733
Irre führende GleichSetzung der P. mit ange-
wandter Naturwissenschaft mißkreditiert. Dar-
iber darf nicht übersehen werden, daß das E.
;n der P. -- als Methode neben andern -- Seine
oroße Bedeutung hat. Es hat nicht nur die ex-
akte Bestätigung von päd. Erkenntnissen er-
hracht, die man bereits vorher unsystematisch
aus der Alitagserfahrung oder, wie Kant Sagt,
„us der Slaxen» Erfahrung gewonnen hatte. Es
hat auch zu wertvollen neuen Ergebnissen ge-
fährt u. dazu dem Berufslehrer größere Möglich-
keit zu einer Art wisSenschaftl. Tätigkeit ge-
geben, die ihn nicht vom Berufe weg bildet,
Sondern näher an ihn heranführt. Selbst der päd.
Verguch mit negativem Ergebnis weist häufig
noch einen posSitiven Erfolg auf, der darin be-
Steht, daß er Berufserstarrung, die gerade beim
Berufspädagogen So bedenklich ist, verhindert
u. geistige Lebendigkeit begünstigt. Der Lehrer,
der aus ErkenntnisShunger päd. E.e macht --
von ihrem Ergebnis zunächst einmal völlig ab-
gesehen --, Scheint mir wertvoller zu Sein als
derjenige, der ihrer nicht bedarf, weil er keine
noch ungelösten Probleme Sieht, Sondern nur
Seibstverständlichkeiten u. glatte Lösungen.
Schrifttum: Außer des im Text Genannten
u. den Schriften von Lay u. Meumann: E. Becher,
Die Rolle des E.S in derP., in: Päd. Kongregßblätter,
Jhrg. 7, H. 3-6, S. 195-202 (1925); G. Deuchler,
Mögiichkeiten u. Grenzen dere.P.(1926); W.Timpe,
Darstellung u. knit. Würdigung der Anwendung des
E.s in der Didaktik, in: Brandenburg. Schulztg.,
Jhrg. 66, H. 36, S. 323--324, H. 37, S. 333-335
1928); E. Hoffmann, Die eth. Grenze des E. s, in:
Die Erziehung, Jhrg. 4, H.2, S. 94--102 (1928).
F., Schneider.
Experimentelle PSychologie.
FE. = Experiment, e. = experimentell, P. = Psychologie.'
1. Ziel u.Weg: Eine der wichtigsten Weisen,
wenngleich nicht die einzige, die Rätsel des
Seelanlebens wisSsenschaftlich zu löSen. Im Ge-
genSatz einerseits zur philosoph. Seelenlehre,
die nach Wesen u. innerer Bestimmung der
Seele fragt, betaßt Sich die e. P. mit den e7-
prrisch (in der unmittelbaren innern Beybach-
ung) gegebenen Vorgängen des Seelenlebens.
O/ ST“
Diese ZUCHT Sie klar zu erfassen, aus ihren See-
1iSChen u. nächsten außerseeclischen ÜrSachen
zu erklären u. auf «Gesetze» SeelisSchen Ge-
Schehens zurückzuführen. Von andern Weisen
Experimentelle Psychologile.

134
Darstellungs- u. Kausal-E. (jenes fragt nach der
Eigenart der Vorgänge Selbst, dieses dient der
Aufdeckung der Bedingungs- u. Kausalzusam-
menhänge). Nach Gegenstand u. Form unter-
Scheiden Sich: &ez3-Erlebn:s-E. (Sucht Zuord-
nung zwischen veränderl. phys. Reiz u. Erlebnis.
Anwendungsbeispiel: PSychophysik derEmpfin-
dung), Zrlebn:s-Ausdrucks-E. (Sucht Zuordnung
zwiSchen bekanntem Erlebnis u. Seiner körperl.
Ausdrucksweise. Anwendungsbeispiel: elemen-
tare Gefühls-P.), pSychisches Xeaktions-E. (Sucht
Zuordnung zwisSchen Seel. Erlebnissen. Bei-
Spiel: Selbstbeobachtung bei planmäßig hervor-
gerufenen Denkerlebnissen), Zezszu7ngs-E. (prüft
die Leistungskraft u. -art der Seele in planmäßig
herbeigeführten Situationen, auch wo Selbst-
beobachtung u. Aussagen der «Versuchsper-
Son» unmöglich sind, wie bei Kleinkind u. Tier;
vgl. auch Art. e. Päd. 1.). Grundlage u. Seele aller
pSsycholog. Methoden bleibt die das Erleben
begleitende oder ihm folgende (rückschauende)
Selbstbeobachtung. Sie wird durch die «beha-
viorist.» Methode derbloßenErkundung derVer-
haltensweisen in manchem ergänzt, aber nicht
-- wie einzelne Behavioristen wollten -- erSetzt.
11. Ursprung u. Entwicklung. 1. DerPlan,
das SeeliSsSche dem (messenden) E. zu unterwerfen,
entsprang der naturwissenschaftl. Geisteshaltung
nach der Mitte des 19. Jahrh.s u. dem Staunen über
die Erfolge des E.s in den Naturwissenschaften.
Naturforscher hatten das Werden der e. P. vor-
bereitet: 5.2. JWw/ler(Satz der Spez. SinneSenergien;),
E. H. Weber(Webersches Gesetz) u.a. Der Physiker-
PhiloSsoph G&G. 7%. Fechrer wurde ihr Begründer
durch die Aufstellung einer Maßmethode für psych.
Größen (Elemente der PsychophySsik, 1860). Me-
thode u. Sachl. Ausbau der «PSychophysiK» cS. d.)
blieb Hauptaufgabe der e. P. in den ersten Jahren.
Zu reicherer Fülle führte die e. P. M. Wund! 'S. d.)
durch Syvstemat. Zusammenfassung des Erreichten
u. Erschließung neuer Gebiete (Gefühls-P. neben
Völker-P.), durch Einführung des psyvycholog. La-
boratoriums. 1885 leitete H. Ebbinghaus" Buch:
«Über das Gedächtnis» die moderne ASsoziations-
forschung ein. Ihr Klassiker nach Ebbinghaus
wurde G. &. 4Mielſler.
2. Die Entwicklung der e. P. Seit der Jahrh.-
wende kennzeichnen zunächst die Worte: DenK-
u. Ganzheits-P. In der Schule O. &7ilpes (S. d.) er-
folgte durch die Arbeit A“. Siillers (S. d.. 1907) der
: Durchbruch zur Denk-P. (Ss. d.) u. zu regem Er-
Se das E., die planmäßige (womöglich unter
willkürl. ÄnderungderTeilfaktorenw lederholte)
Herbeiführung Seelischer Erlebnisse zum Zweck
ihrerw iSSenschaftl. Beobachtung. (Quantitative,
in mathem. Formeln ausdrückbare Ergebnisse
werden angestrebt, Soweit der Gegenstand des
bören aber ebensowenig wesentl. zum psychol.
E. wie Quantität zum Seelischen.) Man unter-
Scheidet: nach dem Zweck des E.s zwischen
forschen der höheren Funktionen, wie: Schluß-
folgern, produkt. Denken, BegriffSbildung, Wille.
eimpiriSch-psycholog. Forschung unterscheidet : EN NO SC IB 22. 5
Inder denkpsych. Methode (system.Selbstbeobach-
tung) lag weitgehender Verzicht auf das Strenge
Ideal exakter Messung; dafür führte es zu ein-
dringlicheren qualit. Analysen u. zum Sehen des
Primates des «Geistigen» vor dem Anschaulichen
im Seelenleben. Den Primat des Ganzen vor den
;: Teilen im Seelischen betont die Ganzheits-P. ; Sie
E.S eine Solche Sinnvoll] u möglich s Sein läßt, ge- bekämpft die ältere e. P. (übrigens vielfach in pole-
misch einseitiger Darstellung ihrer Lehre, als Ele-
: menten-P., die im Seelenleben alles «Summativ »
deuten, die Art des Ganzen aus der Kombinations-
weise letzter psychiSscher Elemente erklären wollte.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.