufällig, ſondern in Wechſelwirkung mits-
einander unter dem Walten eines geſtaltenden
Prinzip3 entſtanden, Welche3 dieſes geſtaltende
Prinzip fei, darüber muß Klarheit u, Einigkeit
herrſchen. Vorausſezung hierfür ſind geſicherte,
zur Annahme zwingende Ergebniſſe der ſprach=
wiſſenſhaftlichen Forſchung. Von deren Fort=
ſchritt hängt alſo die 'P. letztlich ab. Ein vor»
läufiger, aber nicht gering zu bewertender Schritt
zur Einheit wäre die Einheitlichkeit der gram=
matiſchen Fachausdrücke. Sie müßten klar, leicht
behaltbar u. ſprachrichtig ſein u. ſollten das be=
jagen, wa3 ſie beſagen wollen, alſo dem Begriff
entſprechen u. der Mutterſprache entnommen ſein.
Dann würde der Lernende vom Namen zum Weſen
geleitet.
DI, Die Vorteile einer P. wären Erleichte-
rung 11. Vertiefung des grammatiſchen Betriebe3.
Waz3 den verſchiedenen Sprachen gemeinſam iſt,
wäre nur bei der erſten grundlegenden Sprache,
der Mutterſprache, zu lernen, bei den folgenden
wäre nur darauf zurüzugreiſen, zu lernen nur
das Unterſcheidende, Durch die Einſicht in da,
wa3 den einzelnen Sprachen gemeinſam iſt u.
worin fie ſich unterſcheiden, würde da8 Sprach=
verſtändnis vertieft, Die Grammatik wäre dann
nicht nur ein notwendiges Übel zum Verſtändnis
eines fremdſprachigen Textes bei der Überſeßung,
ſie erhielte wieder einen Eigenwert, ſie würde nach
Willmann ein Zweig des Unterrichtes im Men=
jchentum.
IV. Geſchichte, „Die P. hat ihre Geſchichte“
(Willmann). Eine gewiſſe Gleichartigkeit war ur=
ſprünglich dadurch gegeben, daß aller Grammatiken
Vorbild die lateiniſche war. Dann wurden die
einzelnen Grammatiken ſelbſtändiger. Und bald
vermißte man die verlorene Einheit. Schon Ras-
ticjiu8 verlangt wieder eine „Harmonia lingua-
rum, wodurd) allerlei Sprachen auf einerlei Art

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