Full text: Kinderfürsorge bis Zwangszustände (2)

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Technik des tägl. Lebens. Der LU. ist vor allem 
in vielen Volks- u. Hauptschulen.u. den Frauen- 
oberschulen durchgeführt. 2000 ögSterreich. 
Lehrerinnen Sind, in den Zardesverbänden u. 
dem RXezchsverband für LU. zusammengeschlos- 
Sen, Träger der durch die Referentin für Frauen- 
bildung im Bundesmin. für Unterr. geSchaffenen 
Bewegung. Zur Förderung des LU.s Sind 400 
Schulküchen anVolks-, Haupt- u. Mittelschulen 
begründet u. Wanderlehrerinnen für Kinder- 
pflege u. Ernährungskunde bestellt worden. 
Die Vorbereitung u. Ausbildung der Lehr- 
kräfte für den LU. erfolgt in Jahres- u. Ferial- 
lehrgängen, bes. auch im JZzstz/uf für Lebens- 
wirtschaft, Wien IN, Boerhavegasse 15, das 
auch Lehrgänge für Hochschülerinnen führt. 
Schrifttum: M. Scheler, Der Formalismus 
in der Ethik u. die materiale Wertethik (*1927); 
N. Hartmann, Ethik (1926); D. v. Hildebrand, 
Metaphysik der Gemeinschaft (1930); R. Guardini, 
Das Gute, das Gewissen u. die Sammlung (1929); 
G. Kerschensteiner, Charakterbegriff u. -erziehung 
(*1929); F. Klatt, Die Schöpferische Pause (18. bis 
21. Tsd., 1928); T. Lindworsky, Der Wille (*1923); 
St. v. Dunin Borkowski, Führende Jugend (* 1922). 
-- Lebenskundl. Werke: Außer den bekannten von 
F.W. Foerster u. E. Kruchen: E. Sander, L.(1*1923, 
II *1928, für Berufsschulen gedacht); L. Doxie, 
Ein Lebensbuch für junge Mädchen (1928) ; 
Guardini, Briefe über Selbstbildung (* 2. -- 
Von heiligen Zeichen (1928); W. Kluge, Sittl. L. 
(1921); O. Eberhard, Evang. L. auf wertpäd. 
Grundlage (1928); F. Weiler u. M. Weis, Re- 
ligiöse L. in der ländl. Fortbildungsschule (1929); 
Th. Bungenberg, Evang. L. (1929, Fortbildungs- 
u. Berufsschulen); R. Lochner, L. in der Volks- 
hochschule (1929); G. Hädicke, Arbeitsplan für 
den Unterricht in L. u. Gesellschaftskunde (1929); 
F. G. Metzler, Körperkultur u. Sittlichkeit (1930); 
H. Würtenberg, Das lebenskundl. Prinzip in der 
modernen Schule, in: Deutsches Philologenblatt, 
Jhrg. 38, H. 35 u. 36 (1930); A. Heinen, Lebens- 
führung (1926); M. Maresch, Die Lebenserziehung 
d. Jugend (1929); -- Neue Jugend (1929); E. Spran- 
ger, in: Deutsche Mädchendbildung, Jhrg. 6, H. 1 
(1930). 1.--111. M. Müller. IV. M. Maresch. 
Lebensphilosophie u. Lebens- 
pädagogik. 
[LPh. = Lebensphilosophie, LP. = Lebenspädagogik.] 
I. LebenspbiloSophie: Die in mannig- 
fachste Richtungen Sich zerteilende LPh. ist 
eine Erhebung gegen die rationale kant. u. 
neukant. Philosophie. Bringt Sie dem bloßen 
Denken gegenüber «Schau», «Intuition», «Er- 
leben», «Verstehen>, kurz, die vor- u. über- 
begriff. ErfasSung des «Lebens» -Flusses in 
ELinzel-, Gemeinschafts- u. geschichtl. Leben 
Zur Anerkennung, S0 Ist Sie doch zugleich auch 
Metaphysik des Erkennens. Denn Sie Spricht 
diese Erfassung Selbst, wie auch deren begriff- 
lich-wissenschaftl. Gestaltung als Äußerung 
Schon dieses Lebens an u. will 50 also eine 
ErfasSzung des Lebens durch das Leben, eine 
Lebensphilosophie u. Lebenspädagogik. 
 
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Selbstenthüllung also ihres Gegenstandes, des 
fließenden Lebens, Sein. Im Einzelnen das tra- 
gende Universale, im Relativen das AbSolute 
u. dieses als das undefinierbare «Leben» zu er- 
greifen, ist der Sinn einer LPh., die zur Meta- 
physik des Lebens Sich ausweitet. Auf eine Be- 
griffsformel läßt Sich ihr Gehalt u. ihr Wollen 
nicht bringen, da ihr Gegenstand, das «Leben», 
Selbst undefinierbar ist. So kann sie nach Inhalt 
u. Absicht nur in einer geschichtl. Skizze ihres 
Werdens u. ihrer Tendenzen erläutert werden. 
Im Irrationalismus R&ozusseaus, Hamanns, Her- 
ders Sich ankündigend, erreicht Sie im Individua- 
lismus der Zomartik, der durch «Polarität» u. «Or- 
ganologie» universalistisch gebunden ist, eine erste 
Blüte: das Individuelle ist Äußerung des organ. 
Lebens, das Relative Offenbarung des AbSoluten. 
Das Individuelle wird ergriffen in Glauben, Fühlen, 
Erleben. Schoperhauer gab der romant. LPh. die 
pessimist. Wendung. &. v. Zartmann einigte ro- 
mant. (Schopenhauer) mit spätidealist. (Schelling) 
Motiven zu einer LPh., deren letzte Erkenntnis u. 
Forderung die «ErlöSung» der im «Weltprozeß» 
«inkarnierten» u. «gekreuzigten Gottheit» durch 
das religiöse u. Sittl. Leben der geschichtl. Men- 
Schen war -- Gedanken, die 2/2. Scheler zuletzt er- 
neuerte. Aber auch im «bacchant. Taumel» der 
Hegelschen Dialektik der zu ihrer eigenen Totalität 
Sich entfaltenden «Wirklichkeit» des «Begriffs» 
Sowie in Hegels um Seine eigene «Grenze», Seine 
«Negation» wohl wissendem «absolutem Wissen» 
Schlummerten irrationale Momente wie ein zur 
Vollwirküchkeitdes Lebendigen drängender Wille. 
Nrzetzsches Kampf gegen Kants Allgemeingesetz- 
lichkeit hat Seine Parallelen im jungen u. im alten 
Flegel. Und S0 Sind NZetgsche wie Hegel, Romantik 
u. deutscher Idealismus in der heutigen LPh. 
allenthalben wirksam. Z. Zammachers wie R. K7o- 
ners Kultur- u. LPh. weisen in verschiedener Ziel- 
Setzung des Kulturlebens auf Zege/ zurück, u. Selbst 
ein 50 Scharfer Gegner der LPh. wie Z. Rickert 
hat für das «Atheoretische» volles Verständnis. 
Nietzsches gegen Schopenhauer gewandte Be- 
jJahung des dionys. Lebensrausches, die das Leben 
hebt in allen Seinen verzückten u. grausigen Ge- 
Staltungen, hat auch auf die «Empirie» der Freud- 
Schen Psychoanalyse gewirkt trotz deren einseitig 
erot. Deutung des irrationalen Instinkts. Aus Freud 
wie aus „VZetsSche aber entfließt, durch Backofernsche 
Geschichts- u. romant.(Cazs u. viele andere) Natur- 
philosophie bereichert, die LPh. von Z. AK/ages u. 
Seinem Kreis (vor allem Z. Prinzhorn) Sowie von 
Th. LesSing. Hier wird der «Geist» als mechani- 
Sierender, Lebensfülle wie -rhythmus verneinender 
Intellekt gegenüber der lebenverbundenen «Seele» 
entrechtet u. als «Jebens»feindlich abgewertet. 
Scheler dagegen Sah im «Geist» die Vollentfaltung 
des «Lebens»dranges. Das irrationale Leben der 
«Seele» u. ihr Gestalten eines kommenden, echte 
u. absolute Werte bringenden «Reiches der Seele» 
gegenüber der « Mechanisierung des Geistes» hatte 
Schon VV. Rathenau in fast religiöSser Sehnsucht 
intuitiv erspürt. 3. 32. Guyaus LPh. u. vorab FZ. 
Bergsons «Clan vital», Seine intuitive Verzenkung 
in die fließende, lebengestaltende «durte», Seine 
Wendung gegen den den Zeit- u. Lebensstrom zum 
Erstarren bringenden stat. Begriff u. dessen Un-
	        

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