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induſtriellen Stadt Gmünd beſördert wurde. Nl8
ſolcher hatte er neben ſeinen ſeelſorgerlichen Ar»
beiten auch lateiniſchen Sprachunterricht zu er-
teilen; das hierzu erſorderliche Präzeptoratsexamen
legte S. in Stutigart ab. In der Folge präſen»
tierte der Graf v. Rechberg den ſeeleneiſrigen u.
durchaus kirchlich geſinnten Prieſter auf die ſeinem
Patronat unterſtehende Pfarrei Treſſelhauſen, die
S. im Sommer 1841 antrat. Nachdenz er hier
ein i;albe3 Menſchenalter lang ſegensreich gewirkt
hatie, kam er nach) Unterailingen, wo er am
26. Dez. 1857 als Pfarrer inveſtiert wurde. Hier
iſt S. am 24, April 1869 nach 3tägigem Leiden
einer Lungen- u, Bruſtſellentzündung erlegen,
S. hat ſein Leben als einfacher Landpfarrer
ſern von größern Bibliotheken u. von den Ge»
legenheiten zu anregender Beratung mit Gelehrten
verbracht, aber er hat dur< unermüdlichen Fleiß
ſein Talent nußbar gemacht u. ſür ſeine Verdienſte
um die katholiſche Erziehung Anerkennung geſun»
den. Die theologiſche Fakultät der Univerſität
Freiburg i. Br. hat ihn 1847 zum Ehrendoktor
der Theologie ernannt, u. Papſt Pius 1X. hat
ihm durch Breve v. 25. Juli 1850 „herzlichen
Glückwunſch“ u. hohe3 Lob für ſein ſchriftſtelle-
riſches Wirken ausgeſprochen. Sein Name wird
auch heute noc< mit Ehren genannt ; denn S. hat
in der Zeit des Übergang3 von der ſalſchen zur
wahren Aufklärung als Schriftſteller höchſt an-
regend 11. erfolgreich gewirkt.
11. Schriften. 1. „Katechi3mus der katholiſchen
Religion“. In dieſem hatte S. anfänglich die
Glaubenölehre nach der Art Hirſchers (ſ. d.) be»
arbeitet, aber in der 1845 erſchienenen Ausgabe
kehrte er zu den Rubriken des Catochigsmus Ro-
manus zurück, Dieſe Au8gabe wurde von vielen
Biſchöfen approbiert u. nach einer neuen Über-
arbeitung durch Dekret v. 13. Okt. 1849 zum
„Katechiömus für da3 Bistum Rottenburg“ er-
hoben. Als ſolcher wurde er bi3 1887 gebraucht,
wo ihn Biſchof Hefele durch eine andre Bearbei-
tung erſehte. -- 2. Die3 gilt auch von S.3 „Klei-
nem Katechi3mus der kathol. Religion“ für die
zwei untern Schulklaſſen, der 1846 erſtmals er»
ſchienen u. mit dem vorigen im Bistum Rotten»
burg eingeführt worden war. =- 3. Das „Kate-
Bde, 1846/54 ; zum Ge-
brauche für jeden Katechiämu3) hat 3 Aufl. erlebt.
Der 5. Bd iſt al3 „Kleines katech. Handbuch"
1860 in 4. Auſl. erſchienen. =- 4, Die „Bibliſche
Geſchichte de3 A. u. N. Teſtament3 für kathol.
Volköſchulen“ (1848), ſeit 1858 mit 114 Bildern
illuſtriert u. von 36 Biſchöfen approbiert, eröffnete
einen bedeutenden Fortſchritt gegenüber der rein
moraliſierenden, allzu ſreien Behandlung der bi-
bliſchen Geſchichte durch Chriſtoph v. Schmid. Sie
wurde in 58 deutſchen u. vielen öſterreichiſchen
Neudruken verbreitet ; auch ins Engliſche, Fran-
zöſiſche, Holländiſche, Italieniſche, Spaniſche uſw.
überjeht. =- 5. Das gleiche gilt von der „Kurzen
Bibl. Geſchichte ſür die untern Klaſſen der Volks»

Schußengelbund -- Schwalbe, Bernhard. 952
jchnlen“, die 1866 erjtmal8 erſchienen iſt. --
6, Sein „Handbuch zur Bibl. Geſchichte für den
Unterricht in Kirche u. Schule, ſowie zur Selbſt
belehrung“ (2 Bde, 1861/65) ift ein bedeutende3
Werk, das zugleich in die jüdiſchen Altertümer
einführt 1. die Einwände des Unglaubens wider»
legt. Die 2.---5. Aufl, iſt von Joh. B. Holz»
ammer, die 6. u, 7, 1910 von Joſ. Selbſt u.
Zak. Schäfer beſorgt u. auf der Höhe der bibliſchen
Forſchungen erhalten worden. = 7. Im „Leſe
buch ſür Volksſchulen“ von J. Bumüller u. S.
(10 Tle 1852/65, neubearb. 1875|), das even=-
falls in zahlreichen Auflagen verbreitet war, hat
S. den geſchichtlichen Teil bearbeitet,
Literatur. Magazin |f. Pädag. 1869, Nr
47 3 I. Kehrein, Biogr.-lit. Lex. d. kath. dtſch Dich»
ter, Volks» u. Jugendſchriftſt. i. 19. Jahrh. 11
(1871) 187. [Fr. J. Knecht.]
Schutßengelbund ſ. Enthaltſamkeit8bewe-
gung, Abſchn. 11.
Schußengelverein |ſ. Kindheit - Jeſus
Verein.
Schußvereineſ.Bildungs8vereine, Abſchn.I11.
Schwabenkinder (Hätekinder) |. Som»
merjchule u. Winterſchule, Abſchn. 111.
Schwachſinn ſ. Idiotie u. Jmbezillität.,
Schwalbe, Bernhard. 1. Lebensgang.
S. wurde am 23. Okt. 1841 zu Quedlinburg
geboren, beſuchte dort das Gynmmaſium u, ſtudierte
dann Naturwiſſenſchaſten u. Sprachen, Beſonder8
bevorzugte er Chemie u, die beſchreibenden Natur
wiſſenſchaſten. Seit 1864 war er an der kgl.
Realſchule (dem ſpätern Kaijer-Wilhelm-Neals
gymnaſium) in Berlin tätig, nachdem er vorher
Aſſiſtent bei Noſe u. Wislicenns8 geweſen war;
1879 wurde er ebenda Direktor de3 Dorotheen-
ſtädtiſchen Nealgymnaſium8, 1901 wegen feiner
großen organiſatoriſchen Beſähigung zum Stadt=
ſhulrat für die höhern Schulen der Neich8haupt-
ſtadt ernannt, ſtarb er an dem gleichen Tage
(31. März 1901), an dem er ſich von jeiner Schule
verabſchiedete, konnte aljo ſein neues Amt nicht
mehr antreten.
11. Bedeutung. S. war einer der erſten, der
die Methodif des phyſikaliſchen Unterrichts zu
verbeſſern ſuchte. Er ſtellte das Experiment in den
Mittelpunkt des Unterricht3, wobei ihm feine
große Fertigkeit im Experimentieren ſehr zuſtatten
kam. Da S. ſich urſprünglic) mehr in den be-
ſchreibenden Naturwiſſenſchaſten ausgebildet hatte,
jo wandte er auch auf den phyſikaliſchen u. de-
miſchen Unterricht deren Methode an. Daher bes
ſaßte er ſich auch hauptſächlich mit dem Gruppieren
u. Klaſſiſizieren der Experimente, Beſonder3 trachs»
tete er danach, die engliſch-amerikaniſchen Home-
Kxperiments als „Freihandverſuche“ in Deutſch
land einzuführen (j. Phyſik, Abſchn. V). Daraus
entwidelte ſich bei ihm nad) u. nach ſein Plan,
die „Schülerübungen“ zur allgemeinen Geltung
zu bringen, worüber er auf der Naturforſcher-
verſammlung zu Bremen 1890 berichtete. Tat-

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