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Hochzeiten u. Begräbniſſen, als Schreiber mußte
er feinen Lebensunterhalt zu beſtreiten ſuchen
(ſ. Emolumente). Neben der ungenügenden Be-
ſoldung war die Anſtellung auf Zeit, meiſt mit
vierteljährlicher Kündigung, ein wunder Punkt
für S. u. Schule. Daß zudem oft ungeeignete
Elemente, häufig ohne Vorbildung, ſogar Scnei-
der, Zimmerleute, Invaliden al8 S, angeſtellt
wurden, trug nicht zur Hebung des Standes bei.
Und do< -- über den teilweiſe ſo lächerlichen,
pedantiſchen S.geſtalten verſloſſener Jahrhunderte,
wie ſie namentlich Jean Paul, Jeremias Gotthelf
u. Wilhelm Raabe wundervoll zu ſchildern ver»
ſtehen (vgl. auch den Art. Lehrer 1), überſieht man leicht da3 ſtille, unſcheinbare
u. doch gründliche u, unendlich wichtige Wirken
Tauſender von S.n, das niemand kennt u. nennt.
-- Vgl. auch den Art. Stadtſchulen.
Literatur. E. Neicke, Lehrer u. Unterrichts»
weſ. i. d. dtſc<. Vergangenh. (1901) ; O, Willmann,
Didaktik (*1909) 8 109; W. Wohlrabe, Der Leh»
rer i. d. Lit. (81905). [C. Bender.]
Schulmethodus ſ. Ernſt d. Fromme
(Abſchn. 111), NReyher (Abſchn. 11), Sculord-
nungen (Abſchn. V).
Schulmonopol |. Staat u. Schule.
Sc bis 18. Jahrh. haben S. in Nord- u. Süddeutſch-
land, fowie in der Schweiz u, in Ungarn eine
Rolle geſpielt, über die bis in die neueſte Zeit auch
in der Literatur nicht viel zu ſinden war. Vor
allem war e3 die Abhandlung von K. Knabe
(16. S. im ehemal, Kurheſſ.) im Programm
der Oberrealſchule zu Kaſſel v. 1894, die ihren
Gebrauch) wieder in Erinnerung brachte. Bei den
S. handelt e8 ſich bald um einſachſte Marken
(unjern Spielmarken vergleichbar), die im Nechen=
unterricht praftiſc Erinnerung3medaillen, bald um mehr od. weniger
wertvolle Prämienmünzen,.
1. Arten. 1. Rehenpfennige wurden
zur Veranſchaulichung im Nechemunterrichte im
Mittelalter u. bis ins 18, Jahrh. ſaſt allgemein
gebraucht, namentlich von den Philanthropiſten.
Beim „Nechnen auf der Linie“ (Algorithmus
jinealis) bediente man ſich einer Art Rechen-
maſchine, an deren Stäben metallene Marken an=
gebracht wurden, eben dieſe Nechenpfennige. Dieſe
hatten 2--8 em im Durchmeſſer u. zeigten Ein-
prägungen de38 Alphabet3 in lateiniſchen od. grie-
Sprüche zu finden. = 2. Die ebenſall8 ſehr
häufigen Gedächtnismünzen beſtanden bei
Schuleinweihungen u. -jubiläen oft in koſtbaren,
ſchön geprägten Medaillen. Al3 z. B. 1710 das
neue Maria=-Magdalenen=-Gynmmaſium zu Bre8lau
eingeweiht wurde, erhielten die Primaner u. viele
der geladenen Gäſte ſilberne Gedächtni8münzen
in Geſtalt eckiger „Klippen“ ; der Avers zeigte das
neue Gebäude 11. das Stadtwappen mit der Ums=-
ſchrift; Deo Caesari Patriae Wratislaviae
Lexikon der Pädagogik. IV.
Schulmethodus -- Schulmuſeum.

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Sacrum, der Nevers 3 Privattwappen (darunter
da3 des Stiſter8) mit der Inſchrift : Novus Gym-
naslo Mar. Magdalenaeo Locus datus Anno
MDCCX Quaeres Bene Atque PFeliciter eve-
niat omnibus, Die Schüler der untern Klaſſen
bekamen eine fleinexe Zinnmünze. Ähnliche S.
find bei Schul= bzw. Univerſitätöſeiern 1709 in
Leipzig 1721 in Ninteln, 1730 in Liegniß, 1733
in Nürnberg, 17384 in Fulda, 1799, 1860 u.
1879 in Kaſſel u. an andern Orten verteilt wor=
den. Von S., die zu Ehren angeſehener Lehrer
geſchaffen wurden, mögen die 3 für den Hallenſer
Philoſophen Chriſtian v. Wolff (1679/1754) ge=
prägten genannt werden. -- 83. Beſondere Stif=
tungen ſcheinen an manchen Orten für Prämien=
münzen (Brabeonen) beſtanden zu haben,
die zur Belohnung tüchtiger Schüler in Kupfer,
Silber od. Gold, oſt Jahr um Jahr, z. B. in
Altorf, Nürnberg, Hamburg, Bre3lau, Danzig,
Bern, Genf hergeſtellt wurden, Die meiſten
ſtammen aus dem 17. Jahrh. Ihren Zweck deuten
Inſchriften wie die folgenden an : „OQO Jugend,
laß dich auf der Schule Wege lenken, Der Rat zu
Breölau will dir ſchöne Taler ſchenken“; „Fleiß
U. Tugend ſind die Sachen, Die berühmt u. herr=
lich machen“. Pädagogiſch gelten die Prämien=
münzen als Mittel der Ämnlation (|. d.) u. ſind
als folche3 nur mit größter Vorſicht anzuwenden,
So beliebt ſie auch im Zeitalter der Patrimonial=
herrſchaft bei fürſtlihen u. kommunalen Schul=
gönnern 11. unter den Pädagogen namentlich bei
den Jeſuiten u. Philanthropiſten waren, ſo iſt im
allgemeinen ihre Zeit heute vorüber. Immerhin
erhielt auch Prinz Wilhelm v. Preußen am
25. Zan. 1877 noch eine ſolche Münze vom Gyms
naſium in Kaſſel (ſ. Prämien).
Literatur. Vgl. auß. d. ſchon gen. Abhandl.
v. K. Knabe: IJ. Chr. Kundmaun, Acad. et scholae
Germaniae ... cum Bibl. in nummis (Bre8l, 1741);
C. Laverrenz, Die Medaillen u. Gedächtniszeich. d.
deutſch. Hochſchul. (1?, 11 1886/87) ; M. Kirmis,
Die Numismatik i. d. Schule (Progr. Neumünſter
1888) ; B. Clemenz, S. (Deutſc Preuß. Schulztg 1900, Nr 3 u. 4) ; K. Knabe, Art.
S. in Neins8 „Enzyklop. Handb. d. Pädag." VI
(21908) 232 fj. [B, Clemenz.]
Schulmuſeum, 1. Aufgabe u. Arten.
Schulmuſeen ſind zu denſelben Auſgaben errichtet
wie andre Muſeen auch: die küulturgeſchichtliche
Entwieklung des Faches darzuſtellen, das techniſche
Gerät vor dem Untergang zu bewahren u, dem
Studium Material zu bieten. Die Anfänge ſind
faſt immer Schulausſtellungen geweſen, die eine
beſtimmte Jdee, z. B. heimatkundliche, naturwiſſen=
ſchaftliche uſw,, illuſtrieren. Meiſt werden von
den Schulmujeen derartige Ausſtellungen bejorgt.
Beſchränken ſich manche Shulmuſeen auf ein be=
ſtimmtes Intereſſengebiet, ſei es räumlicher od.
zeitlicher Art, jo finden andre, allerdings wenige,
ihre Aufgabe darin, alle3 Erreichbare, In= wie
Ausländij gehört z. B. das S. in Bre8lau, das nicht nur
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