459 Codex Iuris Canonici
Formel geprägt hat: «Gott u. die Seele», der-
Selbe hat auch das weniger häufig zitierte Wort
geprägt: «Ich würde dem Evangelium nicht
glauben, wenn mich nicht die Autorität der
Kirche dazu bewegte.» Dazu kommt ein an-
deres. Gerade die ErzzeungsmyStik, die darin
besteht, daß das Kind in engste reale Lebens-
beziehung zu Christus gebracht wird, hat ihren
Grund qarin, daß jeder Mensch berufen 1Sst, ein
Glied am mystischen Leibe Christi zu werden.
Wer Sich aber von den Gliedern trennen will,
der trennt Sich von dem ganzen Organismus u.
damit auch vom Haupt. -- Wichtig 1st, daß auch
aufdie Bedeutung dieser LoSung für die Äzdtz/7-
erziehung aufmerksam gemacht wird. Zunächst
hat diese LoSsung nichts Enges. Wenn die chr.
B. 1. E. auch nur e77 Ideal kennt, So 1ist doch :
dieses Ideal der dvnp TeAeEIOG, der Vollkommene,
der AbSolute, u. es ist nun jedem möglich,
nach Seiner typischen u. individuellen Eigen-
art diesem Ideal von einer ganz bestimmten
Seite aus zuzustreben. So 1st grundsätzlich eine
Fülle von Sonderformen innerhalb der Kirche
möglich. Diese freie Entwicklungsmöglichkeit
aller berechtigten Typen u. Individualitäten be-
Stätigt die Ertahrung. Man denke an diereichen
Ordenstormen ; das beweist die Fülle der Indi-
vidualitäten unter den Heiligen u. Konvertiten.
Ja dieser Reichtum an Formen bei den Indivi-
äuen u. Völkern wird geradezu gefordert, da-
mit das Ideal der chr. B. 1. E., die Vollkommen-
heit Gottes durch Nachtolge Christi, möglichst
allsaitig u. umtaSsend zur Darstellung Kommt.
Daß die natürl. Güter der Natur u. der Kultur
durch die Höchstbewertung der übernatür)l.
nicht verachtet werden, daß die ersteren den
letzteren als Stützwerte gelten, daß jene durch
die Beseelung mit übernatürl. Werten Selber im
Werte Steigen, wurde Schon angedeutet. Dazu
kommt, daß durch die chr. Einstellung die
festeste Bindung zur Gemeinschaft unter die
Menschen kommt, daß durch Sie die Soziale
Gesinnung, die weit mehr bedeutet als inter-
imdividuelle Gesinnung, nämlich eine Gesin-
nung, die Sich auf Sozietäten bezieht, die nur
abstraktiver Erkenntnis deutlich werden, am
trefflichsten erwacht im kirchl. Gemeinschafts-
bewußtsein ; denn hier baut Sich Ja ein Solches
überindividuelles, herzlich geliebtes Sozialge-
bilde So anschaulich aus der Vergangenheit
herüber in die Gegenwart herein, u. es baut
Sich ebenso Sicher u. notwendig in die Zukunft
hinein u. muß Sich hineinbauen. So erSscheinen
in der chr. B. u. E. Individuum u. Gemeinschaft
aufs engste verkettet, was SOnsSt nur SO Schwer
gelingen will. In der chr. B. u. E. wird jedem
ULtlitarnismus ein Gegengewicht zugunsten der
reinsten Gesinnung geboten. So gilt allgemein:
Sogar allein der gute Erdenbürger. Er ist der
uneigennützige, der unermüdlich tätige, der
u Erziehung u. Schule. 460
opferwillige Erdenbürger, der nur das allg.
Wohl Sucht, den nie der Eigennutz oder die
leidenschaft]l. Anhänglichkeit an ein Erdengut
von der Pflicht abdrängt» (4. Gzber).
Schrifttum: St. Augustinus, Vom ersten
Rel.-U. u. die Sonst erwähnten Kirchenväter
(vgl. die neue deutsche Kirchenväterausgabe des
Kögel - Pustetschen Verlags, I911f.); J]. T. Rottels,
Erziehungs- u. Bildungslehre vom Standpunkte
christl. Philosophie (Regensburg 1832); A. Gruber,
Katechet. Vorlesungen über des hl. Augustinus'
Buch: Von der Unterweisung der Unvwissenden
in der Religion (Salzburg 1830); L. Bopp, Die er-
zieherisSchen Eigenwerte der kath. Kirche (1928);
Pius IX., Rundschreiben überdiechristl. Erziehung
der Jugend vom 31. XII. 1929: «Rappresentanti»
(1930). S. auch Art. Bibl. Geschichtsunterricht, II.
TL... Bopp.

| Codex Iuris Canonici u. Erziehung
u. Schule.
/C.I.C. = Codex Iuris Canonici.:
I. Das kirchliche Gesetzbuch: In Erfül-
lung verschiedener beim VatikaniSchen Kon-
zil gestellter Anträge, die infolge des vor-
zeitigen Abbruchs des Konzils (1870) nicht er-
ledigt werden konnten, hat Papst Pius X. am
19. IL. 1904 die Herausgabe eines neuen Ge-
Setzbuches der kath. Kirche angeordnet. Seit
den Dekretalensammlungen GregorsIX. (1234),
"Bonifaz" VIII (1298) u. Klemens' V. (1314) war
keim offizielles Gesetzbuch der Kirche mehr
-erschienen. Die Seitdem erlassenen Bestim-
mungen waren in vielerlei u. oft Schwer zu-
gängl. Sammlungen zerstreut, die keine Ge-
währ für Vollständigkeit u. Zuverlässigkeit DO-
ten; es war Schwierlg, die aufgehobenen u.
veralteten Vorschriften von den noch gel-
tenden zu Scheiden ; u. unter letzteren betanden
- SICh nicht wenige, die wegen der veränderten
"Zeitumstlände nur Schwer durchführbar oder
dem allgemeinen Nutzen weniger förderlich
waren. Demgemäß Sollte das neue Kirchl. Ge-
"Setzbuch unter Ausscheidung alles Veralteten
das geltende Kirchenrecht in Seiner derzeitigen
Anwendung (disciplina vigens) Sammein u. es
durch entsprechende Anderungen den Bedürt-
nisSen der Gegenwart anfpaSSen. ES iSt ein 2//'-
fasSendes GesSetzbuch, das a/le Verhältnisse des
innern Kirchenrechts (die Beziehungen zwisSchen
der Kirche u. ihren Mitgliedern u. zwiSchen den
Mitgliedern untereimander, nicht aber das Ver-
hältnis der Kirche zum Staat u. zu den andern
Religionsgescllschaften)regelt, u. ein ausSchle/3l.
Gesetzbuch, das alle biShernigen Kirchengesetze,
die ältesten wie die jüngsten, auch Ga, wo es
inhaltlich mit innen übereinstimmt, erSetzt. Von
Papst Benedikt XV. durch die Bulle «Providen-
tisSima Xlater» vom 27. V. 1917 publiziert, trat
es an Pfingsten (19. V.) 1918 in Kraft.
II. Erziehung u. Schule im kirchlichen
Gesetzbuch: Den ersten u. obersten Grund-

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.