Full text: Abhärtung - Exzentrisch (1)

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2611 Mädchen), darunter faſt 2000 Penſionären. 
Die Geſamtzahl der Lehrkräfte einſchließlich der 
gilfskräſte betrug 470; davon gehörten 269 zur 
Brüdergemeine. 
7. Der gegenwärtige Beſtand. Gegenwärtig 
unterhält die Brüdergemeine untcr Leitung der 
Deutſchen Uniiäts-Direktion in Herrnhut außer 
vem theologiſchen Seminar und der Miſſions- 
und Bibelſchule in Herrnhut folgende Inſtitute: 
a) In Preußen: Für Knaben: das Päd- 
agogium in Niesty (Voll-Gymnaſium und Real- 
rogymnaſium mit Berechtigung zur Reife- 
yrüfung und Verſezungsprüfung nach Ober- 
jekunda), verbunden mit vier Schülerheimen; 
ür Mädchen: da3 Oberlyzeum in Gnadau 
(Internat) mit Lehrerinnenprüfung bis 1928, 
in Entwieklung begriſſen zum Oberlyzeum neuen 
Stil8; das Lyzeum und die Höhere Mädchen- 
<ule in Gnadau, verbunden mit drei Schüle- 
rinnenheimen; die Höhere Mädchenſchule mit 
zwei Internaten in Gnadenberg; die Höhere 
Mädchenſchule (Seydlikſchule) mit Internat in 
Gnadenfrei; die Höhere Mädchenſchule mit 
Internat in Neuſalz; die neunklaſſige Mädchen- 
ſchule mit Internat in Niesky; die Höhere Mäd- 
<enſchule (Zinzendorſſchule) mit Internat in 
Neuwied; ferner die Tüchterheime und Haus- 
haltungsſchulen in Gnadenberg, Gnadenſrei, 
Reuſalz, NieSky und Neuwied; außerdem die 
Ortsſchule für Knaben und Mädchen (Mittel- 
ſhullehrplan) in Niesky. 
b) Im Freiſtaat Sachſen: Für Knaben: 
die Knabenanſtalt mit Internat in Kleinwelka 
(gehobene Volksſchule, 3. T. mit realem Lehr- 
plan); für Mädchen: die neunklaſſige Mäd- 
<henſchule mit Internat in Herrnhut, die zehn- 
klaſſige gehobene Volksſchule mit Internat in 
Fleinwelka; ſerner die privaten Fortbildungs- 
ſchulen mit Internat in Herrnhut und Klein- 
welfa. 
ce) In Thüringen: das Lyzeum mit Jnter- 
nat (Erdmuth-Dorotheen-Haus) in Neudieten- 
dorf, die Wirtſchaftliche Frauenſchule mit 
Schülerinnenheim in Neudietendorf und die 
Töchterheime in Eber3dorf und in Neudietendorf. 
d) In Baden: die Knabenanſtalt in König3- 
feld mit Realſchulplan bis Unterſekunda (Inter- 
nat) und die Mädchenanſtalt mit zwei Schüle- 
rinnenheimen in Königsfeld ; außerdem das Töüch- 
terheim, Haushaltung3- und Frauenſchule mit 
zwei Schülerinnenheimen in Königsfeld. 
e) In der ſranzöſiſchen Schweiz: das 
Mädcheninſtitut mit Gärtnerinnen- und Haus- 
haltungsſchule (Internat) in Montmirail. 
Dazu kommen die Anſtalten in England und 
in Nordamerika, die unter der Leitung der dor- 
tigen Unitätöbehörden ſtehen. 
Literatur. Der Darſtellung liegen viele hand- 
ſ<riftlichen Quellen zugrunde, die ſich im Unitäts-Archiv 
in Herrnhut beſinden. Von Aufſäten und Werken Über 
Brüdergemeine (Er ziehung8weſen) -- Bugenhagen 
 
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das Erziehungsweſen der Brüdergemeine ſeien folgende 
genannt: H. Plitt: Herrnhutiſches Erziehung3wejen in 
Schmid8 Enzyklopädie (1880); IJ. Müller: Herrn- 
Hutiſche3 Erziehungsweſen in W. Reins Enzyklopädiſchem 
Handbuch der Pädagogik, (1897*?); O. Uttendörfer: 
Das Erziehungsweſen Zinzendorſs und der Brüder- 
geineine in ſeinen Anfängen in Monumenta Germaniae 
Pacdagogica (1912); derſelbe: Binzendorf und die 
Jugend (1923); derfelbe: Die Erziehungsanſtalten der 
Evang. Brüder-Unität in Deutſchland in Karl Marholds8 
Deutſche Erziehungsanſtalten in Wort und Bild (1914); 
E. R. Meyer: Schleiermacher3 undC. G. v. Brinkmanns 
Gang durch die Brüdergemeine (1905). Kiücherer. 
Buchſtabieren ſ. Leſeunterricht, Nechtſchreib- 
unterricht. 
Buchſtabiermethode |. Leſeunterricht. 
Bugenhagen, Johann. 1.B.wurde am 24. Juni 
1485 in Wollin in Pommern geboren. Daher 
führte er ſpäter den Beinamen Pomeranus. Er 
ſtammte aus einer angeſehenen Familie, von der 
manche Glieder, ſo auch ſein Vater Gerhard, 
dem Rate der leinen Stadt angehörten. Un- 
terricht wird er in der dortigen Schule genoſſen 
haben, die wiederholt erwähnt wird. Ob er nach 
der Sitte der Zeit noch andere Schulen, etwa in 
Stettin, beſucht hat, läßt ſich nicht feſtſtellen. 
Am 24. Jan. 1502 wurde er als Student in das 
Album der Univerſität Greifswald eingetragen. 
Damals begann dort die humaniſtiſche Bewe- 
gung ſich zuerſt geltend zu machen, ſreilich in 
jehüchterner Weiſe, und B. mag von Hermann 
von Buſche, der in denſelben Jahren an der pom- 
merſchen Hochſchule lateiniſche Klaſſiker auszu=- 
legen begann, manche Anregungen erfahren 
haben. Bereits 1504 wurde er als Rektor an die 
Schule in Treptow an der Nega berufen, die 
1328 durch den Abt de3 nahe bei der Stadt 
gelegenen Prämonſtratenſerkloſters Belbu>k ge- 
gründet war, unter feinem Patronate ſtand und 
ſich in der Folgezeit eines gewiſſen Rufes erſreut 
zu haben ſcheint. Jedenſalls verſtand es der neue 
Rektor, Schüler auch aus weiter Ferne in nicht 
geringer Zahl anzuziehen, und trat auch in Ver- 
bindung mit dem bekannten Humaniſten Johan- 
ne8 Murmellius, dem er in einem lateiniſchen 
Schreiben vom 23. April 1512 Bericht von ſeinen 
Studien erſtattete und einige Schüler empfahl. 
Er hat in Treptow auch die Prieſterweihe er- 
halten, diente der Kirche als Vikar und waltete 
des Amte3 als Notar. Im Jahre 1517 richtete 
der gebildete und mit reichen Kenntniſſen aus- 
geſtattete Abt Johann Boldewan eine Schule 
ſür das Kloſter ein, „damit in ihr zuvor unterrich- 
tet würden, welche ſpäter die Lehrer anderer 
werden ſollten". B., der mit ihm befreundet 
war, gab gewiß die Anregung dazu und Über- 
nahm ſelbſt Unterricht in der Auslegung der 
Bibel und der Kirchenväter. Damals wahr- 
ſcheinlich hielt er auch im Kloſter am Peter- 
Paulstage (29. Juni 1518, 1519 oder 1520) die 
erhaltene Predigt, in der er mit ernſter Bered- 
ſamkeit von den Heiligen ſpricht und zugleich die 

	        

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