861 Schulleitung
abzulehnen. Auch muß die Erfüllung religiöser
Pflichten u. die Pflege des religiöSen Lebens im
Heim ohne Schwierigkeiten möglich Sein.
Schrifttum: Das S., Vorträge, hrsg. vom
Zentralinstitut für E. u. U. (1926); Der Reichs-
bund der deutschen S.e, hrsg. von T. Breckling
(1930); E. Lüdemann, Von der Schulfahrt zum
Landheim(1927); Die Freiluftschulbewegung, hrsg.
von K. Triebold (1931); Fr. Risse u. R. Troitsch,
Unsere S.e (1929); J. Lohmüller, S. u. Volksschule
(i. V.); Das S., Mitteilungen des Reichsbundes der
deutschen S.e e. V. (Seit 1927). ZZ. Loſmwriller.
Schulleitung u. Schulleiter.
[S. = Schule, SL. = Schulleitung.)
1. Begriff: Nach dem allgemein übl. Sprach-
gebrauch versteht man unter SLZ. die Leitung
der einzelnen S. Die nachfolgende Darstellung
beschränkt Sich auf die Volks-S. Zu unterschei-
den vom Begriff der SL. ist der Begriff des
Selbstverwaltungsrechts der S., an dem neben
der Gemeinde u. derLehrerschaft in vielen Län-
dern auch die Eliternschaft u. die Geistlichkeit
beteiligt Sind. Seiner Erfüllung dienen in den ver-
Schiedenen Ländern verschiedene Organe, So
in Preußen die S.deputationen u. S.vorStände, in
Bayern die S.A/Zegschafien, in andern Ländern
die Orzsschulbehörden. Ihre Zuständigkeit ist
verschieden geregelt ; in Preußen 1st ihnen in
erhebl. Umfange die Verwaltung der den Ge-
meinden zustehenden Angelegenheiten des
Volksschulwesens übertragen, während ihnen
in Bayern nur ein Recht der Beratung u. Antrag-
Stellung gegenüber der im allgemeinen allein
zuständigen Gemeindeverwaltung zukommt.
IT. Die Regelung der SL. in Sayer?r, die
durch das Ges. vom 1. VIIL 1922 Sowie die Voll-
zugsvorschriften hierzu vom 16.VIIL 1903 eine
Neuregelung erfahren hat u. in ihren Grund-
zügen auch der Regelung in vielen andern Län-
dern entspricht, ist im wesentlichen folgende :
I. Jede S. untersteht einem S.leiter. AIs S. in
diesem Sinn gelten die in einem S.gebäude unter-
gebrachten S.klassen, jedoch können mehrere in
verschiedenen S. häusern untergebrachte Klassen
der gleichen S.art zu einer S. vereinigt werden;
auch. können aus den in einem S.gebäude unter-
gebrachten Klassen mehrere S.n gebildet wer-
den. Für Klassen verschiedener S.arten (Bekennt-
nis, Simultan-S.n) ist Stets eine besondere S.
zu bilden. -- Der einzige Volksschullehrer einer
S. ist zugleich S.leiter. Die Leiter der S.n mit 2
u. mehr Lehrstellen werden von der Regierung,
Kammer des Innern, 1 in widerrufl. Weise ernannt.
An Mädchen-S.n mit ausschließlich weibl. Lehr-
körper ist als S.leiter eine weibl. Lehrperson zu er-
nennen. (Ähnlich ist die Regelung in Preußen, das
jedoch unter «S.leiter» nur die Inhaber der leiten-
den Stellen an S.n mit 3 oder mehr Lehrkräften ver-
Steht, während die Geschäftsführung an andern
S.n ohne weiteres dem ältesten Lehrer obliegt --
MinErl, vom 20. VI1. 1912 zur Ausf. des Deklara-
tionsges. vom 5.V11. 1912, wegen der weibl. Leitung
von Mädchen-S.n MinErl. vom 22. XII. 1922 =).
u. Schulleiter. 862
2. Unter den Azz//gaben des S.leiters ist her-
vorzuheben, daß er das Recht u. die Pflicht hat,
innerhalb des der SL. zugewiesenen Aufgaben-
kreises Anordnungen zu treffen, u. daß er insoweit
gegenüber den Lehr- u. den Hilfspersonen der
S.n Vorgesgetzteneigenschaft besitzt. Disziplinar-
gewalt Kommt ihm jedoch nicht zu. In die S.-
führung der Ständigen Lehrer hat er nicht einzu-
greifen, wohl aber iSt er zu Solchem Eingreifen
gegenüber unständigen Lehrkräften befugt. Der
S.leiter iSt ferner vor allem Mittelsperson zwischen
der S. u. den vorgesgetzten S.aufsichtsbehörden
Sowie Vollzugsorgan für deren Weisungen.
III. Dem Schulleiter steht der ZeRBrer-
rat (Lehrerkonferenz, Lehrerversammlung) zur
Seite. Seine Stellung gegenüber der SL. bildet
das Hauptproblem der ganzen Frage in der
Gegenwart, das Sich an die Schlagworte az/2072-
tative u. kollegiale SL. knüptt. Bei letzterer 1st
der S.leiter an die Beschlüsse des Lehrerrates
Schlechthin gebunden; nach dem System der
autoritativen SL. ist dies nicht der Fall. Diese
hat Sich nach vorübergehenden Schwankungen
ium wesentlichen wieder mehr durchgesetzt,
wenn auch verschiedene Länder, So Sader, vor
allem aber Sachsen, Württemberg, HesSsen u. die
FHansastädtie, noch in erhebl. Umtang ein Sy-
Stem der kollegialen SL. besitzen.
Nach der bayer. Regelung trifft der S.leiter
in Angelegenheiten, die Sich zu gemeinsamer
Beratung eignen, Seine Maßnahmen nach An- -
hörung des Lehrerrates, an S.n mit nur 2 Lehr-
kräften nach Anhörung des andern Lehrers.
Soweit es Sich um die äußern Angelegenheiten
des Rel.-U. oder der religiösen Betätigung der
Schüler handelt, hat er Sich mit dem Rel-
gionslehrer oder mit dem zuständigen Pfarr-
amt ins Benehmen zu Setzen. Bei Meinungs-
verschiedenheiten zwischen S.leiter u. Lehrer-
rat ist SOwohl nach preuß. wie nach bayer.
Recht die Entscheidung der vorgesetzten Auf-
Sichtsbehörde zu erholen.
IV. Die allgemeinen Aufgaben der SL.
umfassen die Anordnung u. Durchtührung aller
Maßnahmen, die der Aufrechterhaltung der
Ordnung u. dem gedeihl. Zusammenwirken der
Lehrerschaft einer S. im äußern u. innern S8.-
betriebe dienen. Dazu kommt als weitere be-
deutsame Aufgabe, mit den Erziehungsberech-
tigten ein Verhältnis gegenseitigen Vertrauens
anzubahnen u. zu unterhalten.
Wegen der Rechtsgrundlagen s. Art. S.aufsicht ;
ferner außer den vorst. angeführten für IWV7örttem-
derg : Dienstordn. für die S.vorstände u. Lehrer-
räte an den Volks-S.n vom 1. XI. 1927; HAesSen -
MinErl. vom 1. VII1. 1926; Zambdurg : Ges. über
die Selbstverw. der S.n vom 12. IV. 1920, 27. I1.
u. 21. 1V. 1922 nebst AusfBest. vom 30. IV. 1921.
Schrifttum: Art. Hauptlehrer, Rektor, Schul-
aufsicht, in: E. Roloffi, Lex. der Päd. II u. 1V;
H. Nohi u. L. Pallat, Handbuch der Pädagogik
IV, S. 118 (1928); die unter Art. S.aufsicht an-

geführten Quellen. TL. Osthelder.

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