457.
analysieren, 50 kommen wir wohl auf folgende
wesentl. Begriffsteile: chr. erziehen bedeutet zu-
nächst auf Cir:Sius hum erziehen, Christus zum
Ziel oder Ideal Setzen. Diese erzieherische
Christozentrik ist nun freilich zugleich Theo-
zentrik u. muß es Sein. Schon die edlen u.
frommen Denker der vor- u. außerchristl. An-
tike haben als des Menschen Wesen die Gott-
hnlichkeit u. als Seine Aufgabe die möglichst
große Verähnlichung mit Gott betont, so bes.
P/otin. Und die Offenbarung Selber bestätigt
(iese Anschauung. Der Mengch 1st nach Gottes
Bild u. Gleichnis geschaffen (Gen 1, 26), u. voll-
kommen zu werden wie der Vater im Himmel
(Mt 5, 48), Ist die große Lebensaufgabe des
Christen. So 1st allerdings die Erziehung theo-
zentriSch zu gestalten. Aber wie Soll man das
machen? Gott ist ein Gelist, u. der Mensch
Strebt 89 Sehr nach Anschaulichkeit. Nun wer
Christus Sieht, Sieht auch den Vater (Jo 14,9),
denn Sie Sind eins (Jo 10, 30). Gott leuchtete
auf... im Angesichte Jesu Christi (2 Kor 4, 6);
Christus iSt der Weg, also das Mittel, der Mitt-
ler, aber auch die Wahrheit u. das Leben, also
auch das Ziel u. Ideal. Durch Christus u. in
Christus kommt man demnach zu Gott. Darum
iSt chr. im Grunde wesensgleich mit theozen-
trisSch, während, Scharf unterschieden, natürlich
letzteres das primäre Ziel 1ist; denn auch Chri-
Stus hat die AbSicht, jetzt Schon alles dem Va-
ter zu Füßen zu legen (1 Kor 15, 24--28), wie
ihm denn auch des Vaters Wille u. Ehre über
alles geht. Dem entspricht auch die Linstellung
der Liturgie: Durch u. in Christozentrik wird
die Theozentrik erreicht, wobei die liturg. Stil-
reinheit bei der Opferfeier den Mittelscharakter
Christ! bes. bevorzugen läßt, indem die eigentl.
Optergebete Sich ausschließlich az den Vater
durch Christus wenden. Die geschichtstheol. u.
weltanschaul. Christozentrik der kath. Religion
wird auch im gegchichtl. u. Sonstigen Unter-
richt zur Darstellung kommen müssen. Auch
der Profanunterricht ermöglicht u. erfordert,
Fäden, die chr. gerichtet Sind, einzuzetteln.
Cnristus ist das Alpha u. Omega, der Anfang u.
das Ende, der erste u. der letzte (Offb 1, 8 17).
Chr. erziehen heißt Sodann, bei all Seinem
erzieheriSchen Tun u. Lassen den Zög/ng, das
Kind u. die menschl. Natur mit den Augen
Christi anzusehen. Christus betont die Not-.
| Schärfere Prägung gegenüber dem abgeschhit-
' fenen Wort christl. Erziehung wurde Schon hin-
| gewiesen. Auf die hohen Werte für die grund-
| Sätzl. religiöSse Erziehung wurde genügend in
' der begriff]. Darstellung abgehoben. Erwähnt
'' Sel nur noch, daß die Losung der chr. B. u. E.
| notwendigerweise die Einbeziehung des A7y-
wendigkeit der Wiedergeburt u. Setzt s0 den
Tatbestand der Erbsünde voraus. Er lehrt aber
aucn die hohe Würde, den Eigen-, ja, wenn man
80 will, den Mehrwert des Kindes, der es in
gewisser Hinsicht zum Ideal des Erwachsenen
macht, ohne darum die Notwendigkeit der Er-
ziehung des Kindes zu bestreiten ; ist er ja doch
Christozentrische Bildung u. Erziehung.

458
MK 10, 13f.; Lk 18, 15f.; Mt271, 15) u. Somit
an der Liturgie (s. Art. Liturgische Erziehung).
Chr. erziehen bedeutet, die Wertlehre Chris:
bei all Seinem erzieherischen Tun im Auge
haben u. verwirklichen. Und da gibt es nun
wertbergende Güter, die unvergänglich sind,
die an erster Stelle Stehen müssen, denen gegen-
über die andern Güter, So Sehr wir ihrer «Dbe-
dürfen» (Mt 6, 32), u. obwohl wir Sie Sogar
zum Gegenstand unseres Betens machen dürfen
u. Sollen (Brotbitte des Vaterunsers), wie die
kleine Dreingabe des Krämers bei einem großen
Kauf Sich ausnehmen (Mt 6, 33).
Chr. erziehen heißt aber auch, das Kind
wirklich in ezugsze Lebensbeziehung zu CiriStus
als dem Lehrer u. dem Erzieher bringen. Durch
die heiligmachende Gnade u. die Gnadenmittel,
vorzüglich die heilige Eucharistie (Früh-, Oft-
kommunion, lhiturgische u. bes. eucharistiSche
Erziehung), durch das Gebet tritt das Kind in
diese enge Lebensbeziehung zu Christus. Die
menschl. Bemühung des Erziehers, insbes. auch
des Katecheten, Soll Mittel dazu Sein. So stoßen
wir zugleich auf die MySsz7ig der christl. Er-
ziehung. -- Christus ist nicht bloß Erziehungs-
ideal, Sondern auch ZAyzzeßerideal. Und chr. B.
u. E. wird vom Erzieher fordern, daß er Sich
Christus, dem Erzieher, als Solchem nachzu-
bilden Sucht. Sein Charakterbild allgemein
kommt in Betracht u. dazu dann Seine Erzieher-
eigenschaften im besondern. Im Gegensatz zu
den Pharisäern, deren Leben ihre Lehre Lügen
Straft, fordert Christus nichts, was er nicht Sel-
ber durch Sein Vorbild vorlebt. Bes. beachtlich
Sind Seine ehrfurchtsvolle Grundhaltung allen
Menschen, vorzüglich auch den Kindern u.
Fehlentwickelten, leiblich, geistig u. Sittl. De-
fekten gegenüber, Seine Geduld u. Naiisicht,
Seine ganze Berufsauffassung als Dienst. Des
Heilandes Zehrart hat man stets bewundert, u.
noch Jede neue methodische Strömung bis zum
Arbeitsschulgedanken hat Sich auf Christi Lehr-
form berufen. Chr. E. bedeutet also eine Er-
ziehung zach Christi Geist u. nach Christus, dem
Erzieherideal, auf Christus 4/77, Gas Erziehungs-
ideal, durch u. zr Christus, dez mystiSsch-realen
Erzieher allein, u. Somit auch einen C/erricat,
' der in Geschichte u. Sonst Christus als ALttel-
u. Gipfelpunkt erscheinen läßt.
III. Bewertung dieser LoSung: Aut die
Selber Seinen «Eltern» untertänig gewesen! | chendegrifs erfordert. Denn wie wir zu Gott
Der Heiland lehrt das Anrecht des Kindes auf durch Christus kommen, So zu Christus durch
U. PaSSIVe Anteilnahme an Christus (Mt 19, 13f€.;
das Himmelreich, das Anrecht auf die aktive ; die Kirche. Derselbe Augustinus, der diescharfe,
' anscheinend ganz individualistisSch klingende

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