Full text: Kinderfürsorge bis Zwangszustände (2)

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Geist? Niemand leugnet, daß eine einheitlich 
' geschlossene, mehr gegliederte S. ceteris parl- 
bus mehr zu leisten vermag als eine kleinere S. 
Ader die Frage ist doch, ob in den Bildungs- 
u. Erziehungsaufgaben die Organisation oder 
der Geist das Ausschlaggebende Sein Soll. Von 
hier aus erhält das Schlagwort vom «geordneten 
S.betrieb» eine ganz besondere Beleuchtung. 
-- All das erschöpft die ganze Verwicklung 
aktueller SP. aber keineswegs. Die Kräfte im 
Staat Sind in eine große Zahl von Parteien u. 
andern polit. Gruppen zersplittert. Jede von 
Ihnen vertritt ein anderes Schulpolit.Programm, 
das Sie mit großer Zähigkeit verfolgt. 
111. Einzelne Gruppen: 1.Die Sozialisten 
aller Schattierungen treten mit mehr oder weniger 
großem Nachdruck fürdie Einheitlichkeit, dieWelt- 
lichkeit u. Unentgeltlichkeit des gesamten S.wesens | 
ein. Das gilt zunächst von den &ommeunisten. Sie 
Suchen als Partei die weltl. S. als einzige Zwangs-S. 
im radikalsten Sinne durchzuführen. Über die ein- 
zuschlagendeTaktik ist man Sich nicht einig (s. Art. 
Weltl. S.). -- Die Ziele der Soz2alls?. SP. decken Sich 
im wesentlichen mit denen der K.P.D. Sie Sind Ja 
der konsequente Ausdruck Sozialist. Weltanschau- 
ung. Die weltl. S. als gleichberechtigte S.art neben 
andern gilt nur als Übergangsform. -- Wir haben 
hier die eine große Front, die auf der Staatl. S.hoheit 
aufbaut u. ein einheitl. weltanschaulich bestimmtes 
S.ideal für a2/e Bürger verpflichtend machen will. 
2. Die zweite Front, die Sich ebenfalls auf die 
Staatl. S.hoheit stützt, wenn Sie diese auch theo- 
retisch ganz anders unterbaut u. eine einheitl. S. für 
alle erstrebt, wird gebildet vom Liberalismus 
aller Schattierungen. Die Demokrat. Partei Steht 
ihr Ideal in der Gemeinschafts-S. auf religi6s-Sittl. 
Basis. Auch Sie tritt für den Zentralismus im S.- 
wesen ein. Ihr Schlagwort ist die Einheits-S. Tretf- 
fend hat die S.ziele zusammengefaßt G. Bäumer 
in ihrer Rede im Reichstag vom 19. X. 1927: «Wir 
Sind überzeugt, daß im Rahmen der Einheits-S. 
die Form gefunden werden kann u. muß, um die 
Verschiedenheiten der Weltanschauungen nicht 
nur zu berücksichtigen, Sondern zum posgitiven Auf- 
bau des Bewußtseins der Einheit deutscher Kultur 
wirklich auszuwerten ; denn es handelt 5ich nicht 
nur darum, diese Anschauungen irgendwie zu re- 
Spektieren, Sondern darum, Sie miteinander in le- 
bendigen Austausch zu bringen, um ausihnen her- 
aus etwas entstehen zu lassen, was voller, reicher, 
wertvoller u. infolgedessen auch gemeinschaftsbil- 
dender ist als Sie.» -- Man Sieht hier deutlich, daß 
auch die Demokraten ein weltanschaulich beding- 
tes S.ideal erstreben. ES ist die S. der Humanität. 
Da diese S. als die Einheits-S. vorläufig nicht mög- 
lich ist, müßte 5ie wenigstens Regel-S. Sein, der ge- 
genüber alleandern 8.n Ausnahmen bilden müßten. 
Den andern Flügel des Liberalismus Stellt die 
Deutsche Votgspartei dar. Sie hat ihre Ziele auf 
der Kulturtagung vom April 1927 50 umrissen : 
«Das Gesetz muß: 3) die S.hoheit des Staates un- 
zweideutig zum Ausdruck bringen. Das verfas- 
Sungsmäßig anerkannte Recht der Eltern findet 
Seine Grenze an dem überragenden Recht des Staa- 
tes. Es muß db) die Erziehung der deutschen Ju- 
gend zur nationalen Bildungseinheit Sichern, c) die 
Schulpolitik. 
 
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unterrichtl, Leistungsfähigkeit der S.gewährleisten, 
d) die Freiheit der Lehrerpersönlichkeit Schützen, 
e) in Wahrung der Gewissensfreiheit'die geschicht- 
lich gewordenen S.arten in ihrem Bestand u. ihrer 
Wesgensart erhalten u. Sie in ihrer Entwicklung 
nicht behindern. Die nach Art. 146, Abs. 1 der R.- 
Verf. vorgesehene „für alle gemeinsame S.“ muß 
den Charakter einer christl. Simultan-S. tragen. 
Die weltl. S. ist auf gesetzl. Grundlage zu Stellen.» 
Ferner wurde Folgendes gefordert: «Der amtl. Ein- 
fluß der Kirche auf den Rel.-U. muß in eine Form 
gebracht werden, wodurch die letzte Entscheidung 
über die Zahl der Religionsstunden, Lehrplan, 
Lehrbücher u. dgl. dem Staat verbleibt. Insbes, 
darf dieser Einfluß der Kirche auf den Rel.-U. nicht 
zu einer Kontrolle der Religionslehrer übersteigert 
werden.» -- Also auch hier Staatshoheit, Einheits- 
S., bestimmte weltanschaul. Prägung, bei der man 
Sich allerdings in 2 Lager Spaltet. Das eine neigt 
mehr der auch von den Deutschen Demokraten 
vertretenen allgem. relig. Grundlage zu, das andere, 
vorläufig noch stärkere, will die S. auf der unklaren 
Basis des christl. deutschen Kulturgutes errichten. 
3. Eine Schwer festzulegende Haltung in der 
SP. vertritt die Wirtschaftl. Vereinigung. Sie 
jehnt eine zu weitgehende Bevormundung der S. 
Seitens des Staates ab. Sie betont Gewissensfrei- 
heit u. Selbstbestimmungsrecht der Eltern. Was 
aber die Frage des Rel.-U. u. die Einsichtnahme 
Seitens der Kirche Sowie den geordneten S.betrieb 
angeht, s0 vermied Sie jede klare Stellungnahme. 
Die Simultan-S.n in Baden, Hessen u. Nassau Sol- 
len erhalten bleiben. ES ist also keine grundsätzl., 
Sondern eine opportunist. SP. 
4. Für die Nationalsozialist. Partei Sind 
Rasse u. Volk das primäre. Die bekenntnismäßige 
Einstellung der 8. muß davor zurücktreten. Der 
Elternwille Sei nicht die letzte Instanz. Die christl. 
Gemeinschafts-S. Soll zur Einheits-S. in Deutsch- 
land gemacht werden. 
5. Auch die Völk. Arbeitsgemeinschatft 
bekennt Sich zur S.hoheit des Staates. 
6. Die Deutschnationale Volkspartei zieht 
den wesentl. Gegensatz nicht in der Spannung Be- 
kenntnis-S. =- Gemeinschafts-S., Sondern in der 
andern christl. S. -- weltl. S. Sie tritt für die Gleich- 
berechtigung der 3 in der RVerf. vorgesehenen S.- 
arten ein. Nicht einheitlich ist ihre Stellungnahme 
zum Wesen der Bekenntnis-S. u. zur Erhaltung der 
Simultan-S. in den Ländern. Ihre Auffassung vom 
Rel.»U. u. 'dessen Beaufsichtigung ist Stark von 
Staatshoheitl. u. protest. GeSichtspunkten bestimmt. 
7. Das Zentrum u.die Bayer. Volkspartei 
Stehen auf dem Boden der Bekenntnis-S. (s. d.). 
die Sie aus grundsätzl. Erwägungen fordern. Sie 
gehen von den Grundrechten der Eltern vu. der 
Gewissensfreiheit aus, mit denen Sie vollen Ernst 
machen wollen. Daher erkennen Sie dem Staat 
bestimmte Rechte auf die S. zu, Sehen aber in der 
Staatshoheit eine ungerechtfertigte Überspannung. 
Daher kommt für 5ie ein S.monopol nicht in Frage. 
Sie verlangen vielmehr aus grundsätzl. u. bildungs- 
prakt. Gründen die freie Entwicklungsmöglichkeit 
der Privat-S. Sie wollen nicht, daß große Teile des 
Volkes unter ein Sonderrecht gestellt werden (Si- 
multarschulländer); Sie v erlangen, daß alle Eltern, 
die es wünschen, ihre Kinder in Bekenntnis-S.n 
vollendeter Prägung Schicken können, in denen
	        

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