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Struieren. Eine transeunte Kausalität, die aus
dem PhysiSschen in das Psychische hineinwirkt,
Scheint nur denkbar, wenn die gleichen Vor-
bedingungen, in erster Linie die Quantifizier-
barkeit, auch nach jenem «Übergang ins See-
lisSche» unverändert fortbestünden. Das ist aber
äußerst fraglich. -- Nun existiert Seit langem
eine dritte, freilich dem Sozusagen linearen
naturwissenschaft]l. Denken ungewohnte Theo-
rie, die aber heute, in den Tagen der «Ganz-
heitsbetrachtung» nicht s0o unannehmbar er-
Scheinen Sollte, die nämlich, die / Zomas v. Aquir
formuliert u. das IV. Lateranum wie das Vati-
kanum akzeptiert haben, worin die wesenhafte
SPsychophys. Einjeit der Ferson ausgesprochen
wird. 4. Kronfeld hebt, ohne gerade auf Thomas
Bezug zu nehmen, hervor, daß theoretisch diese
Auffassung Sich am besten rechtfertigen lasse,
für den prakt. Wissenschaftsbetrieb jedoch
Schwierigkeiten biete. Diese aber Scheinen,
wollte man nur mit der 50g. Ganzheitsbetrach-
tung Ernst machen, nicht unüberwindlich. Er-
wies Sich nun Sowohl die Hypothese des psycho-
phys. Parallelismus wie die der Wechselwirkung
als hinfällig, SO müßte der theoret. Unterbau
der P. Sich eine wesentl. Umgestaltung gefallen
lassen, u. es müßten ihre Schlußfolgerungen
einer andern Bewertung unterworfen werden.
Ausgangspunkt der klass. P., als deren Haupt-
vertreter G. 72. Fechner u. IW. Wundt genannt
Seien, ist das Sog. Webersche Geset2. KE. FH. We-
der fand, daß der Reizzuwachs, der notwendig
iSt, um den Reizunterschied merklich zu ma-
chen, in einem konstanten Verhältnis zum je-
weiligen Reiz stehe. Dieses Gesetz: das Ver-
hältnis von Reizzuwachs zu Reiz, dem ein eben
merkl. Empfindungsunterschied entspricht, gilt
in der Tat annähernd für mittlere Reizbereiche
u. im Schwellenbereich , nicht aber für Sehr
kleine u. Sehr große Reize u. nicht mehr für
deutlich überschwellige Reizzuwächse. (Ge-
naueres Ss. bei /röbes u. bei Lindworsky.) Im
Laufe der method. Ausarbeitung der P. hat Sich
deren Gebiet über die anfängl. Untersuchungen
der Beziehung von Reiz u. Empfindung hinaus
erweitert. Durch die Einführung Sstatist. Rech-
nungsweisen, die, Schon von Fechner in Angriff
genommen, von G. E. Müller u. bes. W. Wertk
ausgebaut wurden, wurde das nach Art eines
Naturgesetzes gedachte psSycholog.Gesetzquan-
Utativer Art mehr u. mehr durch statist. (Va-
nations-, Wahrscheinlichkeits-) Beziehungen er-
Setzt. Damit ändert Sich natürlich der Sinn
PSychophys. Feststellungen, indem dadurch die
Annahme der Eindeutigkeit der Zuordnungen
aufgegeben wird.
11. Für die Pädagogik hat diese Psycho-
logie 50 wenig wesentl. Erträgnisse gezeitigt,
wie Sie den andern, an Psychologie als Hilfs-
wisSenschaft oder Grundlegung gewiesenen
Disziplinen zu nützen vermochte. Daran trägt
Psychose.

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aber weniger gerade die quantifizierende u. auf
Messen abgestellte Haltung Schuld, als vielmehr
der dem ganzen pSycholog. Denken in der
zweiten Hälfte des 19. Jahrh.s eigentüml. Ge-
danke der Zl/ementenpsychologre (Ss. d.), welche die
Möglichkeit, komplexe Phänomene zu unter-
Suchen, von der Aufstellung verläßl.«Elementar-
gegetze» abhängig glaubte. Darüber Soll nicht
vergessen werden, daß die unermüdl. Arbeit
der psychophys. Schule eine große Zahl wert-
vollster Beobachtungen u. Feststellungen zu
Tage gefördert hat, die auch der «neuen»
Psychologie von Vorteil Sein werden, Sobald
einmal das Faktische, aus der theoret. Einklei-
dung befreit, objektive Würdigung finden wird.
-- In unmittelbarer Anwendung auf päd. Pro-
bleme hat man z. B. versucht, Ermüdung bei
Schulkindern mittels psychophys. Methoden
festzustellen, ein völlig aussichtsloses Unter-
nehmen, weil Ermüdung wesenhaft jeder Mes-
Sung entzogen ist. Neuerdings verspricht die
Anwendung der Methoden (nicht der Grund-
haltung) der P. in Verbindung mit andern der
Typologie wertvolle Dienste zu leisten, wie das
die Arbeiten der Schulen von ZZ. Yaeusckh, E.
Kretschmer u. O. Krokh zeigen (vgl. dazu bes.
G. Pfakler). Indes Sind alle diese Dinge noch
zu Sehr in Entwicklung, um eine unmittelbare
Nutzanwendung in der päd. Praxis zu gestatten.
Schrifttum: G.Th. Fechner, Elemente der
P. (81907); H. Driesch, Leib u. Seele (21923); --
Grundprobleme der Psychologie (* 1929); P. Schil-
der, Medizin. Psychologie (1924); A. Kronfeld, Die
Psychologie in der Psychiatrie (1927); W. Wundt,
Physiolog. Psychologie (*1908); J. Fröbes, Lehr-
buch der experimentellen Psychologie (I ?'/* 1923,
I1 31929); J]. Lindworsky, Experimentelle Psycho-
logie (*1927); R. Allers, Arbeit, Ermüdung, Ruhe,
in: Handbuch dersozialen Hygiene u. Gesundheits-
fürsorge, hrsg. von A. Gottstein, A. Schloßmann
u. L. Teleky, V (1927); A. Durig, Theorie der Er-
müdung, in: Körper u. Arbeit, hrsg. von E. Atzler
(1927); G. Pfahler, System der Typenlehren (1929).
R. Allers.
PsSychose.
P. bedeutet eine weitgehende Veränderung
der Persönlichkeit durch einen krankhaften
Vorgang, der vor allem die Seelischen Fähig-
keiten u. Tätigkeiten betrifft. Diese Verände-
rung kann durch verschiedene ungleiche FakK-
toren bewirkt werden, nämlich durch In-
fektion, Vergiftung, Körperkrankheiten u. ä.,
oder durch Stoffwechselstörungen, vitale Um-
Stimmungen uSw. oder endlich durch Seelische
Einwirkungen von außen oder innen. Diese
bewirken entweder eine organ. (= anatomisch
nachweisbare) Veränderung der Hirnsubstanz
oder eine funktionelle, d. Ii. meist vorüber-
gehende u.reversible, nurdie Lezs/u7rgbetr.Schä-
digung. Unsere bisherigen Kenntnisse erlauben
aber noch nicht immer die Sichere Einreihung
eines jeden Krankheitsbildes. Als formende

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