Full text: Sulzer bis Zynismus (5)

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rief, während er al8 Mitglied der damaligen De- 
zemberkonferenz in der NReichshauptſtadt weilte. 
Auch Kardinal Kopp gehörte ſeit dem Tage der 
Gründung bis zu ſeinem Tode dieſem Vereine an, 
deſſen Seele bis zum lehten Augenblicke U. blieb. 
Bei aller Begeiſterung für das Gymnaſium ſtand 
U. jedoch auch dem Aufblühen der Realanſtalten 
mit Sympathie gegenüber; nur blieb er der Über- 
zeugung, daß die humaniſtiſchen Schulen für die 
thrvlogiſchen , philojophiſchen , philologiſchen u. 
juriſtiſchen Studien die beſte Vorbereitung böten 
1. für die übrigen Beruſe keine ſchlechtere al3 die 
Realſchulen. Unverrüdbar feſt hielt er am Grie- 
qjiſchen, da3 er geläufig ſprach u. von den Schülern 
au in umſangreicher, genau überwachter Privat= 
lektüre pflegen ließ. Dieſe Sprache u. die philo= 
ſophiſche Propädeutik bildeten die einzigen Fächer, 
in denen U. ſelbſt (in der Prima) unterrichtete. 
Auch nur eine zeitweilige Zurückdrängung der klaſ= 
ſiſchen Studien erſchien ihm als ein ſchwerer kul= 
tureller Schaden. Von einer Ausbreitung ver Lehr= 
anſtalten mit lateinloſem Unterbau nach dem 
Frankfurter Lehrplan (|f. d.) befürchtete ex eine 
Schädigung der humaniſtiſchen Sache u. glaubte 
deshalb vor einer Verallgemeinerung dieſ«s Schul= 
typu3 warnen zu müſſen. Ebenſo wollte er von 
der Gablung in den obern Klaſſen nichts wiſſen. 
Dagegen war er ſtet8 darauf bedacht, den Wir- 
kungöfkreis des Gymnaſium3 in Unterricht u. Er- 
ziehung zeitgemäß zu erweitern. So führte er in 
ſeiner Anſtalt den Handarbeitsunterricht u. das 
geometriſche Zeichnen ein, förderte die muſikali= 
jhen u. dramatiſchen Beſtrebungen der Schüler 
vy. begünſtigte auc deren körperliche Ertüchtigung, 
ohne aber je vergeſſen zu laſſen, daß Erziehung 
zu ernſter geiſtiger Arbeit die Hauptauſgabe der 
höhern Lehranſtalten ſei. Einer „leichten Schule“ 
hat er nie das Wort geredet, wie er denn aud) die 
Überſekungen in da3 Lateiniſche u. Griechiſche 
ſelbſt in der Oberprima beibehielt. =- Da3 An= 
ſehen de3 Heidelberger Gymnaſium3 wuchs unter 
U.3 Leitung ſo ſehr, daß es ihm nie an Beſuchern 
des Jn= u. Auslande3 fehlte. Den leßten Plan 
1.3, die Humaniſten aller Länder zur Verteidigung 
des humaniſtiſchen Bildung3ideal8 zuſammenzus» 
ſchließen u. zum Austauſd) ihrer Erſahrungen eine 
internationale Korreſpondenz zu gründen, ließ der 
Tod nicht mehr zur Ausführung kommen, u. der 
Weltkrieg wird die Verwirklichung diefes Gedankens 
auf lange Zeit hinaus unmöglich machen. 
HI. Werke, U.3 Spezialſtudium bildeten von 
früh an die griechijchen Nationalgrammatiker, 
Sein wiſſenſchaſtliche3 Lebenswerk iſt die 1910 
vollendete Au8gabe der Syntax de3 Apollonio3 
Dyskolos (Apollonii Dyscoli de constructione 
libri IV rec.), der er ſchon 1883 die wichtige 
Aus8gabe der Tey-7y des Dionyſios Thrax (Dio- 
nysll Thracis ars grammatica) hatte vorau3- 
gehen laſſen. An dem Fortgang de3 hauptſächlich 
von ihm veranlaßten G. B. Teubnerſchen Sammels- 
werk3 Corpus Grammaticorum Graecorum 
 
 
Uhr, die, als Lehrmittel. 
 
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nahm U. mit Rat u. Tat regſten Anteil. Von 
ſeinen übrigen Werken ſeien noc<h erwähnt : Bmen- 
dationum Apollonianarum specimen (1862) u. 
„Die Einheitsſchule mit lateinloſem Unterbau“ 
(1892). Zu den pädagogiſchen Zeit= u. Streit= 
fragen nahm er oſt einſchneidend u. nicht immer 
jſanſtmütig Stellung in zahlreichen Artikeln des 
„Humaniſtiſchen Gymnaſium3“ od. aud der po= 
litiſchen Preſſe, ſowie in ſelbſtändigen Broſchüren 
u. ebenſo in ſeinen Vorleſungen. Namentlich die 
Beiträge zu ſeiner eignen Zeitſchriſt ſind ge= 
eignet, auch den ſpätern Geſchlechtern noch als 
wirkſames Rüſtzeug zu dienen im Kampfe für das 
humaniſtiſche Bildungsideal. 
Literatur. E. Grünwald, Guſt. U. („Huma 
niſtiſc<es Gymnaſium“ 1914, 83/103); F. Bu- 
<herer, Guſt. U. („Ztſc<hr. f. Geſch. d. Erzieh. u. d. 
Unterr.", 4. Jahrg. [1914], 2. Hft, S. 171 ff); vgl. 
auch : F. Gebhard, Der Gymn.-Verein, |. Geſch. u. 
ſ. Ziele (in „Feſtgabe z. 21. Jahres-Verſammt. d. 
Dtſc<. Gymn.»Ver. in München, 12. u. 13. Okt. 
1912“, hr8g. von CE. Stemplinger [1912]). 
[E. M. Roloff.] 
Uhr, die, als Lehrmittel, Daß die U. auch 
im Unterrichte mannigfache Berückſichtigung finden 
kann u. ſoll, muß ſchon aus ihrer hohen Be= 
deutung gefolgert werden. Wie oft ſchauen Kinder 
u. Erwachſene nach der U.; wie genau regelt 
ſich nach ihr der geſhäſtliche u. private Verkehr ! 
Deöhalb ſoll von der U. al3 einem hervorragend 
praktiſchen u. ſtets in irgend einer Form zur Ver= 
fügung ſtehenden Lehr» u, Veranſchaulichungs= 
mittel ausgiebig Gebrauch gemacht werden. Das 
geſchieht ſchon im Deutſchunterrichte der 
Unterſtufe. Erinnert ſei an die Normalwörter 
„UU.“ u. „Zeiger“, die nebſt entjprechenden Zeich= 
mungen nicht ſelten auf den erſten Blättern der 
Fibel auftreten. Sie bilden die Grundlage zu 
anregenden Beſprechungen im Anſchauung3unter= 
richte, wobei die Kinder ſo recht aus ſich herau8= 
treten u. Eigne3s geben können, Daß die Kleinen 
die U. außerordentlich begehrenöwert finden u. 
darum auch gern zeichneriſch) darſtellen, iſt be- 
kannt. Ein Rätſel („Wie heißt das Ding dort 
an der Wand? E3 ſchlägt u. hat doc keine Hand 
uſw.“) od. ein Liedchen („Hört, ihr Herrn, u. 
laßt euch ſagen“, „Große Uhren gehen tick, ta>“ 
od. „Tic, ta>, Uhrc<hen“) können zur Belebung des 
eigentlichen Lehrſtoffe3 dienen. Ob der Leſeunter= 
richt auch auf den andern Stufen auf die U, Bezug 
nimmt, hängt davon ab, ob einſchlägige Leſeſtücke 
zur Verfügung ſtehen. Auf jeden Fall kann man 
bei Aufſäßen u. Niederſchriften die U. berüſich- 
tigen. Themen wie: „Die U. an unſrer Kirche“, 
„Unjre Haus8-U.“, „Wa3 mit unſrer Wand-U, 
geſchieht“, „Woran der Schlag der U. erinnert“, 
ſind vankbare Stoffe für die ſchriſtliche Darſtellung. 
Cingehender muß ſich der Rechenunterricht 
mit der U. beſaſſen. Schon auf der Mittelſtufe 
ſollte das Ableſen der Zeit von der U. planmäßig 
geübt werden, Die Bedeutung der Zeiger u. der 
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