961
ursprünglich eigenen zeitl. Ordnung. Die heutige
Psychologie Sieht im Raum- u. Zeitbewußtsein an-
geborene u. nicht weiter erklärbare Naturnotwen-
digkeiten, die aber in ihrer Entwicklung durch die
Erfahrung beeinflußt werden. So beruht auf Erfah-
rung dieVerschmelzung von Seh- u. Tastraum u. die
Schätzung der Zeitverhältnisse unserer Erlebnisse.
II. Sinnestäuschungen: Unsere Raum-
auffassung iSt Täuschungen unterworfen, unter
denen neben «Scheinbewegungen» die «geo-
metrisch-opt.» Täuschungen (Richtungs-, Strek-
Ken-, ASS0ZLationstäuschungen) bekannt u.phys.-
pSychol. erklärt Sind. In das Gebiet des Krank-
haften Spielen die S.estäuschungen hinüber, bei
denen die W. durch den abnormen Einfluß zen-
tral erregter Vorstellungen gefälscht wird, sei
es, daß eine Vorstellung überhaupt für objek-
tive Wirklichkeit genommen (FHZallusination),
Sel es, daß die W. des objektiv Wirklichen nur
durch reproduktive Elemente falsch ergänzt
oder gedeutet wird (7/lus201z). Beide Formen
der S.estäuschung Sind auf allen S.esgebieten
möglich. Halluzinationen können durch Gift-
wirkung, Fieber, Gemütserregungen u. Psycho-
Sen verursacht Sein u. Sind dadurch gefährlich,
daß Sie die Grundlage für krankhafte Formen
des Denkens u. für verfehite Handlungen bilden.
Fehlt bei der Sinnl. lebhaften Vorstellung das
Realitätsgefühl, So Spricht man von /yeudohallu-
327nationen, mit denen die ezdet. Erscheinungen (s.
Art. Eidetik) nahe verwandt Sind. Im gesunden
Seelenleben treten Halluzination u. Ilusion bes.
leicht im Übergangszustand zwiSsSchen Schlafen
u. Wachen auf (/y/ragoge Halluzination).
III. Sinnesbildung: 1. Auf die Bedeutung
der S.e für das geistige Leben u. auf die Not-
wendigkeit der 3B. hat die Pädagogik Stets,
wenn auch mit wechselndem Nachdruck, hin-
gewiesen. Daß die Erziehung heute der SB. eine
größere Bedeutung denn je beimißt, ist die not-
wendige päd. Konsequenz aus der Technisie-
rung des Lebens. Im «Maschinenzeitalter» for-
dertschon der gewöhnl. Tageslauf des einfachen
Menschen Stärke, Ausdauer, Wachheit u. Unter-
Schiedsfeinheit der S.e, u. auch die geistige Ar-
beit ist auf weiten Gebieten unter die hochent-
wickelte Leistung des S.esapparates als ihre
erste u. unerläßl. Vorbedingung gestellt. Neben
dem Gesichts- u. Gehörs-S. haben die E.en des
Tast-S.es eine Bedeutung erlangt, die es recht-
fertigt, diesen S. den «höheren» S.en zuzuzählen.
2. Aufgaben. «Die physiolog. Entwicklung
der Funktion der S.esorgane» erreicht «in den
allerersten Lebensjahren ihren Höhepunkt»
(W. Peters a. 2. O.). Ob u. in welchem Maße die
physiolog. S.eSsanlagen durch Übung verbessert
werden können, ist noch ungeklärt. Sicher ist,
daß die W.sfähigkeit durch Übung vervoll-
kommnet werden kann, u. zwar durch Übung
der den S.eseindruck verarbeitenden geistigen
Akte. Die Forderung 4/. Mozrtessorzs (s. d.), die
Lexikon der Pädagogik der Gegenwart. I1.
Sinne u. Sinnesbildung.

962
geistige Erziehung durch eine physiolog. v07-
zubereiten, besteht daher nur inSsoweit zu Recht,
als im frühen Kindesalter hauptsächlich die an.
den S.eseindruck unmittelbar anschließenden,
für Seine Weiterverarbeitung grundlegenden
analyt. Akte des Unterscheidens u. Verglei-
chens Sowohl hinsichtlich der Qualität wie der
zeitl. u. räuml. Ordnung Seiner Inhalte unter
Zurückdrängung von Vorstellungselementen
geübt werden Sollen (Kultivierung der S.e). Die
weiteren Aufgaben der SB. werden bestimmt
durch die Forderungen, die C/. Bäumker an die
«gebildete Anschauung» (s. d.) Stellt. Dazu ge-
hören neben Akten der Azalyse die Syrthet.
Tätigkeit der Zusammenfassung der S.eSein-
drücke unter Kategorien, «die Gliederung der
Anschauung im Gegenstande» (s. die Art. Be-
obachten [4.], Gestalt- u. Ganzheitspsychologie),
ferner das Bereithalten von Einzelelementen
früherer W.en oder von vollinhaltl. typ. Vor-
Stellungen, die als «Einstellungen», als «er-
regte Dispositionen» des S.esinhaltes» ermöglichen (s. Art. Apper-
zeption), endlich die Jeterminierende Einwirkung
des Willens, von der die Zuverlässigkeit der
Beobachtung abhängt. In dieser Auffassung iSt
SB. Grundlage u. Vorübung des abstrakten
Denkens, das Sich der gleichen Aktklassen be-
dient (s. die Art. Denken, Denkpsychologie). In
der Erziehung zu gewissenhatfter Beobachtung
liegt die Sz/t/. Aufgabe der SB. (s. Art. Kinder-
aussage). Mit bestimmten Verschmelzungen
u. Gestalt-W.en des Gesichts- u. Gehör-S.es
(Harmonien, Proportionen, Rhythmen) Sind
elementare Gefühlserlebnisse des Sinnl. «un-
interessierten Gefallens» verbunden, die die
Grundlage des &s/ſiet. Genusses bilden u. daher
Ausgangspunkte für die ästhet. Erziehung Sind.
3. Mittel der SB. (s. die Art. Anschau-
ung, Beobachten, Anfangsunterricht, Arbeits-
Schule). Besonderer Veranstaltungen für Syste-
mat. SB., wie Sie Mortessor? in ihrem Material
für 6--1 2jährige Schüler bietet, bedarf die
Schule nicht. Wie der wegen der Schärfe Seiner
S.eSbeobachtung gerühmte «Naturmensch»
Seine S.e im Rahmen der Erfüllung komplexer
Lebensaufgaben Schult, s0 kann u. muß die
Schule auf allen Stufen die S.e im Rahmen all-
gemeiner Bildungsaufgaben Schulen. Der ent-
wicklungstreu aufdenKindergarten aufbauende
Anfangsunterricht wird der SB. heute wohl all-
gemein gerecht. Im /Zezmatkundl. Stammaunter-
richt ist intensive ErfasSsung der Gegenstände
mit allen S.en, die im Bericht über das S8.es-
erlebnis, in der zeichner. u. körperl. Darstellung
ihre Kontrolle findet, Vorbedingung für die Bil-
dungswirkung des Lehrgutes. Für die Durch-
führung des Arbeitsschulprinzips, das in dem
Sachunterricht der oberen Stufen am reinsten
verwirklicht werden kann, ist Selbstverständl.
Voraussetzung, daß eine verstandesmäßige Ab-
3t

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.