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einfacheren Dienst eine gute Volksschulbildung
vorausgesetzt. Der Anwärtermuß zunächst(min-
destens 7 Jahre, bis zum vollendeten 22. Jahr)
eine prakt. Vorbereitungszeit durchmachen.
Dann kann die «Fachprüfung für den ein-
facneren Dienst» abgelegt werden. Für den
Schwierigeren Dienst wird eine gute Ober-
Sekundareife verlangt u. eine Ausbildungszeit
von mindestens 4 Jahren. Der Besuch der VS.
fällt in diese Zeit; er Schließt mit der Fach-
prüfung für den Schwierigeren V.sdienst ab.
Aufstieg aus dem einfacheren in den Schwieri-
geren Dienst ist möglich. 7*x&äger der VS.n
Sollen nach den «Grundsätzen» provinzielle
oder bezirkl. Zusammenschlüsse (Provinzial-
Städtetag, Zweckverbände usw.) Sein. Die DzcR-
führung des Unterrichts bietet gewisse Schwie-
rigkeiten. Bei Vollunterricht ist Beurlaubung
notwendig; bei nebendienstl. Unterricht ent-
Stehen oft Verkehrsschwierigkeiten. Lerfächer
Sind vor allem: Allgem. Staats- u. V.Skunde ;
Etats-, Kassen- u. Rechnungswesen ; Finanz-
u. Steuerwesen ; öff. Versicherungsrecht; Be-
amtenrecht; Polizei-, Gewerbde- u. Bauwesen ;
Wohlfahrtspflege; Arbeitsrecht; Schulrecht ;
Büro- u. Geschäftskunde; Rechnen u. kaufm.
Buchführung; Wirtschaftskunde; Rechtskunde.
Als Dozenten werden, Soweit möglich 1. not-
wendig, hauptamt]. Kräfte angestellt, die meist
akadem. Vorbildung besitzen.
Schrifttum: R. Flleringmann, Die Ausbil-
dung u. die Fortbildung der preuß. Kommunal-
beamten (1926); Bunde, V.sbeamtenschulen, in:
Handwörterbuch d. Kommunalwissenschaften iV,
S. 317 ff. (1924); J. Wagner, V.Sbeamtenschulen,
ebd., Erg.-Bd. H-Z, 8.1357 ft. (1927); Rundschau
für Kommunalbeamte, Jhrg. 32, Nr. 16 (1926).
4. A. Bergmann.
Vilmar, Wilhelm.
Geb. am 18. X. 1870 in Greifswald, evang., Stu-
dierte V. Deutsch, Geschichte, Latein, Griechisch
bis 1894 in Marburg u. Berlin, 1894 Promotion,
1895 Staatsexamen, 1895/98 Ausbildungsjahre in
Kassel u. Marburg, 1898/99 Turnlehrerausbildung,
1899 zwiSSe7nSChafil. Hilfslehrer, 1900 in Italien,
1900/01 Hilfslehrerin Marburg, 1901/02 am Goethe-
Gymnasium in Frankfurt a. M., 1902 Oberlehrer
ebd., 1907 Dzregtor des Realgymnasiums zu Swine-
münde, 1912 des Goethe-Gymnasiums zu Frank-
furt a. M., 1916 des Grunewalder Gymnasiums zu
Berlin-Grunewald.
V. kämpft Seit 1910 für die Durchführung ;
der 50g. Bewegungstfreiheit auf der Oderstufe ;
der höh. Lehranstalten, wie Sie am Grunewald-
Gymnasium Seit 1920 durchgeführt ist. Als
Stadtrat u. Dezernent der höh. Schulen des
Bezirks Berlin-Wilmersdorf macht er z. Z. den
Versuch, das dortige Fichte-Gymnasium zu
einer Schule wie das Grunewald-Gymnasium
umzubauen, mit einer Volksschule u. einer
Mittelschule zu verbinden u. So eine Gemein-
Schaftsschule zu Schaffen mit allen nur denk-
Vilmar -- Völkerkunde u. Pädagogik.


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baren Übergangsmöglichkeiten u. Aus- u. Auf-
bauten, wodurch die Aufbauschule unnötig,
die bisherige Form der höh. Schule wohl ge-
lockert, aber doch erhalten bleibt. So würde die.
deutsche Schule der Zukunft zwar einheitlich,
aber keine Einheitsschule Sein. Die Hochschule
Soll mit ihren Forderungen bei der Immatri-
kulation wie bei dem geistigen Niveau der ein-
führenden Kollegien an die Höchstforderungen
der großen Kurse (alte u. neuere Sprachen,
Mathematik u. Naturwissenschaften) der Primen
anknüpfen. Wer das entsprechende Zeugnis
beim Abgang von der höh. Schule nicht mit-
bringt, muß es in Sonderkursen der Hoch-
Schulen nachholen. Dadurch Zeitersparnis,
Arbeit am «geistigen laufenden Band», erhöhte
Anforderungen an höh. Schulen u. Hochschule,
Strengere Auslese u. Abdämmen des Zustroms
zum Studium. -- Daneben tritt er für die völ-
lige recht]. Teilung der Lehrerinnenstellen ein.
Vs Schriften : VorsSchläge zu einer Neuordnung
unseres Unterrichtswesens (1917); über dieselben
Bestrebungen zahlreiche Zeitschriftenaufsätze, bes.
die Festschrift zum 25jähr. Bestehen des Grune-
wald-Gymnasiums. *. Spreler.
Völkerkunde u. Pädagogik.
!E. = Ethnologie, V.= Völker, VK. = Völkerkunde.]
1. Namen: 7X. bedeutet im Gegensatz zu
Volkskunde (5. d.) (Folk-Lore), die Sich mit einem
Volk befaßt, eine Gruppenwissenschaft wesentlich
vergleichender Natur. ZZ2krnograpkze beschreibt in
geordneter u. krit. Weise das Leben derVölker; E.
Sucht auch die kausalen Verflechtungen des Völker-
lebens zu erfassen u. bis zu den Ursprüngen vor-
zudringen. In Frankreich u. Belgien wird aus ge-
Schichtl. Ursachen mit Vorliebe die Bezeichnung
Ethnographie für beides gebraucht. In England
bezeichnet 47zt2ropology, in Zweifelfällen CuZtural
Anthropology, unsgere VK., während PLysical Ar-
thropology die WisSenschaft von den körperl. Ei-
genschaften u. den Rassen bezeichnet. Diese letz-
tere Wissenschaft wird in Deutschland, Österreich
(u. Italien) einfachhin Anthropologie, im Zweißfels-
fall Ahvs. Artiropologie genannt.
1. Geschichte: Ethnographie - meist in Ver-
bindung mit Geschichte u. Geographie -- wurde
bereits bei den Griechen (Zerodot, Strabo u.a.) u.
Römern (Cäsar, Tacttus u.a.) betrieben. Wertvolles
Material lieferten allezeit die MissSionare des Chri-
Stentums. -- Aus diesen Quellen schöpfte die fran-
zöSs. u. engl. Philosophie (Vortaigre, 3. Locke, Mon-
fesquieu, die Enzyklopädisten) vielfach dilettant.
Gründe für ihre Theorien, u. bes. ZXousscau fand
hier das Bild des ursprüngl. guten Naturmenschen.
Der Jesuitenmissionar 3. Fr. Laſiteau (1670-1740)
legte in einem 4bändigen Werk (Paris 1724) den
Grund zu einer wiss. E. 4. YV. Gogwue?t (1738) u. Coxu-
dorcet (1795) fügten den Fortschrittsgedanken in
die Kulturentwicklung ein. -- Die Französ. Revolu-
tion u. die nachfolgenden Kriege, die die Missionen
großenteils zerstörten, hemmten den Fortschritt
der VK., die wegen Mangel an positivem Material
Sich auf Spekulationen verwarf u. unrichtigerweise
auch die Rassen zum Objekt der VK. machte. - Der

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