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Erzieher notwendig zunächst als Se/bs?-S., um
Seine Persönlichkeit an Sich, wie auch in ihrer
Reaktionsweise auf den Zögling kennen zu
lernen. Vor allem muß der Erzieher die Fremda-
B. pflegen, von der hier die Rede 1ist. Sie kann
eine zufällige Sein, muß aber im Dienste der
Erziehung SySzemat:isch gepflegt werden. Die
Systemat. B. kann wieder zweifach Sein : a) 2/772-
Schreibend; an der Handetwaeinesder bekannten
umfangreichen F.5509ge7n wird die PerSönlichkeit
in ihrem ganzen Umfange umschritten u. ein
Aligemeinbild aufgestellt. Diese Methode ver-
langt mehr psycholog. Fachkenntnis u. Zeit, als
in der Schule meist vorausgesetzt werden kann.
b) Die erklärende B. Sucht zunächst eine be-
Stimmte Frage zu klären (etwa bes. gute u.
Schlechte Leistungen). Sie geht dann Syste-
matiSch von einer Fragestellung zur andern, bis
die Kenntnis der Persönlichkeit hinreichend
gefunden zu Sein Scheint. Diese F.5wezSe Scheint
in der Schule die aussichtsreichste zu Sein. Man
beginnt bei den Schlechten Schülern u. geht zu
den guten über, um Sich Schließlich, in den
letzten Schuljahren, dem Miitelgut zuzuwenden.
Sie ist möglich bei geeigneter Zechnk. Man
macht während der Schulstunde Stichwort-
notizen, die möglichst bald ausgeführt u. über-
legt werden müssen. Monatlich oder viertel-
jährlich werden größere SyStemat. Zusammen-
fasSungen vorgenommen. Eine Solche B. ist die
notwendige Ergänzung u. Fundierung der päd.
Intuition, verinnerlicht das Verhältnis zum
Schüler u. zur Klassengemeinschaft, bewahrt
vor Schematismus, dem Tod jeglicher Päda-
gogik, ergänzt den modernen Arbeitsunterricht
u. wird gleichzeitig von ihm gespeist, iSt not-
wendig, wenn die Berufsberatung in ihrem heu-
tigen Umfang nicht Sinnlos werden 1. die Erzi1e-
hungsfürsorge die SO notwendige Unterstützung
durch die Schule finden Soll. Siehe auch die
Art. Personalerziehungsbogen u. Psychologie.
Schrifttum: M. Muchow, Anleitung zur pSy-
chol. B. von Schulkindern (* 1926); F. Giese, Hand-
buch pSsyvchotechn. Eignungsprüfungen (*1925);
W. Dörimg, Untersuchungen zur PSychol. des Leh-
rers (1925); O. Lipmann , PSychol. Schul-B., in:
Ztschr. für angew. PSvchologie, Bd. 17; H. Bogen,
PSychol. Schüler-B. im Dienste der Berufsberatung,
in: Ztschr. für päd. PSsychol. u. experim. Pädagogik,
21. Jhrg. Doch wird in die eigentl. Systematik der
erklärenden B. hier nicht eingeführt, über die der
Verf. ein Büchlein vorbereitet. Einzelnes Wertvolle
in H. Bogen, Psycholog. Grundlegung der prakt.
Berufsberatung (1927). Vorerst: ]. Bappert, Die
Systemat. B. in der Schule, in: Schulbote für Hessen,
7.V 111. 1926; ebenso in: Deutsche Schulea.d. Saar,
1.V.u. 1.1X. 1924, 15. X1. 1925, u. Preuß. Lehrerztg.,
3. NI1. 1925. 3. BHBappert.
Bergmann, Konrad Arnold.
Geb. am 4. X. 1883 1n Karlsruhe, widmete Sich
anden Universitäten Freiburg(Finke), München,
Berlin, Heid2lberg (Promotion bei Hampe)
Lexikon der Pädagogik der Gegenwart. I,
/
Bergmann, Konrad Arnold -- Bergmann, Paul.

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philos., histor. u. philolog. Studien u. wurde
nach dem philolog. Staatsexamen 1914 Pyo-
/fesSor in Karlsruhe u. 1928 Dzrekgtor der Lehrer-
bildungsanstalt Freiburg 1. Br. Neben Dramen,
Novellen u. ReiSeberichten veröffentlichte er
außer einer Reihe päd. Aufsätze: Die Bedeu-
tung des Nibelungenliedes für die deutsche
Nation (1924); Das ethische Bildungsziel der
höheren Schule (1925); Histor.-polit. Betrach-
tungen zur europ. Geschichte (1927).
Mehr als die ErziehungswisSsenschaft betont
B. gerade das Künzstlerische u. Schöpferische
im Erziehungsvorgang. Das wertvollste päd.
Schrifttum ist ihm die Weltliteratur u. die Welt-
geschichte die größte Erzieherin. Im Kampf
für Pascal u. Leibniz gegen Descartes u. Kant
ficht er gegen den Unterrichtsmechanismus, der
für ihn die Folge eines philos. Rationalismus,
eines theol. Kalvinismus u. polit. Absolutismus
iSt. Ausgehend von der christl. Einmaligkeits-
lehre vom MensSchen u. dem kath. Wandiungs-
gedanken, tritt er für eine organ. Auffassung des
Bildungsbegriffs ein, den er vor allem praktisch
in Seiner Lehrerbildungsanstalt in oft origineller
Weise zu verwirklichen Sucht. F. Spieler.
Bergmann, Paul.
Geb. am 3. XIIL. 1859 in Blumberg (Sachsen),
besuchte das kath. Lehrerseminar zu Bautzen,
Seit 1879 an den kath. Volksschulen Dresdens
tätig, bis 1924 Direktor der 4. Kath. VolkSs-
Schule daselbst, z. Z. Dozent für Methodik des
kath. Rel.-U. am Päd. Institut der Techn. Hoch-
Schule Dresden, gab mit Hofprediger Dienst u.
Direktor Rößler das 5bändige LeSebuch «Kin-
derfreund» mit Fibel für die kath. VolksSschulen
Sachsens, mit Dresdener Schulmännern das
Rechenbuch für Volksschulen in 5 Heften
heraus. Katholischerseits git er zur Zeit als
Hauptvertreter der pSycholog. Behandlung der
Bibl. Geschichte, die er auf dem 2. Münchner
Katechet. Kurs 1906 erstmals öffentl. an «Jesus
u. die Samariterin» mit einer Oberklasse u.
Seitdem auf großen religionspäd. Tagungen in
mehr als 50 Städten Deutschlands u. OsSter-
reichs zeigte. Er tordert, mit dem bibl. Tat-
Sachenverlaufe auch die Seelenvorgänge der
beteiligten Personen aufdecken, miterleben u.
verwerten zu lasSsen, SO daß die Schüler mög-
lichst eigentätig unter Zurücktreten der Lehrer-
frage die im Bibelwort verborgenen Heilswahr-
heiten herausarbeiten u. in Willensakten auf
das wirkl. Leben anwenden. Im Gegensatz zu
Knechts (s. d.) Kommentar, der die Bibi. Ge-
Schichte als Nur-Dienerin des RKatechiSmus
benützt, tritt B. für die möglichste Selbständig-
keit der Bibl. Geschichte als Ofienbarungsquelle
ein, SUCht den Schülern ein zusammenhängen-
des Leben Jesu zu bieten u. fordert christozentr.
Behandlung auch des Alten Testaments. Seine
method. Forderungen hat er niedergelegt in
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