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perjönlich ab, obſchon die weiten Neiſen ihm die
größten Opfer auferlegten, Alle Brüder erirugen
im Hungerjahre 1693 mit heroiſchem Mute die
äußerſten Entbehrungen u. teilten ihr kärgliches
Bro!1 mit den Armen,
Da das Haus in Vaugirard ſür das wachſende
Noviziat zu eng war, mietete L. ein Anweſen, das
no in Paris an der Grenze der Pfarrei St»Sul»
pice gegen Vangirard lag, u. bezog es am 18. April
1698 mit dem Noviziat u. allen in Paris ver-
wendeten (dienenden u. lehrenden) Brüdern, ſo
daß anch lehtere ein gemeinſames Heim hatten.
In demjelben Jahre eröſſnete L. mit Hilfe des
Pſjarrer3 von St»Sulpice eine 3. Schule mit 6
y. 1699 eine 4, Schule mit 4 Brüdern. Eine
6. richtete er im neuen Mutterhauſe ein, damit
ſie den Novizen al3 Übungsſchule dienen konnte,
Schon 1701 hatten die Brüder in Pari8 über
20 Schulen mit Tauſenden von Schülern u. er-
rangen ſich in ſteigendem Maße die Anerkennung
aller Volköſreunde. Sie lehrten Neligion, Leſen,
Schreiben, Rechnen u. Zeichnen, teinveiſe aud)
Geometrie u, Handarbeiten (Tapezieren u. a.).
Biele Kinder erhielten in der Schule mittags
Suppe u. abends Brot.
Als der entthronte König Jakob I]. v. Enge
land 1688 in Paris Zuflucht gefunden hatte,
folgten ihm viele vornehme Jrländer in die Ver»
bannung, u. andre ſchiten ihm ihre Kinder,
damit er für ihre katholiſche Erziehung Sorge
trage, weil in Irland von 1689 bis 1762 bei
Straje des Hochverrat3 kein Katholik Unterricht
erteilen u. kein Vater ſeine Kinder von einem Ka»
tholifen unterrichten laſſen durfte. Auf Anraten
des Erzbiſchofs v. Paris wandte ſich der König
an L., 1, dieſer richtete 1698 ein Penſionat ein,
worin 50 junge Irländer herangebildet wurden,
jo daß ſie amtliche Stellungen in Frankreich er-
langen fonnten. L. ſelbſt übernahm deren Leitung
u. den wichtigſten Teil ihre38 Unterricht3 u. erzielte
ſo gute Neſultate, daß der König ihm in ehren»
vollſter Weije Dank abſtattete. In der Folge
brachte man L. ojt auch zügelloſe Knaben, u. er
gab ſie als ſromme u. gehorſame Söhne den El-
tern zurück. Seine Liebe zu den Kindern des
armen Landvolkes drängte ihn, in Paris ein
Landlehrerſeminar zu errichten, weil das
zu Neim3 nach jeinem Wegzuge von dort ein»
gegangen war. Er gewann für dieſen Plan den
Pjarrer von St-Hippolyt, mit deſſen u. andrer
Wohltäter Hilfe €, 1700 die Anſtalt, deren Leitung
er einem der tüchiigſten Brüder übertrug, eröffnen
konnte. Er nannte ſie „Seminar“ u. nahm darin
vnentgeltlich begabte junge Leute auf, um ſie zu
Lehrern auszubilden. Eine Armenſchule diente
den Kandidaten als Übungsſchule.
Im Oki. 1699 eröffnete L. unter dem Namen
„Chriſtliche Akademie“ eine ganz neue Art von
Schule, nämlich eine techniſche Sonn» u.
Feiertagsſhule für junge Leute unter
20 Jahrm. Dieſe wurden nach ihrem Beruf u.
Da Salle,

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ihren Leiſtungen in verſchiedene Klaſſen abgeteilt
u, von Schuſbrüdern, die in dieſen Fächern eigens
ausgebildet waren, an Sonn» u, Feiertagen von
12--3 Uhr in Geographie, Buchführung, Geo»-
metrie, Baukonſtruftionslehre u, Zeichnen unter-
richtet, Zum Schluſſe wurde allen in einem großen
Saale eine religiöſe Wahrheit erklärt u. ans Herz
gelegt. Die Schule zählte über 300 Lehrlinge,
wurde aber 1705 durch die eiferſüchtige Zunft
der Schreiblehrer unterdrüct.
Die Verbreitung der Schulbrüder machte auch
außerhalb Paris ſtetige Fortſchritte. Im Okt, 1699
Übernahmen 6 Brüder die herabgekommenen Ar»
menſchulen in Chartres, Im Juli 1700 wurden
die Brüder nach Calais berufen, wo ſie in der
Folge auch eine beſondere Schule für die Kinder
der Seeleute gründeten. Ju Troye3 übernahm
1700 ein Bruder eine Schule u, zog mit der Zeit
no< 6 Brüder nach ſich. 1703 kamen 3 Brüder
nach Avignon, denen ſpäter noc< 3 nachfolgten.
Zu Dijon gründeten wohltätige Perſonen 1705
eine, dana eine 2. u. 3. Freiſchule, die ſämtlich
den Shulbrüdern anvertraut wurden. Schon 1700
hatte L. den ausgezeichneten Bruder Gabriel nach
Rom geſandt, um dort unter den Augen des
Papſtes eine Freiſchule zu errichten u. die Nppro»
bation der Genoſſenſchaft u. ihrer Regel vorzu»
bereiten. Der Bruder gab in Nom Privatſtunden,
beſuchte die kranken Franzoſen in den Spitälern
u. katechiſierte Kinder, die er auf der Straße um
ſich jammelte, bis ihm endlich im Frühjahre 1710
die Leitung einer päpſtlichen Bezirk8jchule über»
tragen wurde. In demſelben Jahre übernahmen
2 Brüder die Armenſchule zu Darnetal bei
Nouen. Die ſeinerzeit von Nyel zu Rouen ge-
gründeten 5 Freiſchulen waren ſeit deſſen Tode
(1687) herabgefommen u. wurden 1705 den
Brüdern übergeben. L. begleitete dieſe ſelbſt
nach Nouen, pachtete dort das 7 ha große,
vor dem Tore der Stadt gelegene Anweſen von
St-Yon u. verlegte dahin das Noviziat, das auf
6 Kandidaten zurückgegangen war, aber noh in
demſelben Jahre ſich um 11 Novizen vermehrte,
Auf dem gleichen Grundſtücke eröffnete L, im Okt.
1705 ein Penſionat für Söhne aus vermöge
lichen Familien, die keine klaſſiſchen Studien
machen, aber eine höhere Bildung erwerben ſollten,
u. verband damit eine Neal» u. Gewerbe»
ſ vieler Familien eine Beſjſerungsanſtalt
(Penſionat der Libertiner) für junge Leute, die
ihm von den Eltern od. vom Straſrichter zur
heilenden Zucht übergeben wurden. Die vom
Richter Verurteilten wurden in Einzelhaft gehalten
u. durften geeignete Bücher leſen, einige Blumen-
töpfe am Fenſter u. Vögel im Käfig pflegen.
Beſſerten ſie ſich, ſo durſten ſie am Unterrichte
der freien Penſionäre teilnehmen u, wurden be
ſonders in der ſranzöſiſc matik, der Geometrie, dem Zeichnen u. der Muſik
unterrichtet. Ein Teil der aus8gedehnten Gärten

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