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den in dieſem Sinne die Entſernung aus dem
uſe für einige Zeit beſißt, ferner die Notwendig»
eit, ſich in eine ſtraffe Hausordnung einzufügen,
der Zwang, Fehler andrer zu ertragen, ihre guten
Seiten kennen zu lernen, die eignen Schwächen
zu unterdrücken u. die guten Kräſte zur Entfaltung
y bringen, iſt eine ſegensövolle Wirkung des Zu»
fammenſeins mit andern im P, Auch die Erwei-
terung des Geſichtökreiſes iſt nicht zu unterſchäßen,
Das Hauptgewicht muß aber auf die Pflege eines
geſunden, kernigen, religiöſen Leben3 gelegt wer-
den, das geeignet iſt, Sentimentalitäten u. Ver-
ſtiegenheiten hintanzuhalten. Cine Vorbedingung
dazu iſt eine ſorgſältige Auſſicht, ſonſt können ſich
leicht ſchlimme Wirkungen einſtellen. Das Zu»
jammenjein bringt ſittliche Gefahren mit ſich, be»
ſonder3 im Hinblie> auf die in dieſe Zeit fallenden
Pubertätzerſcheinungen mit ihrem Überſchwange
der Gefühlsentfaltung u. der Neigung zu Schwär-
merei (j. Entwiekklungö3perioden, Abſchn. V11 u,
VIII. Da3 Beiſammenleben meiſt begüterter
Mädchen, deren Wünſche gerade in dieſem Jahre,
ſern der Heimat, bei unvernünſtiger Inſtituts»
leitung von den Eltern ſo gern ſämtlich erfüllt
werden, kann gar leicht eine falſche Vorſtellung
von Ziel u. Zweck des Lebens, vom Erwerb u.
Feſthalten wirtſchaſtlicher Werte, ferner Blaſiert-
heit, Erhebung über andre Stände, aber auch
geiſtigen Hochmut zur Folge haben. Darum iſt
e3 von höchſter Bedeutung, daß auch die P. f. M.
Gewicht legen auf eine Lebenskunde, die ſich auf
poſitiv Dauerwerte für das Leben erſchließt, damit die
Gefahren de3 Backfiſhalter3 leichter überwunden
werden. Keinen ernjtern Vorwurf könnte man den
P.n f. M. machen als den, daß ſie das tändelnde
Hinübergleiten in den Ernſt de8 Che» od. ſonſtigen
Beruſsleben8 begünſtigen. Selbſt die Anſtands8-
lehre müßte in enge Verbindung mit der Lebens«
funde gebracht werden, damit auf dieſe Weiſe das
äußerliche Formentum auch einen innern Gehalt
gewönne. Anderſeit3 ſoll freilich der Ton in ſolchen
B.n nicht zu ernſt ſein. E3 läßt ſich nicht leugnen,
daß in Mädchen-P.n mit klöſterlicher Leitung die
Gefahr nahe liegt, daß die klöſterlichen Lehrerinnen
yu. Erzieherinnen ihre Ordensgrundſäße gar zu
ſchr auf ihre Zöglinge al8 höchſtes Zdeal zu
übertragen ſuchen, wodurch dieſe in unnötige
ſeeliſche Konflikte (Skrupulantentum) geraten
können.
Jedenſalls iſt ſicher, daß gerade bei den Mäd»
Miſſion ſür alle, die e3 mit der Jugend u. dem
Volke gut meinen, bei den Eltern auſklärend zu
wirken. Das gilt beſonder8 hinſichtlich der ein-
ſeitigen Tendenz der „Au3land8-P.“, die jährlich
Tauſende von jungen deutſchen Mädchen nach
Frankreich u. in die franzöſiſche Schweiz ziehen.
(E3 ſollte do< eigentlich ſelbſiverſtändlich ſein, daß
für tiefe bodenſtändige Kultur heimiſche P. |. M.
weit mehr leiſten können ; die Erlernung einer
Penſum -- Peraldy38, Wilhelm.

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Fremdſprache darf bei einer ſo ernſten Frage do>
nicht ausſchlaggebend ſein, 0e do
Literatur. B. Störmann, Über Mädchen»P.
1887 ; mit ält. Lit.-Ang.) ; F. Wienſtein, Frauen»
ilder a. d. Erzie ungögeſh. (1904) ; I. Heigen»
movoſer, Äberblid d. geſchicht?, Entwill. d. höh.
Mädc Heſt 3. d. Mitteil, d. Geſellſch. |. diſch. Erzieh.» 11.
Schulgeſch. Nr 8 [1905]); F. Straßburger, Die
Mädcenerzieh. i. d. Geſch. d. Pädag. d. 17. u.
18. Jahrh. in Frankreich u. Deutſchland (1911);
I. N. Edlinger, Die kath. Anſtaltserzieh. (1913);
Weber3 Führer d. kath, P., Lehr» 11. Erziehungs»
anſt. f. d. Schuljahre 1913/15 (8. Jahrg., 1918);
I. E. Stuart, Üb. d. Erzieh. kathol. Mädchen
(1914). [F. Weigl.]
Penſum eſ. Hanuzarbeiten.
Peralduys, Wilhelm. 1]. Leben, P.,
zu Perault (Potra alta) unterhalb Vienne bei
Lyon geboren, tkrat zu Pari8 od. Lyon in den
Dominikanerorden u. gehörte dem Konvent von
Lyon an, Na einer Schluyßnotiz zur Summa deo
vitiis in einer Dandſchrift des 183. Jahrh, der
Kapitelsbibliothek zu Valentia (Denifle, Archiv
II 242) ſchrieb er dieſes Werk 1244/46 u. war
Dokior u. Prior im Lyoner Kloſter. In dem
Schriſtſtellerkatalog einer Stamſer Handſchrift de3
14. Jahrh. (Denifle, Archiv II 228) wird er
archiepiscopus Lugdunensis genannt; ebenſo
in den Titelüberſchriſten u, Schlußnotizen ver=
ſchiedener Handſchriften ſeiner Werke. Ste-Marthe
mag recht haben, wenn er ſagt (Gal. ehrist.
IV 146), er jei 10 Jahre lang Weihbiſchof u.
geiſtlicher Adminiſtrator des Erzbiſchofs Philipp
v. Savoyen geweſen, der ſelbſt nicht Prieſter war.
Urkundlich bezeugt iſt dies nicht, Sein Todes8jahr
iſt ungewiß. Quetiſ irrt, wenn er ſagt, Stephan
v. Bourbon (7 um 1261) ſpreche von ihm wie
von einem bereit8 Geſtorbenen (Script. 1 1832).
II. Werke. Bekannter als das Leben P.' ſind
ſeine Werke, Hier kommen in Betracht : 1. Summa
do vitiis et virtutibus, die weitverbreitete, ums
ſangreichſte Scriſt des Mittelalter3 über die
Tugendlehre, die der ſpätern Literatur über dieſen
Gegenſtand zur Grundlage gedient hat. Zuerſt
gedruct Köln bei Quentel 1479 u. ö. = 2. Ds
eruditione principum in 7 Büchern, von denen
das 5. in 67 Kapiteln eine vollſtändige Erziehungs-
lehre enthält, bei der keineswegs bloß auf Fürſten=
kinder Rückſicht genommen iſt. Früher dem hl. Tho-
mas v. Aquino zugeſchrieben, wurde die Schrift
ſeit der Editio Piana (Rom 1570) unter deſſen
Werken mitabgedruet. So in der lekßten Pariſer
Ausg. XXVI1U (1875) 551---673 als opuse. 37.
111. Bedeutung. Ds eruditions principum
gilt mit dem Didaskalikon des Hugo (f. d.) v.
St-Victor als die beſte Erziehungslehre de3 Mittel»
alter8. Zu loben ſind beſonders der klare, einfache
Stil u. die Überſichtlichkeit, Verfaſſer handelt von
dem Wert u. der Notwendigkeit einer guten Er-
ziehung, von der Wabl der Lehrer u. dem Unter=
richt, von der körperlichen u. geiſtigen Aus8bildung

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