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Steiſies, Johann Peter. -
Geb. am 27. VIII. 1883 in Outscheid (Eifel), sStu-
dierte S.in Trier u. Berlin Theologie u. Philosophie,
promovierte in Würzburg zum Dy. Zkeol., in Mün-
Ster zum Dr. DRZ, habilitierte Sich 1920 ebd., wurde
1922 Weltanschauungsprofessor im Franfurt a. M.
u. Göttingen, 1923 0. öd. Professor in Nimwegen, 1927
in Münster 1. W. Seit 1929 Iist S. Dozent u. wissen-
Schaft]. Leiter des Deutschen Instituts für wiss. Päda-
gogik, das er im Geiste Seiner Gründer weiterführt.
Die wissenschaftl. Arbeiten von S. beziehen
Sich in erster Linie auf die Probleme der kath.
Religionsphilosophie u. vergleichenden Reli-
gionswisSenschaft, die er unter Heranziehung
geisteswissenschaft]l. u. kulturphilosoph. Pro-
bleme tiefgehend aufroilt. Infolge der Stark
betonten geisteswissenschaftl. u. kulturphilo-
SOph. Gesichtspunkte hat S. in Seinem ganzen
Schrifttum zu den Problemen der Bildung ein
naheliegendes Verhältnis.
S. veröffentlichte: Hauptprobleme der Philoso-
phie (1919); Einführung in das Seelenleben (1920);
Hellas u. Rom (1920); E. v. Hartmanns Religions-
Philosophie des Unbewußten (1921); Repräsentan-
ten religiöser uU. profaner Weltanschauung (1921,
21924); .Das Wesen des Gnostizismus u. Sein Ver-
hältnis zum kath. Dogma (1923); Staatsauffassung
der Moderne (1925); Religionsphilosophie (1925);
Industriearbeiter u. Seelsorge (1926); Katholizis-
mus u. Wissenschaft (1929); Religion u. Politik
(1929); Die Religion im Zeitalter des Hochkapita-
lismus (1931). Von zahlreichen Abhandlungen u.
Aufsätzen Seien als einschlägig genannt: Katholi-
zismus u. Bildung, in: Nassauische Schulztg., Nr. 16
u. 17 (1929); Religion im Verhältnis zu Gesellschaft,
Staat u. Wirtschaft, in: Staatslexikon, hrsg. von
H. Sacher, IV (*1931); Aufklärung, ebd. I (*1926);
Zur Verlebendigung der religiösen Bildungsarbeit,
in: Das Neue Reich, ſhrg. 13, H. 2 (1930); ErlöSung
des technisierten Zeitalters zur Religion, ebd., H.8;
Zeitergriffene Erziehung, ebd., H. 17(1931); Die Ju-
gendbewegung als geistesgeschichtl. Problem, in:
Schönere Zukunft, Jhrg. 5, H.6/7 (1929). S. ist Mit-
herausgeber der Ztschr. für Missions- u. Religions-
wissenschaft, der Vierteljahrsschrift für wiss. Päd.
u. ihrer Ergänzungshefte (Seit 1929), Fachleiter am
Lexikon für Theologie u. Kirche.
H. Brunnengräber.
Steiner, Rudolf,
Vaterdersog. Anthroposophie u. Stifter der Anthro-
posoph. Gesellschaft, mittelbar durch F. Rel
meyer der «Christengemeinschaft», der freien Wal-
dorfschule, geb. am 27. 11. 1861 zu Kraljevie an der
damaligen ungarisch-kroat. Grenze von deutsch-
öSterr., kath. Eltern. Nach Realschulbildung be-
reitete Sich S. auf die Reallehrerprüfung vor, dehnte
aber Seine Studien vielseitig aus u. Aromovierte
zu Rostock in Philosophie. -- Goethestudien, Schon
in Seiner Wiener Studienzeit gepflegt, führten ihn
ans Goethe-Museum in Weimar; von hier aus trat
er mit E. Zaeckel (Jena) in Beziehung; hier Sah er
den geisteskranken NZe/2Sche u. versenkte Sich in
Seine Anschauungen; die Übernahme des «Ma-
gazin für Literatur» (1887) führte ihn in die be-
wegtesten literar. Kreise Berlins, wo er auch als
Steffes -- Steiner -- Stenographie.

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Lehrer an der vom älteren IW. Zzebkneckt gegr. Ar-
beiterbildungsschule wirkte. Hatte. er Sich noch
in Seinem Magazin abfällig über die theosoph. Be-
wegung ausgesprochen, So hält er Schon gegen die
Jahrh.wende «esoter. Vorträge» in theosoph. Zir-
kein, wird 1902 Mtglied der Internat. Theosoph.
Gesellschaft u. Gerneralsekretär der Deutschen Sek-
tion. Seit 1906 entfremdet er Sich mehr u. mehr
der überstark indisch gerichteten Theosoph. Gesell:
Schaft. 1913 ausgeschlossen, gründet er die Anthro-
posSoph. Gesellschaft. Krieg u. Nachkriegszeit füh-
ren S. auf wirtschaftl., Sozialpolit., päd. Gebiet. Der
Hauptsitz der Gesellschaft ist zu Dornach bei Basel,
wo das Goetleanum, freie Hochschule für Geistes-
wiSsSenschaft, entstand. S. Starb am 30. 111. 1925. :
S.S Bild Schwankt noch, von der Parteien
Gunst u. Haß verwirrt. Seine Kritiker finden
in Seinem Leben eine Reihe von Entwicklungs«
Stufen, die Sich keiner einheitl. Leitlinie fügen;
u. in Seiner Lehre eine Menge von Entlehnun-
gen aus Mythus u. Sage, Kirchen- u. Sekten-
geschichte, Philosophie u. Theosophie. Gegen-
über dieser Synkretist. Auffassung Seiner Gedan-
kenwelt Sucht S. die vorliegenden Tatsachen als
geradlinigeWesensentfaltung zu deuten. Formal
offenbart S. Starke Führereigenschaft. Seine Ge-
tolgschaft hinganihm in grenzenloser Devotion.
Material stellt S.s Lehre das Sammelbecken
mannigfachster Zeitströmungen dar.
Sollte Sich die Anthroposophie erhalten u.
ausdehnen, So mußte sie Sich auf das Gebiet
der Pädagogik begeben. Dazu kam die beson-
dere Anlage u. frühere Betätigung 8.5. Er grün-
dete mit Kommerzienrat 4. Molt ig19 die free
Waldorfschule bei Stuttgart, die auch ander-
wärts Ableger bekam, u. hielt eine Reihe von
Lehrerkursen ab. Dazu treten Aufsätze u. ein
Schriftchen 3.5: «Die Erziehung des Kindes vom
Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft.» Doch
ist das ganze Schrifttum S.s zum Verständnis
Seiner Pädagogik nötig. Faßt man den Begriff
Erzieher im weiteren Sinne als Former u. Bild-
ner des geistigen Lebens überhaupt, SO Ist S.
Erzieher Seiner Anhänger, mit Vorzug der ihm
Näherstehenden geworden.
Darstellung u. Beurteilung der anthroposoph.
Pädagogik Sowie Schrzftltem 5. unter Art. Anthro-
posoph. Pädagogik. LD. Bobb. /
Stenographie.
I. Name vu. Wesen: Die Wandlung im Be-
griff drückt Sich im Namen aus: aus der Zacky-
graphie der Griechen u. Römer wurde s«8.>,
wörtlich: Engschrift. Der Name wurde ver-
deutscht in Schnellschrift, heute Kurzschrift. Das
Wesen besteht in einfachsten Zeichen für Mit-
u. zusammengesetzte Laute, Sinnbildl. Andeu-
tung der Selbstlaute, vereinfachter Rechtschrei-
bung, festen Abkürzungen (S;gel) tür die häu-
figsten Wörter, Vor- u. Nachsilben.
II. Entwicklung: Schon Griechen u. Römer
hielten das gesprochene Wort in einer S. fest. Wir
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