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ſchichtöunterricht (1905). -- Linke: Der erzählende
Geſchichtsunterricht (1920?). -- Weyrich: Schad)
der Phraſe im Geſchichtöunterricht (1922). -- Fehring
und Freudenthal: Geſchichtöunterricht; Deutſche
Geſchichte im Bilderjpiegel der Heimat (1924). --
Peters: Geſchichtlicher Arbeitöunterricht (1925). --
Max Maurenbrecher: Völtiſcher Geſchichtsunterricht
(1925). = Krumm: Arbeitöunterricht in der Ge-
Ichichte? (1925). -- G. Weniger: Die Grundlagen
ves Geſchichtsunterrichts (1926). -- Gieſe: Nheiniſche
Heimatkunde im Rahmen der deutſchen Geſchichte
des Mittelalters (Zeitſchr. für Deutſchkunde, Jahrg.
1926, Heft 4). =- Moldenhauer: Die Bedeutung
unjerer Heimatgeſchichte für Unterricht und GExr-
ziehung (1927). =- Carſtenn: Der Geſchichtslehrer
auf dem Lande (Mitteilungen der pädagogiſchen
Akademien 11, 1927). -- Kende: Handbuch für den
Geſchichtslehrer; Geſchichtöphiloſophie und Geſchicht3-
unterricht, Bd. 1 (1927). Caynexr.
Geſhleihtertrennung |. Koedukation.
Geſchlechtliche Aufklärung [. Sexualpädagogik.
Geſchlechtöfrankheiten, ſ. auch „Anſte>ende
Krankheiten". 1. Urſachen und Verbreitung.
Unter Geſchlechtskrankheiten -- es kommen
Gonorrhoe (Tripper) und Syphilis in Betracht
-- verſteht man Krankheiten, die im weſent-
lichen auf dem Wege ves Geſchlechts3-
verkfehrs8 erworben werden. Sie können aber
auch jehr leicht gelegentlich übertragen
werden, und zwar auf den allerverſchiedenſten
Wegen. Die Syphilis 3. B. iſt in einigen
Ländern (Süd-Rußland, Balkan, Klein-Aſien)
eine einheimiſche, eine Volkskrankheit, die
jehr oft ſchon angeboren iſt, noch häufiger aber
auf irgendeinem außergeſchlechtlichen Wege über-
tragen wird; man ſpricht dann von „Syphilis
imsontium“ (S. d. Unſchuldigen).
Die Syphilis findet ſich bei Kindern zu-
Nächſt als angeborene Krankheit. Jm ſchul-
pflichtigen Alter kommen in dieſen Fällen kaum
Äußerungen der Krankheit, die eine Anſteckungs-
gefahr für andere Kinder in ſich bergen, in Be-
tracht. Aber es ſind heute leider die Fälle nicht
jelten, in denen ſchon Kinder friſch mit Syphilis
angeſtect ſind und deShalb ſür ihre Umgebung
eine gefährliche Anſte>ungsquelle bilden. Die
Anſtedung erfolgt meiſt in der Familie, durch
ertranfte Eltern oder Geſchwiſter, vermittelt
durch Berührung, Kuß, Trinkgefäße uſw. Weiter
aber finden jich Syphilis und Gonorrhoe bei
Kindern, die durch geſchlechtlichen Miß-
brauch angeſtect worden ſind. Die Gonorrhoe
kommt verhältnismäßig häufig bei Schulmädchen
vor. --
Mehrere Gründe erfordern ein Eingehen
auf dieje Vorkommniſſe. Einmal beſteht eine
große Gefahr der Weiterverbreitung dieſer
Krankheiten im Schulen, Anſtalten, bei den GEr-
holungsaufenthalten, Kinderheimen uſw. Das
verlangt, daß Erzieher, Lehrer auf dieſe Mög-
lichkeiten ein wachjames8 Auge haben. Sie
müjjen wiſjen, wann der Schularzt hinzu-
zuziehen iſt; ſie müſſen die gegebenen Für-
Gej

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jorgemöglichfeiten kennen, um eine Gefähr-
dung dex übrigen Kinder durch Entfernung ver
Erkrankten zu verhüten. Sie müſſen weiter
vorbeugend befanntgeben und anwenden alle
Maßregeln, die zur Verhütung von Schul-
und Anſtalt3-Anſteckungen gegeben ſind. Cine
ganze Jieihe jozialer, ſozial-hygieniſcher und
jozial-pädagogiſcher Fragen ſind dabei zu be-
rühren. --
Die Notwendigkeit ſolcher Erörterungen ex-
gibt ſich beſonders auch aus der großen Zu-
nahme der Zahl der als erkrankt erkannten
Kinder, wie ſie in den lezten Jahren beobachtet
worden iſt. Gumpert gibt an, daß auf ſeiner
Abteilung (Klinik Berlin) 1921: 133, 1924: 250
geſchlechtsfrante Kinder zur Behandlung kamen.
Von überall her wird dieſelbe Beobachtung ge-
meldet. Die Urſachen liegen in der Wohnungs-
not und in der ſittlichen Verwilderung. Die Un-
möglichfeit, allen Kindern immer ein eigenes
Beit zu geben, die bei den furchtbaren Wohn-
verhältniſſen unvermeidliche Unſauberkeit, die
Häujung des geſchlechtlichen Mißbrauche3 der
Kinder ſind die Hauptgründe der Steigerung
der Krankheitszahlen. In Frankfurt a. M. kom-
men nach zuverläſſigen Mitteilungen jährlich 300
bis 400 Fälle von Sittlichkeit8vergehen an Kin-
dern zur Anzeige -- wie groß die Zahl der
unbekannt bleibenden Fälle iſt, kann man kaum
ahnen. Kiel ſchreibt: „Ein beſonders trübes
Auſgabengebiet iſt die Bearbeitung der an
Kindern verübten Sittlichkeit8verbrechen; leider
häufen ſich dieſe Schändlichkeiten bejonder38 in
lebter Zeit in erſchre>ender Weiſe.“ Ein Krimi-
naliſt hat 1624 eine Zunahme von 60%, gegen
das Vorjahr feſtgeſtellt.
Auch in anderen Ländern iſt die geſteigerte
Häufigkeit der Geſchlechtskrankheiten bei Kindern
beobachtet. So berichtet 3. B. eine engliſche
Geſelljchaſt für Wohlfahrt8pflege (Charity Or-
ganization Society Records) über eigene Exr-
fahrungen. Jn 574 Fällen von Gonorrhoe und
Syphilis wurden ausſchlaggebende Feſtſtellungen
gemacht, daß die Verſchlechterung der ſozialen
und phyſiſchen Verhältniſſe und die Auflöſung
der Familie Schuld tragen an dieſen Verhält-
nijjen. Bei 60 Fällen von Scheidenentzündung
bei Kindern von zwei bis vierzehn Jahren wurde
59 mal Gonorrhoe als Urſache der Krankheit
feſtgeſtellt =- vier Kinder waren noch nicht zwei
Jahre alt! Dieſe 60 Kinder entſtammten
33 Familien; 11 mal wurde geſchlechtlicher
Mißbraud) als Urſache der Anſte>ung feſtgeſtellt !
Außerordentlich lehrreich iſt eine ganz an-
deröartige Feſtſtellung, die Cimbal macht: der
dritte Teil der bei ihm wegen Verwahr-
lojung zur Beobachtung kommenden Mädchen
(die vielfach krank ſind) ſtammt aus „Familien“,
die feine Familien ſind, wo Mann und Frau
in wilder Che leben. --

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