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Glaubenslehre (?7* 1920, mehr die dogmat. Seite) ;
Kath. Ehe, Vorträge, hrsg. vom Kath. Deutschen-
Frauenbund (*1927); Ehe u. Jungfräulichkeit, hrsg.
von R. Guardini (1926); D. v. Hildebrand, Reinheit
u. Jungfräulichkeit (3.--8. Tsd., 1928); A. Kolnai,
S. (1930, mehr eine Sexualphilosophie). &. Gezs.
Sexualpädagogik u. geschlechtliche
Erziehung,
[S = Sexualpädagogik, g. E.= geschlechtl. Erziehung.]
1. Sexualpädagogik: Aus der Besonderung
der Aufgabe, den Heranwachsenden zu kor-
rekter Haltung gegenüber der Tatsache der
Geschlechtlichkeit zu erziehen, wie aus den
diesem Gebiete eigenen Schwierigkeiten hebt
Sich als besonderes Stück von Erziehung
die Sexualerziehung ab. Ihr liegen z. T. Sehr
entgegengesetzte Theorien zugrunde; deren
Kritik ist die S. Je nach der philosophisch-
weltanschaul. Auftassung des Grundverbhält-
nisses zwiSchen Geist u. Körper teilt Sich S.
I. in die Auslebeteorie, die Schwächlich alles
gewährt, wasdas Triebleben fordert (Z. Lzndsey,
M. Hodann, G. Wyneken) ; 2. in die AusSschal-
Zungstheorie, Sei es die Prüderie, die Angst vor
dem Geschlechtlichen, oder die moderne Ka-
meradie, das Verwischen der geschlechtl. Son-
derart (F. Klatt); 3. in die Ausgleichstheore,
die ehrfurchtsvoll u. mit heiliger Scheu der
Schöpferischen, aber auch dräuenden Gewalt
der Geschlechtlichkeit begegnen lehrt (Kath.
Pädagogik, Zr. W. Foerster). Kath. S. Sieht zu-
dem die geschlechtl. Fruchtbarkeit im Sakra-
ment der Ehe gehelligt.
IT. Geschlechtl. Erziehung: 1. Wesen
u. theoret. Grundlagen. G. EL. ist die
erzieher. Hilfe, den Forderungen der Sexual-
ethik (5. d.) unter Berücksichtigung der Sexzal-
Dsychologie (s. d.) gerecht zu werden, näherhin
die päd. Emportführung durch die Keuschheit
des Jugendalters zur Keuschheit des ehelich
oder allein im Leben Stehenden. a) Weil Ge-
Schlechtlichkeit eine Zazsache von weittragend-
Stem Einfluß auf die menschl. Individualität
iSt, kann g. E. niemals den Weg des Versteckens
dieser Tatsache gehen. Zudem ist Keuschheit
nur Tugend, Sofern Sie dewußte Sittlich reine
Haltung ist; Sie Setzt eine Auseinandersetzung
mit den Schwierigkeiten der geschlechtl. Lei-
denschaft voraus. b) Weil Geschlechtlichkeit
eine 7vebmacht darstellt, kann das Wissen um
Ihre Wirkweise u. um anatom. oder medizin.
Einzelheiten (Gexuelle Aufklärung) niemals
durch Sich zur Keuschheit, d. h. zur Sicherheit
u. innern Freiheit gegenüber den Triebnöten
führen. Detailwissen kann je nach Lage u.
Alter eher eine Schwere Belastung Sein. c) Weil
Geschlechtlichkeit, bes. in ihrem ersten Er-
wachen, als persönl. Ge/eimais empfunden wird
U. auch an das Innerste des Verhältnisses Geist-
Körper rührt (v. Hildebrand), ist die wesent-
Üchste Methodik g. E. die Anleitung u. Schaf-
Sexualpädagogik u. geschlechtliche Erziehung.

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fung tiefster, vom Willen getragener Ehrfurcht
vor dem gottgewollten Sinn u. Zweck .der ge-
Schlecht]. Veranlagung. Diese Ehrfurcht ver-
langt als Vorbereitung die S/ufenweise Einfüh-
rung in diese Lebensgeheimnisse, u. deshalb
dauert g.E. durch die Jugendzeit, bes. die Ado-
leszenz, hindurch.
2. Inhalt. a) Stufenweise Einführung in
klares WzisSen. &) Vor der Pubertät: Wenn
auch dem kindl. Bewußtsein geschlechtl. Er-
lebnisse Spontan Sich nicht aufdrängen, äußert
Sich doch ein verborgenes Interesse in harm-
logen Fragen über Ursprung der Kinder u.
Unterschied der Geschlechter. Der Kernge-
danke der Antwort sei: «von Gott -- der Mutter
geschenkt», 1u.: «von Gott 50 geschafien u. ge-
wollt». Die Form der Antwort ist für Vertrauen,
Offenheit u. Ehrturcht des Kindes oft iürs
ganze Leben bestimmend. Die vorläufige Ein-
weihung in das Geheimnis der Mutterschait
(nur in ganz großen Zügen!) wirkt auch Schon
für das Kind als Anbahnung keuscher Ehr-
furcht, als Unterbindung frecher Neugierde u.
als Schutz gegen niedrige Autklärung. 8) In
der Pubeszenz (zw. 12. u. 16. Jahr): Die Zeit,
welche die körperl. Reifungsanzeichen (bes.
beim Mädchen) u. die erwachenden Trieb-
regungen (bes. beim Knaben) bringt, verlangt
Stufenweise Weiterbildung des Verständnisses
für das Naturhafte des geschlechtl. Entwick-
lungsprozesses u. für die Art, ihm hygienisch
(Körperpflege!) u. charakterlich korrekt zu
begegnen. Wichtig ist, unterscheiden zu lehren,
wo die Grenzen etwaiger Schuld bei Sinnl. Auf-
wallung gelegen Sind. -- Es tauchen daneben
Fragen um Sinn u. Form der Beziehung der
Geschlechter (Freundschaft, Liebe) auf, die der
Erzieher mit den Forderungen des Verzichtes
auf offene oder geheime Liebeleien beantworten
muß. In der Sehnsucht u. Erwartung des Puber-
tierenden auf die «Weite» des Sich ihm eröft-
nenden Lebens nimmt er Solche Führung u.
Hilte an, wenn Sie nur jede kleinl. Verdäch-
tigung vermeidet, an die Reinheit des ersten
Liebessehnens glaubt oder auf die Rückgewin-
nung verlorener Reinheit hofft. Y) In der Ado-
leszenz (vom 17. Jahr ab bis über 20): Die
Zusammengehörigkeit der Geschlechter 1in
Liebe u. Achtung, nicht in Liebelei u. PreiIs-
gabe, kann erst in der Zeit der Seel. Charakter-
reifung zu voller Klarheit gebracht werden, u.
zwar durch tiefere Einweihung des Heran-
gewachsenen in das Geheimnis der Vaterschaft.
Medizin. Detailkenntnisse werden allgemein
wichtig in der Zeit der Entscheidung tür eine
Ehe, in vereinzelten Fällen auch früher, Soweit
das Gesundheitsinteresse es fordert nach dem
Grundsatz: « Wissen ist von da ab notwendig, wo
Unwissenheit in Getahr bringt.» Deshalb muß
auch das erzieherisch viel Schwierigere dem
jungen Menschen anvertraut werden: die Tat-

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