Full text: Pädagogisches Wörterbuch

Natorp 
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Natürliche Strafen 
 
Auffasgung nahm der N. je- 
doch an, daß die Scels be- 
stimmto inhaltliche Gegeben- 
heiten („angebornoe Idcen“) in 
das Leben mitbringe. 
Natorp, Paul, * 24. 1. 1854 
Düsseldorf, f 17. 8. 1924 Mar- 
burg, Prof. in Marburg, Philo- 
g8oph und Pädagoge, Vertreter 
einer neuidcalistigchen Wissen- 
gehaft von der Bildung, die er 
auf die Gegamtheit der philo- 
gophischen Disziplinen gründeto. 
Sie habe nicht von der FLr- 
fahrungstatgache „Bildung“ zu 
handeln, gondern von deren 
Ideo, die wesentlich durch dia 
Jatonischen Grundtugendon 
laß, gittliche Tatkraft, Wahr- 
boit und Gerechtigkeit, godann 
aber durch die Form ihrer 
Verwirklichung innerhalb der 
meonschlichon Gemeinschaft bo- 
gtimmt sei. Drziehung durch 
und zur Gemeingchaft geigleich- 
zeitig Pergönlichkeitsbildung u. 
daher Brzicehung des Willens, 
Ihre Sieuoerung erhalte Sie durch 
das Gesetz der Vernunft, we- 
gentliche Unferstützung durch 
den intellektbildenden Unter- 
richt in Mathematik, Gramma- 
tik usw. 
Schr.: Sozialpädagogik, 1898; 
Pestalozzi, 1909; Volkskultur 
uw. Pergönlichkeitskultur, 1911; 
Deutscher Weltberuf, 1918; 
Der IdealismugsPestalozzis, 1919; 
Sozialidealismus, 1920. 
Naturgemäößheit in Erziehung 
und Unterricht, alte, vielge- 
brauchte (z. B. 8chon von 
Platon aufgestellte) und schr 
verschieden gedeutete PWordeo- 
rung, das Yrzichungs- und Lehr- 
verfahren der Natur anzu- 
asgen, Unter Natur wurde da- 
ei verstanden: 1, das äußere, 
physische Naturgeschechen (z.B. 
die Wachstumsvorgänge bei 
Pflanzen, "Tieren und Menschen 
bei Comenius); 2. der vernunft- 
gemüße Aufbau der Welt (für 
die Aufklärung war deshalb N, 
gleichbedeutend mit Vernunft- 
gemäßheit); 3. die Kigenart des 
Kindegsalters im Gegengatz zu 
dem Leben des Erwachsenen 
(z. B. von Rousscau); 4. der 
Stufenſortschritt im der Ent- 
foltung des kindlichen Wesens 
und demgemäß in den er- 
zicherischen Maßnahmen (Prö- 
bel); 5. das „„Wesen“ des Men- 
gehen überhaupt, und zwar 80- 
wohl hingichtlich geiner Bo- 
Stimmung wie auch der Ge- 
bundenheit geiner begonderen 
Lage (Pestalozzi). Die PVorde- 
rung der N.enthälteine wichtige 
pädagogische Grundeingicht, die 
jedoch häufig in ungereccht- 
fertigter Weise zugespitzt und 
übersteigert wurde. Don Ver- 
guch, die erzicherischen Vorde- 
rungen und Aufgaben allein aus 
der Natur abzuleiten, nennt 
man Naturalismusg. Der päd- 
agogische Naturalismus erfuhr 
geschichtlich zahlreiche Ab- 
wandlungen, 80 etwa in der 
Vorderung, das Kind „frei 
wachgen zu lassen“; in der 
Theories der „negativen JPir- 
ziehung“, in der Deutung der 
Erziehung als Anpassungsvor- 
gang, in der Ueberbetonung des 
Nützlichkeitsgrundsatzes und 
der Naturwissenschaſften im Un- 
terricht usf. 
Naturgeschichte > Biologie, 
Naturwissenschaftlicher Unter- 
richt, 
Natürliche Strafen Sind golche 
Vrzichungsstrafen, die gich als 
natürliche Folge falscher Hand- 
Jungen ergeben (z. B. die Kr- 
kältung nach einer zerschla-
	        

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