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Auch die Anſte>ungen durch allerfrühzeitigſten
Geſchlechtsverkehr von Kindern untereinander,
jelbſt von Geſchwiſtern untereinander haben
überall zugenommen. --
Ganz bejonders iſt die Zahl der an Gonorrhoe
ertranften Mädchen -- Schulkinder -- faſt
überall in den lezten Jahren um ein mehrfaches
geſtiegen. Die meiſten von ihnen ſind durch
nicht-geſchlechtliche Übertragung erfranft. Hier-
her gehort in erſter Linie die gemeinſame Be-
nußung von Badeſchwämmen oder Waſchläpp-
jen. Eine ähnliche Rolle ſpielen auch ge-
meinjam benußte Handtücher. Auch ein von
gejunden und erkrankten Perſonen gemeinſam
benutztes Nachtgeſchirr dient vielfach zur Weiter-
verbreitung der Gonorrhoe, und zwar findet
ſich recht häuſig gerade die Angabe dieſes
Znſeition5modu3 bei Erkrankungen von Kin-
dern der beſjeren Geſellſchaft8klaſſen, wobei
ſich meiſt herausſtellt, daß ein gonorrhoiſch
erkranftes Hausmädchen das Nachtgeſchirr des
Kindes benußt hat, und daß durch die haften-
gebliebenen Gonokokken die Infektion erfolgt iſt.
Bei Schul- und Anſtalt38epidemien ſpielt eine
gewijje Rolle die Infektion des Aborte8 durch
einen Gonorrhoifer. So konnte Stuempfke
in einer Schule, in der Soldaten einquartiert
waren, die mit den Kindern den gleichen Abort
benutzen mußten, eine ausgedehnte Inſektion
bei 6--7 jährigen Mädchen beobachten. In
geſchloſſenen Anſtalten, beſvnder8 in Kranken-
häujern, ſind mehrfach Übertragungen infolge
der Unachtjamkeit des Perſonals durch Thermo-
meter oder Klyſtierſprißen erfolgt, wobei 3. B.
bei einem an Maſtdarmgonorrhoe erkrankten
Kinde Thermometer oder Klyſtierſpriße mit
vem infektiöjen Material behaftet wurden und
diejes nun den übrigen Kindern direkt einge-
impft wurde. Auch da8 gemeinſame Baden
von Kindern in einer Wanne kann zur Weiter-
verbreitung de3 Trippers führen; ſo ſind in einem
Soolbade 15 Kinder von 7--13 Jahren durch
gemeinjames8 Baden zu zweien oder dreien
in einer Wanne erkrankt, in einem amerikaniſchen
Waijenhauſe 65 Kinder auf gleiche Weiſe.
Eine häufige Urſache der Infektion für Kinder
bildet: „daß die Kinder mit geſchlecht8franken
Erwachſenen oder anderen Kindern zuſammen-
zujchlafſen gezwungen ſind; durch die Be-
rührung mit der Bettwäſche kann die Infektion
erfolgen." (Langer.)
Außerordentlich wichtig gerade für Erzieher
ijt eine Mitteilung Franz Kramers: „Wenn
wir uns vom pſychiatriſch-pſychologiſchen Ge-
jichtöpunft aus mit den Kindern beſchäftigen,
die Gegenſtand ſexuellen Mißbrauches geworden
ſind, machen wir ganz allgemein die Erfahrung,
daß es jich zu einem erheblichen Teil um Jugend-
liche handelt, die in ihrer pſychiſchen Perſönlich-
feit Bejonderheiten darbieten.“ Sie ſind --
Gejſc
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ebenjo wie die geſchlechtskrantken (oft frühreifen)
Kinder --- auffallend häufig nicht normal. Das
trifft auch vielfach auf die frühzeitig geſchlechtlich
verfehrenden Kinder zu.
2. Maßnahmen. Eine große Schwierigkeit für
die Schule beſteht darin, die kranken Kinder aus-
ſindig zu machen. Alle38 Erzieher- und Pflege-
perjoiial muß -- beſonders in Anſtalten -- ein
wachjames Auge haben auf Cigenheiten der
Kinder und weiter auch auf die Wäſche. Beim
geringſten Verdacht iſt ſofort ärztliche Beur-
teilung zu veranlaſſen.
Eine wichtige Aufgabe erwächſt hier dem
Schularzt = dem Fürſorgerinnen und Jugend-
pflegerinnen in die Hand arbeiten müſſen; um
jede unnötige Aufmerkſamkeit8-Erregung zu ver-
meiden, müſjen die verdächtigen Fälle möglichſt
an Neihenunterſuchungen angeſchloſſen werden.
Wenn die Eltern Schwierigkeiten machen und
-- bei beſtehendem Verdacht auf Erkrankung
des Kindes --- deſſen Unterſuchung verweigern,
muß man jie perjönlich von der Notwendigkeit
zu überzeugen ſuchen. „Sonſt muß man," jagt
Fiſcher-Deſoy, „auf den 8 1666 BGB zurück-
greifen, der beſagt, daß wenn das leibliche Wohl
des Kindes dadurch gefährdet wird, daß der
Vater das Kind vernachläſſigt, das Vormund-
Ihafts8gericht die zur Abwendung der Gefahr
erſorderlichen Maßnahmen zu treffen hat.“
Mit dieſer Androhung, meint der genannte Verf.,
kommt man ſaſt immer zum Ziele. Möglichſte
Diskretion im ganzen Vorgehen iſt ſelbſtver-
ſtändlich. So wird der Schularzt ſich mit den
Eltern verſtändigen und keine Anzeige machen,
wenn ſie die von ihm vorgeſchriebenen Maß-
nahmen ausführen. --
(83 ſind hier nur die wichtigſten Punkte an-
gedeutet worden. Der Gefährdetenfürſorge er-
wächſt auf dieſem Gebiete eine große Aufgabe. --
Literatur. Haſeke und Gumpert: Geſchlechts-
franfheiten bei Kindern (1926); enthält ausführliche
Literaturangaben. = Journal of Social Uygiene,
Vol. XIII, Nr. 3 (1927). -- Cimbal: Die jugendliche
Verwahrloſung und die Wege der Heilerziehung,
Bd. 8. d. „Ergebniſſe der geſamten Medizin“.
v. Düring.
Geſchmarsbildung ſ. Äſthetiſche Erziehung.
Geſchmatsempfindungen |. Empfindung uſw.
Geſellſchaft und Erziehung. 1. Soziologie
und Pädagogik. 2. Vom Weſen der Ge-
ſellſchaft. 3. Über Arten der Geſellſchaft.
4. Erziehung als Funktion der Geſell-
jhaſt. 5. „Soziale Verſchränkung." 6. Jn-
dividualpädagogik und Sozialpädagogik.
1. Soziologie und Pädagogik beſchäftigen ſich
u. a. mit den Zuſammenhängen, die zwiſchen
Gejellſchaft und Erziehung beſtehen; ſie machen
jich dabei vornehmlich pſychologiſche und kultur-
philoſophiſche Einſichten dienſtbar. Für ihr Ver-
hältnis zueinander iſt es bezeichnend, daß man

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